Nahost, Israel

«Gaza brennt»: Israels Armee stĂ¶ĂŸt in Stadt Gaza vor

16.09.2025 - 06:56:20 | dpa.de

Israels Armee hatte die Menschen in der Stadt Gaza zur Flucht aufgefordert. Jetzt hat angeblich die Bodenoffensive in der Stadt begonnen. Israels Verteidigungsminister Katz Ă€ußert sich drastisch.

  • Die israelische Armee hat ihre Angriffe im nördlichen Gazastreifen intensiviert.   - Foto: Leo Correa/AP/dpa
    Die israelische Armee hat ihre Angriffe im nördlichen Gazastreifen intensiviert. - Foto: Leo Correa/AP/dpa
  • Islamische Staaten forderten bei einem Sondergipfel in Katar ein Waffenembargo gegen Israel.   - Foto: -/SPA/dpa
    Islamische Staaten forderten bei einem Sondergipfel in Katar ein Waffenembargo gegen Israel. - Foto: -/SPA/dpa
  • Israels Regierungschef Netanjahu gerĂ€t immer mehr unter Druck.   - Foto: Nathan Howard/Pool Reuters/AP/dpa
    Israels Regierungschef Netanjahu gerÀt immer mehr unter Druck. - Foto: Nathan Howard/Pool Reuters/AP/dpa
  • Israels Armee weitet ihre Luftangriffe in Gaza seit Tagen aus. (Archivbild) - Foto: Yousef Al Zanoun/AP/dpa
    Israels Armee weitet ihre Luftangriffe in Gaza seit Tagen aus. (Archivbild) - Foto: Yousef Al Zanoun/AP/dpa
Die israelische Armee hat ihre Angriffe im nördlichen Gazastreifen intensiviert.   - Foto: Leo Correa/AP/dpa Islamische Staaten forderten bei einem Sondergipfel in Katar ein Waffenembargo gegen Israel.   - Foto: -/SPA/dpa Israels Regierungschef Netanjahu gerÀt immer mehr unter Druck.   - Foto: Nathan Howard/Pool Reuters/AP/dpa Israels Armee weitet ihre Luftangriffe in Gaza seit Tagen aus. (Archivbild) - Foto: Yousef Al Zanoun/AP/dpa

Das israelische MilitĂ€r hat in der Nacht seine Angriffe auf die Stadt Gaza massiv intensiviert. «Gaza brennt», schrieb der israelische Verteidigungsminister Israel Katz am Morgen auf Telegram. Die Soldaten kĂ€mpften, «um die Voraussetzungen fĂŒr die Freilassung der Geiseln und die Niederlage der Hamas zu schaffen». Die US-Nachrichtenseite «Axios» zitierte israelische Beamte, denen zufolge es sich um den Beginn der Bodenoffensive in der Stadt handele. Israels Verteidigungsminister schrieb weiter: «Wir werden nicht nachlassen und nicht zurĂŒckweichen – bis die Mission abgeschlossen ist.»

Berichte ĂŒber ununterbrochenes Bombardement

Israelische Kampfflugzeuge flogen in der Nacht laut der palĂ€stinensischen Nachrichtenagentur Wafa nahezu ununterbrochen heftige Attacken auf die im Norden des Gazastreifens gelegene Stadt, begleitet von Artilleriebeschuss. PalĂ€stinensischen Medienberichten zufolge drangen danach Panzer in die Stadt ein, in der sich vermutlich noch Hunderttausende PalĂ€stinenser aufhalten. Eine BestĂ€tigung der israelischen Armee dafĂŒr lag zunĂ€chst nicht vor.

Die israelische Nachrichtenseite «Walla» berichtete unter Berufung auf einen Mitarbeiter des MilitÀrgeneralstabs, es habe «eine intensive Operation begonnen, die vielfÀltiges Feuer gegen zahlreiche Terrorziele umfasst». Und dies sei «erst der Anfang». Nach israelischen Medienberichten waren die schweren Explosionen im Norden des Gazastreifens auch in Israel zu hören. 

Kurz zuvor hatte US-Außenminister Marco Rubio Zweifel geĂ€ußert, ob der Gaza-Krieg auf diplomatischem Wege beendet werden kann. «Wenn es also nicht auf diese Weise endet, dann muss es durch einen militĂ€rischen Einsatz beendet werden», wurde er nach einem GesprĂ€ch mit dem US-Sender Fox News wĂ€hrend seines Aufenthalts in Israel zitiert. Er glaube, dass Israel diesen Weg selbst nicht bevorzuge.

Angehörige der Geiseln: Es könnte ihre letzte Nacht sein 

Das Forum der Angehörigen der von der islamistischen Terrororganisation Hamas festgehaltenen Geiseln Ă€ußerte große Besorgnis angesichts der Berichte ĂŒber die begonnene Einnahme der Stadt Gaza. Nach 710 NĂ€chten in der Gewalt von Terroristen «könnte heute Nacht die letzte Nacht fĂŒr die Geiseln sein», hieß es in einer ErklĂ€rung des Forums. Israels MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu entscheide sich bewusst dafĂŒr, «sie aus politischen ErwĂ€gungen zu opfern».

Er ignoriere dabei völlig die EinschĂ€tzungen des Generalstabschefs und der Sicherheitsbehörden, hieß es in der Mitteilung weiter. Netanjahus rechtsextreme Koalitionspartner, von denen sein politisches Überleben abhĂ€ngt, sind gegen eine Waffenruhe. 

Das israelische Sicherheitskabinett hatte im August die Einnahme der Stadt Gaza gebilligt. Das israelische MilitĂ€r rief deshalb alle der schĂ€tzungsweise eine Million Bewohner der Stadt auf, in sogenannte humanitĂ€re Zonen weiter sĂŒdlich im von Israel abgeriegelten KĂŒstenstreifen zu flĂŒchten. In Erwartung des Vorstoßes flohen nach israelischen und palĂ€stinensischen Angaben bereits mehr als 300.000 Menschen aus der Stadt Gaza.

Schwere VorwĂŒrfe gegen Netanjahu

Israelische Medien berichteten unter Berufung auf palÀstinensische Quellen, die Hamas habe Geiseln aus unterirdischen Tunneln geholt und in HÀuser und Zelte in der Stadt gebracht, um die israelische Armee an EinsÀtzen in bestimmten Gebieten zu hindern. Die Mutter eines verschleppten Mannes sagte Medien zufolge, ihr Sohn werde in Gaza als menschlicher Schutzschild missbraucht.

Im Gazastreifen befinden sich noch 48 Geiseln, von denen nach israelischen Informationen noch 20 am Leben sind. Viele von ihnen befĂ€nden sich jetzt in der Stadt Gaza, hieß es in der ErklĂ€rung des Forums der Angehörigen. MinisterprĂ€sident Netanjahu trage die persönliche Verantwortung fĂŒr das Schicksal der Geiseln. «Das israelische Volk wird die Opferung der Geiseln und Soldaten nicht verzeihen», hieß es weiter.

Zahlreiche HochhÀuser zerstört

Die israelische Armee hatte in den vergangenen Tagen ihre Luftangriffe in der Stadt und ringsherum schrittweise ausgeweitet und zuletzt begonnen, zahlreiche HochhÀuser in der Stadt zu zerstören. Sie wirft der Hamas vor, dort Beobachtungsposten eingerichtet und SprengsÀtze platziert zu haben. Bodentruppen schickte die israelische Armee bislang nicht in die dicht besiedelte Stadt.

US-Außenminister Rubio sagte dem Sender Fox News, der Krieg werde enden, wenn alle Geiseln ausgehĂ€ndigt wĂŒrden, die Hamas ihre Waffen niederlege und sich auflöse. «Im Idealfall, in einer perfekten Welt, wĂŒrde man dies durch ein diplomatisches Abkommen erreichen.» Dies sei jedoch nicht eingetreten. 

Israel zunehmend isoliert

Israel gerĂ€t international wegen der Ausweitung des Gaza-Kriegs zunehmend in die Isolation. Nach dem israelischen Luftangriff auf die FĂŒhrungsspitze der Hamas in Katar vergangene Woche forderten Vertreter aus rund 60 arabischen und weiteren islamischen Staaten bei einem Sondergipfel in Katar ein Waffenembargo gegen den jĂŒdischen Staat. Nach Angaben der Hamas war die Attacke in der Hauptstadt Doha fehlgeschlagen - kein Mitglied der Delegation fĂŒr die indirekten Verhandlungen ĂŒber eine Waffenruhe in Gaza sei getötet worden. 

Netanjahu wollte hingegen nicht von einem Fehlschlag sprechen, vielmehr habe der Angriff eine klare Botschaft vermittelt: «Ihr könnt euch verstecken, ihr könnt weglaufen, aber wir werden euch schnappen», sagte er mit Blick auf die Hamas-FĂŒhrung. Netanjahu bezeichnete die internationale Kritik an dem Angriff in Katar als «Heuchelei». Jedes Land habe das Recht, sich auch jenseits seiner Grenzen gegen jene zu verteidigen, die seine BĂŒrger töten wollten. 

Der Gaza-Krieg begann mit dem Überfall der Hamas und weiterer islamistischer Terroristen auf Israel am 7. Oktober 2023, bei dem rund 1.200 Menschen getötet und mehr als 250 in den Gazastreifen verschleppt wurden. Seither sind nach Angaben des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums mindestens 64.900 PalĂ€stinenser in dem KĂŒstengebiet getötet worden, darunter zahlreiche Frauen und Kinder. Kritiker werfen Israel Kriegsverbrechen und teils gar Völkermord vor. Israels Regierung betont dagegen, sie bekĂ€mpfe ausschließlich die Hamas, wĂ€hrend Zivilisten von der Terrororganisation als «menschliche Schutzschilde» missbraucht wĂŒrden.

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