Kroatien wÀhlt neues Parlament
Veröffentlicht am: 17.04.2024 um 09:53 Uhr | dpa, AD HOC NEWSIn Kroatien hat am Morgen die Parlamentswahl begonnen. Rund 3,7 Millionen BĂŒrger sind dazu aufgerufen, ihre Stimme abzugeben. GewĂ€hlt werden 151 Abgeordnete der aus einer Kammer bestehenden Volksvertretung.
Ăberschattet war der Wahlkampf von der bitteren Feindschaft zwischen StaatsprĂ€sident Zoran Milanovic und Regierungschef Andrej Plenkovic. Letzte Umfragen sahen die konservative Kroatische Demokratische Gemeinschaft (HDZ) von Plenkovic in FĂŒhrung vor der oppositionellen Sozialdemokratischen Partei (SDP).Â
PrÀsident Milanovic will Premier werden
PrĂ€sident Milanovic, der aus der SDP kommt, hatte einen Monat vor der Wahl ĂŒberraschend angekĂŒndigt, MinisterprĂ€sident an der Spitze einer SDP-gefĂŒhrten Regierung werden zu wollen. Als StaatsprĂ€sident mit einer eher beschrĂ€nkten MachtfĂŒlle hatte er sich mit populistischer Rhetorik der extremen Rechten in Kroatien angenĂ€hert. Den Regierungsanspruch begrĂŒndet er mit der grassierenden Korruption in dem von der HDZ regierten Staat. Seine derben Beschimpfungen politischer Gegner als «Gangster», «Stallfliegen» und «Parasiten» brachten ihm die Bezeichnung «kroatischer Trump» ein.
Plenkovic regiert seit 2016 in Kroatien, die HDZ war in den 33 Jahren seit der UnabhĂ€ngigkeit Kroatiens 26 Jahre lang an der Macht. Der amtierende Regierungschef setzte den von seinen VorgĂ€ngern begonnenen Ausbau korrupter Netzwerke in Staat und Verwaltung fort. In den fast acht Jahren seiner AmtsfĂŒhrung verlor er 30 Minister wegen KorruptionsaffĂ€ren. Zugleich positioniert sich Plenkovic prowestlich und proeuropĂ€isch.Â
Geringer Abstand zwischen HDZ und SDP
Mit der jĂŒngsten Ernennung des HDZ-loyalen Oberstaatsanwalts Ivan Turudic scheint er aber nun der KorruptionsbekĂ€mpfung und der bislang fruchtbaren Zusammenarbeit mit der EuropĂ€ischen Staatsanwaltschaft ein Ende bereiten zu wollen. Milanovic war schon von 2011 bis 2015 als damaliger SDP-Chef MinisterprĂ€sident. Seit er 2020 StaatsprĂ€sident wurde, lieĂ er eine zunehmend nationalistische, Corona leugnende und prorussische Haltung erkennen. Unter anderem versuchte er vergeblich, die Nato-Beitritte Finnlands und Schwedens zu verhindern.
Das - verfassungsrechtlich fragwĂŒrdige - Eintreten von PrĂ€sident Milanovic in den Wahlkampf verringerte in den Umfragen den Abstand zwischen HDZ und SDP.  Die Koalitionsoptionen fĂŒr die beiden GroĂparteien werden vom Wahlausgang abhĂ€ngen. Als potenzielle Koalitionspartner und Mehrheitsbeschaffer dĂŒrften die rechts-nationale Most (BrĂŒcke), die rechtsextreme Heimatbewegung sowie die Parteien der ethnischen Minderheiten zur VerfĂŒgung stehen.Â
Die Wahllokale schlieĂen um 19.00 Uhr. Mit aussagekrĂ€ftigen Teilergebnissen wird am spĂ€ten Abend gerechnet.Â
