Krieg oder Atomdeal? USA und Iran beenden Verhandlungsrunde
26.02.2026 - 20:20:37 | dpa.deDie möglicherweise entscheidende Runde der Atomverhandlungen zwischen den USA und dem Iran ist ohne Durchbruch beendet worden. Omans AuĂenminister Badr al-Bussaidi, der zwischen beiden Staaten vermittelt, zeigte sich nach den GesprĂ€chen in Genf dennoch optimistisch. Er sprach von «bedeutenden Fortschritten» in den Verhandlungen. NĂ€chste Woche seien in Wien GesprĂ€che auf technischer Ebene geplant. Falls diese stattfinden, dĂŒrften Details eines möglichen Abkommens ausgehandelt werden.
Ob es dazu kommen wird, ist jedoch unklar. US-PrĂ€sident Donald Trump hatte der iranischen StaatsfĂŒhrung vor einer Woche noch ein Ultimatum bis Anfang MĂ€rz gestellt. «Entweder wir erzielen eine Einigung oder es wird fĂŒr sie bedauerlich», sagte er. Im Raum steht, dass Trump zu einem militĂ€rischen Angriff auf die FĂŒhrung in Teheran und ihren Machtapparat ausholt.Â
Iran ĂŒbermittelte Entwurf fĂŒr Abkommen
Bei den Verhandlungen geht es unter anderem um das umstrittene iranische Atomprogramm. Die USA wollen verhindern, dass die FĂŒhrung in Teheran Atomwaffen entwickelt. Irans Regierung bestreitet entsprechende Absichten, zeigt sich jedoch bereit, ihr Nuklearprogramm zu begrenzen. Im Gegenzug fordert Teheran die Aufhebung harter Wirtschaftssanktionen. Am Mittwoch ĂŒbermittelte der Iran einen ersten Entwurf fĂŒr ein neues Abkommen - Details des Entwurfs wurden nicht bekannt.
Ăber andere von den USA eingebrachte Themen will die Islamische Republik Iran nicht sprechen â darunter eine Begrenzung ihres Raketenarsenals oder ein Ende der UnterstĂŒtzung militanter Gruppen wie der Hisbollah im Libanon. FĂŒr den Iran verhandelte das Team um AuĂenminister Abbas Araghtschi, fĂŒr die US-Seite der Sondergesandte Steve Witkoff sowie Jared Kushner, der Schwiegersohn von US-PrĂ€sident Donald Trump.
US-MilitÀrprÀsenz in der Region massiv aufgestockt
Die USA haben ihre MilitĂ€rprĂ€senz in der Region zuletzt stark ausgebaut. Dem «Wall Street Journal» zufolge ist es der gröĂte Aufmarsch von US-LuftstreitkrĂ€ften in der Region seit dem Irak-Krieg 2003. Am Donnerstag lief der gröĂte FlugzeugtrĂ€ger der US-Marine, die USS Gerald R. Ford, vor der griechischen Insel Kreta aus. Er dĂŒrfte die US-Flotte im Nahen Osten verstĂ€rken.
Anfang Februar hatten beide Staaten ĂŒberraschend neue Verhandlungen aufgenommen. Zuvor hatte Trump der iranischen FĂŒhrung wegen ihres brutalen Vorgehens gegen Massenproteste gedroht. Viele Menschen im Iran sehen die GesprĂ€che ihrer Regierung mit den USA daher kritisch. Sie fordern einen Machtwechsel und fĂŒrchten, ein Deal könne der Regierung den RĂŒcken stĂ€rken.
Die zentralen Streitpunkte
Irans Regierung verfolgt mit ihrem Atomprogramm eigenen Angaben nur zivile Ziele. Sie verweist auf einen religiösen Erlass von Staatsoberhaupt Ajatollah Ali Chamenei, der den Bau und Einsatz von Massenvernichtungswaffen wie Atombomben untersagt. Kritiker zeigen sich jedoch besorgt darĂŒber, dass der Iran in den vergangenen Jahren Uran auf einen Reinheitsgrad von 60 Prozent angereichert hat.Â
Westlichen Angaben zufolge ist die Islamische Republik weltweit der einzige Staat ohne eigene Atombomben, der ĂŒber derart hoch angereichertes Uran verfĂŒgt. FĂŒr den Bau von Atomwaffen wĂ€re eine weitere Anreicherung auf gut 90 Prozent erforderlich.
Auch der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA, Rafael Grossi, hatte sich in der Vergangenheit kritisch ĂŒber Irans Atomprogramm geĂ€uĂert und besseren Zugang zu dem Land gefordert. Er ist in die aktuellen Atomverhandlungen involviert. In einem Interview des Senders CNN nannte er zentrale Streitpunkte: den Umgang mit dem im Land verbliebenen hoch angereicherten Uran, von dem mehr als 400 Kilogramm vorhanden sein sollen; zudem gehe es um die Zukunft der zentralen Atomanlagen, die im vergangenen Jahr bereits bombardiert worden waren, sowie um kĂŒnftige nukleare AktivitĂ€ten im Iran, die streng von der IAEA ĂŒberwacht werden sollen.
Trump hatte frĂŒheres Atomabkommen mit Iran aufgekĂŒndigt
2015 hatte sich der Iran schon einmal zur BeschrĂ€nkung seines Atomprogramms verpflichtet. Im Gegenzug sollten Sanktionen aufgehoben werden. Trump war der Wiener Atomvertrag, der unter seinem damaligen VorgĂ€nger Barack Obama ausgehandelt worden war, stets ein Dorn im Auge. 2018 - wĂ€hrend seiner ersten Amtszeit - kĂŒndigte er die Vereinbarung einseitig auf. Zugleich lieĂ er neue und hĂ€rtere Sanktionen gegen den Iran verhĂ€ngen. In der Folge hielt sich auch die iranische FĂŒhrung nicht mehr an die Auflagen.
Krieg im vergangenen Jahr hat Vertrauen zerstörtÂ
Im Sommer 2025 fĂŒhrte Israel Krieg gegen den Iran und bombardierte Ziele im ganzen Land. Irans LuftstreitkrĂ€fte feuerten daraufhin ballistische Raketen auf Israel. In beiden LĂ€ndern gerieten auch zivile Gebiete unter Beschuss.
Die USA griffen gut eine Woche spĂ€ter in den Krieg ein. Ziel des MilitĂ€reinsatzes namens «Mitternachtshammer» waren die Anreicherungsanlagen in Natans und Fordo sowie eine Atomeinrichtung in Isfahan. Trump sprach damals von einer völligen Zerstörung der Anlagen.Â
Der Krieg begann damals ĂŒberraschend nur einen Tag vor der sechsten geplanten Verhandlungsrunde zwischen dem Iran und den USA. Er erschĂŒtterte das Vertrauen der iranischen FĂŒhrung in GesprĂ€che mit Washington einmal mehr.
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