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Studie: Handel mit wilden Arten ist viel grĂ¶ĂŸer als gedacht

Veröffentlicht am: 31.10.2026 um 11:18 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Ob Tropenholz, Heilpflanzen, Zierfische oder Morcheln: Der Mensch handelt weltweit mit mindestens 107.356 wildlebenden Tier-, Pflanzen- und Pilzarten.

Das sind mehr als doppelt so viele wie bislang angenommen. Die tatsĂ€chliche Zahl könnte aber noch deutlich höher liegen, weil in vielen LĂ€ndern systematische Daten ĂŒber Handel und Entnahme fehlen. Das geht aus einer im Fachjournal "Science Advances" veröffentlichten Studie unter Leitung der UniversitĂ€t Melbourne hervor.

Bisherige SchÀtzungen, darunter eine Analyse des WeltbiodiversitÀtsrats IPBES, waren von rund 50.000 international gehandelten Arten ausgegangen. Die neue Untersuchung erfasst allein mehr als 47.000 Tierarten. Hinzu kommen fast 50.000 genutzte Pflanzenarten sowie Pilze. "Wenn wir an den Handel mit wildlebenden Arten denken, denken wir meist an den illegalen Handel mit Elefanten, Tigern und Schuppentieren. Aber es geht um sehr viel mehr", sagte die Studienleiterin Alice Hughes laut einer Pressemitteilung.

Legaler versus illegaler Handel

Der grĂ¶ĂŸte Teil des Handels ist demnach legal. Sein jĂ€hrlicher Wert liegt nach Berechnungen der Forscher bei 220 bis 300 Milliarden US-Dollar (197 bis 268 Milliarden Euro). Der illegale Handel kommt auf geschĂ€tzte 28,4 bis 39,5 Milliarden Dollar.

Wie gravierend die Folgen einer nicht nachhaltigen Entnahme sein können, zeigt ein weiterer Befund: Bei Arten, fĂŒr die entsprechende Daten vorliegen, sind die BestĂ€nde gehandelter Populationen im Durchschnitt 50 bis 60 Prozent kleiner als die nicht gehandelter Populationen.

Der Handel habe zudem direkt oder indirekt zum weltweiten Aussterben von 294 Arten beigetragen, heißt es in der Studie. 25 weitere sind in freier Wildbahn verschwunden und ĂŒberleben nur noch in menschlicher Obhut. In 192 FĂ€llen sind Populationen regional vollstĂ€ndig verschwunden.

Bisher kaum verlÀssliche Daten

Wie groß der Handel tatsĂ€chlich ist, lĂ€sst sich bislang kaum zuverlĂ€ssig bestimmen. Das Washingtoner ArtenschutzĂŒbereinkommen CITES erfasst vor allem den internationalen Handel mit gefĂ€hrdeten Arten. Andere Datenbanken konzentrieren sich etwa auf Fischerei oder Holz.

Eine vergleichsweise gute Erfassung gibt es bereits in den USA: Das Informationssystem Lemis dokumentiert dort seit dem Jahr 2000 den Handel mit mehr als 21.000 wildlebenden Tierarten. FĂŒr viele andere LĂ€nder fehlen vergleichbare Daten. So waren laut Originalstudie 25 Prozent der erfassten gehandelten Vogelarten ausschließlich in der US-Datenbank verzeichnet, bei SĂ€ugetieren waren es sogar 54 Prozent.

Auch fĂŒr Europa könnte der Handel Ă€hnlich umfangreich oder grĂ¶ĂŸer sein als in den USA. Mangels zugĂ€nglicher Daten lasse sich das jedoch nicht ĂŒberprĂŒfen. "Das Problem ist, dass wir es schlicht nicht wissen: Die Daten sind nicht öffentlich zugĂ€nglich und entsprechen möglicherweise nicht den Standards, die nötig wĂ€ren, um das tatsĂ€chliche Ausmaß des Handels zu erfassen", sagte Hughes.

Studie fordert internationale Koordination

Die Wissenschaftler fordern deshalb eine systematischere und international abgestimmte Erfassung. Bestehende Zoll- und veterinĂ€rrechtliche Kontrollverfahren könnten dafĂŒr genutzt werden, Handelsdaten umfassender zu dokumentieren. Hughes betonte: "Wenn wir es ernst meinen mit dem Ziel, den Verlust der biologischen Vielfalt aufzuhalten, brauchen wir eine wesentlich umfassendere, transparentere und weltweit koordinierte Dokumentation des Handels mit wildlebenden Arten."

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