Alphabet Aktie: Waymo tritt aufs Gas
Veröffentlicht: 09.07.2026 um 02:02 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Während Alphabet in Brüssel auf eine milliardenschwere Kartellstrafe wartet, expandiert die eigene Robotaxi-Sparte munter weiter. Waymo bringt seine fahrerlosen Autos in den kommenden Wochen nach San Diego, Las Vegas, Tampa und Denver — vier neue Märkte auf einen Schlag. Zwei Baustellen, ein Konzern: Der Kontrast zeigt, wie unterschiedlich die Alphabet-Story gerade verläuft.
Waymo fährt vor, Regulierer bremsen
Der Start in den vier neuen Städten läuft zunächst für Alphabet-Mitarbeiter, bevor die Öffnung für die breite Öffentlichkeit folgt. Waymo ist bereits in mehr als zehn Städten aktiv und hatte die Ausweitung im vergangenen Jahr angekündigt. Damit bleibt der Vorsprung vor Tesla und dem Amazon-Ableger Zoox deutlich, auch wenn beide Konkurrenten in diesem Jahr eigene Markteintritte in Texas und Florida planen.
Die Wachstumsdynamik hat ihren Preis. Erst im Februar sammelte Waymo 16 Milliarden Dollar von Alphabet und weiteren Investoren ein, um die Flotte auszubauen. Nach eigenen Angaben sind mittlerweile rund 4.000 Robotaxis der fünften und sechsten Fahrzeuggeneration im US-Einsatz. Parallel wächst auch der Ärger: Fahrzeuge blieben während extremer Wetterlagen in überfluteten Straßen stecken, andere verharrten am Unabhängigkeitstag in San Francisco so lange im Verkehr, dass ihnen die Batterie ausging.
Während Waymo expandiert, droht dem Mutterkonzern in Brüssel Ungemach. Die EU-Kommission hat die Verkündung einer Strafe im laufenden Digital-Markets-Act-Verfahren gegen Google verzögert — Berichten zufolge auch mit Rücksicht auf die diplomatische Lage rund um den NATO-Gipfel in Ankara. Im Kern geht es um den Vorwurf, Google bevorzuge eigene Produkte und dränge Wettbewerber aus dem Blickfeld der Nutzer. Die Kommission will die Strafe noch vor der Sommerpause verhängen, es bliebe damit nur ein enges Zeitfenster von wenigen Tagen.
Investoren fragen nach der Rendite
An der Wall Street verschiebt sich derweil die Bewertungsfrage. Reichte vor einem Jahr noch die Ankündigung neuer Rechenzentren, verlangt der Markt inzwischen handfeste Belege dafür, welche Konzerne aus ihren KI-Milliarden bereits Erträge ziehen. Genau hier beginnt sich das Bild zwischen Alphabet und Meta zu differenzieren.
Ein Fingerzeig, wohin die Reise gehen könnte, liefert Alberta: Google zeigte beim Calgary Stampede in diesem Jahr die größte Unternehmenspräsenz seiner Geschichte, während die kanadische Provinz Investitionen in Höhe von 100 Milliarden kanadische Dollar für den Ausbau von Rechenzentren anlocken will. Google Cloud dürfte damit zu den Profiteuren zählen, sollte sich Alberta als neuer Standort für energiehungrige KI-Infrastruktur etablieren.
Zwischen regulatorischem Gegenwind aus Brüssel und operativer Expansion bei Waymo und Cloud zeichnet sich damit ab, wie unterschiedlich die einzelnen Baustellen des Konzerns derzeit laufen. Die Entscheidung der EU-Kommission dürfte noch in den kommenden Tagen fallen.
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