Bayern und BGH schrÀnken Zweckentfremdung von Wohnraum massiv ein
Veröffentlicht am: 04.04.2026 um 08:49 Uhr | Redaktion boerse-global.deBayern verschĂ€rft den Kampf gegen illegale Ferienwohnungen, wĂ€hrend der Bundesgerichtshof gewinnorientierte Untervermietung stoppt. Die MaĂnahmen zielen darauf ab, knappen Wohnraum zu schĂŒtzen.
Angesichts einer akuten Wohnungskrise und historisch niedriger Neubauzahlen greifen Politik und Justiz jetzt durch. Das reformierte bayerische Zweckentfremdungsgesetz ist seit dieser Woche in Kraft. Parallel dazu hat der BGH mit einem Grundsatzurteil das GeschÀftsmodell der gewerblichen Untervermietung ausgehebelt.
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Bayern zwingt Airbnb & Co. zur Transparenz
Seit dem 1. April mĂŒssen Anbieter auf Plattformen wie Airbnb eine behördliche Registrierungsnummer angeben. Ohne diese Nummer drohen hohe BuĂgelder. Das neue Gesetz gibt Kommunen schĂ€rfere Werkzeuge an die Hand, um illegale Kurzzeitvermietungen aufzuspĂŒren.
Der Clou: Bayern nutzt als erstes Bundesland einen EU-weiten Datenaustausch. Ăber eine zentrale Stelle bei der Bundesnetzagentur können Gemeinden direkt auf Buchungsdaten der Portale zugreifen. In StĂ€dten wie MĂŒnchen, wo die Vermietung auf acht Wochen pro Jahr begrenzt ist, soll dies die Kontrollen revolutionieren. Die mĂŒhsame Beweissuche entfĂ€llt.
BGH kippt das âRent-to-Rentâ-Modell
In einem wegweisenden Urteil stellte der Bundesgerichtshof klar: Mieter haben kein Recht auf Untervermietung, wenn sie damit Gewinn machen wollen. Im verhandelten Fall hatte ein Berliner Mieter seine Wohnung fĂŒr mehr als das Doppelte der eigenen Miete weitervermietet.
Die Karlsruher Richter betonten, dass eine Erlaubnis nur dem Mieter in Notlagen helfen soll â nicht als Einnahmequelle dienen darf. Vermieter können die Zustimmung nun verweigern, sobald die verlangte Untermiete die eigenen Kosten ĂŒbersteigt. Rechtsexperten sehen darin das Ende fĂŒr gewerbliche Untervermietungsmodelle in Deutschland.
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Schimmel durch falsches Heizen wird zum MassenphÀnomen
Neben der rechtlichen rĂŒckt auch die physische Zweckentfremdung in den Fokus. Studien belegen einen alarmierenden Anstieg von SchimmelschĂ€den. Rund 4,3 Millionen Wohnungen sind betroffen.
Experten machen das verĂ€nderte Heiz- und LĂŒftungsverhalten verantwortlich. Viele Bewohner drehen die Heizung aus KostengrĂŒnden ab, lĂŒften aber nicht regelmĂ€Ăig. Besonders in teilsanierten Altbauten schlĂ€gt sich die Feuchtigkeit dann an den WĂ€nden nieder. Gutachter fĂŒhren etwa 20 Prozent der FĂ€lle auf dieses Fehlverhalten zurĂŒck. Die Branche setzt daher zunehmend auf kontrollierte LĂŒftungssysteme.
Berlin erhöht die Strafen auf bis zu 500.000 Euro
Auch die Hauptstadt zieht nach. Der Senat hat die Strafen fĂŒr die Umwandlung von Wohn- in GewerbeflĂ€chen deutlich verschĂ€rft. Die Ausgleichsabgabe fĂŒr EigentĂŒmer, die keinen Ersatzwohnraum schaffen, wurde massiv erhöht.
Ziel ist es, den wirtschaftlichen Reiz einer gewerblichen Nutzung zu killen. Gleichzeitig will Berlin leerstehende Immobilien schneller zurĂŒck auf den Mietmarkt bringen. Die BezirksĂ€mter stocken ihre Kontrollteams auf. In Friedrichshain-Kreuzberg wurden bereits BuĂgelder in Millionenhöhe verhĂ€ngt.
Was bedeuten die neuen Regeln fĂŒr Mieter und Vermieter?
Die Botschaft ist klar: Der Spielraum fĂŒr eine renditeorientierte Nutzung von Wohnraum schwindet. Das Risiko rechtlicher Konsequenzen â vom Mietverlust bis zum sechsstelligen BuĂgeld â ist so hoch wie nie.
Ab Mai mĂŒssen Booking-Plattformen ihre Daten automatisch an Behörden melden. Andere BundeslĂ€nder werden voraussichtlich dem bayerischen Modell folgen. In einem stagnierenden Neubau-Markt wird die sachgemĂ€Ăe Nutzung des Bestands zur Ăberlebensfrage. Die Zeit der Zweckentfremdung ist vorbei.
