Kabinett gibt Ermittlern mehr digitale Befugnisse
29.04.2026 - 14:23:01 | dpa.deEin entsprechendes Reformpaket hat das Kabinett beschlossen. Die Möglichkeiten der Gegner des Rechtsstaats hĂ€tten sich durch neue Methoden im digitalen Raum erweitert, die Polizei mĂŒsse hier Schritt halten, sagte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU).
Automatisierte Datenanalyse
Die neuen Befugnisse sollen helfen, Menschen zu identifizieren. Der Abgleich soll es auch leichter machen, gesuchte Personen zu lokalisieren sowie ZusammenhĂ€nge zwischen Tat und TĂ€ter zu erkennen. Besondere Vorschriften sollen fĂŒr FĂ€lle gelten, in denen das BKA den Abgleich durch eine Stelle in einem Staat auĂerhalb der EuropĂ€ischen Union durchfĂŒhren lĂ€sst. Eine Voraussetzung ist hier etwa, dass dieser Abgleich in einem EU-Mitgliedstaat technisch entweder unmöglich ist oder mit unverhĂ€ltnismĂ€Ăig hohem Aufwand verbunden wĂ€re.
KI-Werkzeuge und andere digitale Lösungen zur AufklĂ€rung von Straftaten nicht zu nutzen, wĂ€re fahrlĂ€ssig, sagt Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD). Gleichzeitig brauche es fĂŒr ihren Einsatz sichere gesetzliche Leitplanken. Sie betont: "SelbstverstĂ€ndlich gilt auch weiterhin: Entscheidungen im Strafverfahren werden immer von Menschen getroffen, nicht von KI-Agenten."
Auch eine Frage digitaler SouverÀnitÀt
IT-Fachleute treibt angesichts von Spannungen im transatlantischen VerhĂ€ltnis zunehmend die Sorge um, dass politischer Druck eines Tages auch mit gesperrten ZugĂ€ngen zu den eigenen Daten, Datenabfluss oder einer Fernabschaltung von US-Software ausgeĂŒbt werden könnte. Hersteller wie Palantir, fĂŒr dessen Analysetool "Gotham" sich Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Baden-WĂŒrttemberg entschieden haben, betonen zwar stets, die vollstĂ€ndige Datenhoheit liege bei der jeweiligen Polizeibehörde. Doch Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) erweckte zuletzt eher nicht den Eindruck, als wolle er die US-Software zur VerknĂŒpfung von Daten langfristig fĂŒr die Bundessicherheitsbehörden nutzen.
Kritik an dem Gesetzesvorhaben, das vom Kabinett nun auf den Weg gebracht wurde, kam im Vorfeld unter anderem von der Bundesrechtsanwaltskammer. In einer Stellungnahme zu einem ersten Entwurf Ă€uĂerte sie "erhebliche Bedenken, ob die vorgeschlagenen Regelungen der besonderen Eingriffstiefe und der Streubreite der MaĂnahme angemessen Rechnung tragen".
Gesichtserkennungssoftware fĂŒr die Fahndung
Dobrindt erinnerte an den Fall der RAF-Terroristin Daniela Klette. Die Polizei - federfĂŒhrend das LKA Niedersachsen - hatte jahrzehntelang nach ihr gesucht, schlieĂlich wurde Klette im Februar 2024 in ihrer Wohnung in Berlin-Kreuzberg gefasst. Ein kanadischer Journalist hatte bei einer Recherche schon im Herbst 2023 mit einem Ă€lteren Foto von Klette und einem kommerziellen Gesichtserkennungsprogramm Fotos einer Frau in Berlin gefunden, die Klette stark Ă€hnelte. Das löste spĂ€ter eine Debatte darĂŒber aus, weshalb der Polizei solche Werkzeuge nicht zur VerfĂŒgung stehen. Gleichzeitig betonte der Minister, es gehe nicht um das Sammeln zusĂ€tzlicher Daten, sondern lediglich darum bereits vorhandene Datenquellen schneller zu analysieren.
Regelungen fĂŒr das Bamf
Auch fĂŒr das Bundesamt fĂŒr Migration und FlĂŒchtlinge (Bamf) ist in dem Gesetzentwurf die Erlaubnis vorgesehen, Fotos mit Bildern, die im Internet öffentlich verfĂŒgbar sind, abzugleichen. Das soll allerdings nur fĂŒr biometrische Daten von AuslĂ€ndern gelten, die keinen gĂŒltigen Pass vorweisen können.
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