Schaeffler geht mit Vorsicht ins neue Jahr - Aktie lÀsst Luft ab
03.03.2026 - 12:37:57 | dpa.de(neu: Kurs aktualisiert, weitere Analystin, Aussagen Management.)
HERZOGENAURACH (dpa-AFX) - Der Auto- und Industriezulieferer Schaeffler DE000SHA0100 blickt nach einem schwierigen Lauf 2025 mit Vorsicht auf das neue Jahr. Beim Umsatz sind den EinschĂ€tzungen des Vorstands zufolge keine SprĂŒnge zu erwarten, bei der ProfitabilitĂ€t zeigte sich Chef Klaus Rosenfeld am Dienstag ebenfalls zurĂŒckhaltend. Schwierig bleibt vor allem das GeschĂ€ft mit den herkömmlichen Auto-Antrieben. Von der E-MobilitĂ€t hingegen und der Ersatzteilsparte rechnen sich die Franken Schub aus. Rosenfeld treibt zudem die Zukunftsfelder humanoide Roboter und RĂŒstung voran. Im vergangenen Jahr blieb es unter dem Strich aber noch bei roten Zahlen. Die in diesem Jahr bisher gut gelaufene Aktie verlor deutlich.
Der Kurs brach bis zum Mittag um rund 16 Prozent auf 8,45 Euro ein und machte damit den GroĂteil seiner Gewinne im bisherigen Jahr zunichte. Das im SDax notierte Papier hatte in diesem Jahr zuvor vor allem wegen der Fantasie rund um das GeschĂ€ft mit humanoiden Robotern einen Satz nach oben gemacht. Auf Sicht von einem Jahr hatte sich der Kurs sogar in etwa verdoppelt.
JPMorgan-Experte Jose Asumendi fĂŒhrte ein ĂŒberraschend niedriges operatives Ergebnis im vierten Quartal auf die Sparte mit Rand- und ZukunftsgeschĂ€ften sowie die Antriebssparte zurĂŒck. Der Ausblick sei schwach, schrieb Jefferies-Expertin Vanessa Jeffriess. Sie begrĂŒndete dies mit der Sparte fĂŒr Elektroautos, der sie mehr Marge zugetraut habe.
Rosenfeld peilt im neuen Jahr bei einem geplanten Umsatz von 22,5 bis 24,5 Milliarden Euro eine bereinigte operative Marge vor Zinsen und Steuern (ber Ebit-Marge) von 3,5 bis 5,5 Prozent an, wie das SDax DE0009653386-Unternehmen in Herzogenaurach mitteilte. Analysten rechneten im Schnitt bisher mit Werten in der oberen HĂ€lfte der Spannen.
Im vergangenen Jahr ging der Umsatz auf vergleichbarer Basis um 3,4 Prozent auf 23,5 Milliarden Euro zurĂŒck. Beim operativen Ergebnis (ber. Ebit) konnte Schaeffler dagegen auch dank des Sparkurses um 11,1 Prozent auf 936 Millionen Euro zulegen, die Marge zog um einen halben Prozentpunkt auf 4,0 Prozent an.
Unter dem Strich sorgten 2025 hohe Sonderbelastungen aus dem Konzernumbau mit Stellenstreichungen und aus der Umstellung von Softwaresystemen erneut fĂŒr rote Zahlen, der Konzernverlust belief sich auf 424 Millionen Euro. Ein Jahr zuvor hatte Schaeffler unter anderem auch wegen Sonderkosten fĂŒr die Ăbernahme von Vitesco noch einen höheren Verlust von 632 Millionen Euro ausgewiesen. Die Dividende fĂŒr 2025 soll trotz des Nettoverlusts dank eines verbesserten Finanzmittelzuflusses um 5 Cent auf 0,30 Euro steigen.
Vom im November 2024 angekĂŒndigten Stellenabbau von 4.700 Jobs sei inzwischen knapp die HĂ€lfte erledigt, sagte Rosenfeld auf der Pressekonferenz. In diesem Jahr soll noch der Abbau von rund 1.800 Jobs erfolgen, etwas weniger als 2025.
Den sogenannten Free Cashflow vor Zahlungen fĂŒr Zu- und VerkĂ€ufe von Unternehmensteilen steigerte Schaeffler im Berichtszeitraum deutlich. 2025 flossen dem Unternehmen 266 Millionen Euro zu und damit noch einmal etwas mehr, als im zuletzt schon erhöhten Prognoseband vorgesehen war. Ein Jahr zuvor hatte die Kassenbilanz einen Abfluss von 694 Millionen Euro ausgewiesen. Schaeffler trat vor allem bei den Investitionen auf die Bremse und gab rund eine halbe Milliarde Euro weniger dafĂŒr aus.
Das Unternehmen setzt im Automobilbereich verstĂ€rkt auf Elektroantriebe und hatte sich dafĂŒr auch den Zukauf Vitesco geleistet. Allerdings hat sich das Umfeld auch fĂŒr Elektroautos eingetrĂŒbt: In den USA hatten die groĂen Autobauer Ford US3453708600, General Motors US37045V1008 und Stellantis NL00150001Q9 schwerwiegende Milliardenabschreibungen auf ihre Elektroautoprogramme vorgenommen.
US-PrÀsident Donald Trump hatte Subventionen gestrichen und Abgasregeln geÀndert. In der Folge war die Nachfrage nach E-Autos in den USA eingebrochen. Schaeffler habe einige AuftrÀge in dem GeschÀft in den USA deswegen "bereinigt", sagte Rosenfeld.
Der Manager hatte zuletzt mit Blick auf die kommenden Jahre angekĂŒndigt, die AbhĂ€ngigkeit vom ZuliefergeschĂ€ft fĂŒr die Automobilindustrie nach und nach zu senken. RĂŒstung und humanoide Roboter sollen neue Chancen eröffnen. Das Unternehmen erhofft sich bis 2035 einen Umsatzanteil von zehn Prozent durch solche Zukunftsfelder. Vielleicht könne man das auch schon etwas frĂŒher erreichen, zeigte sich Rosenfeld zuversichtlich. Allerdings stecken die GeschĂ€fte noch in den Kinderschuhen.
Bereits in KĂŒrze soll ein Zulieferauftrag fĂŒr den Drohnenhersteller Helsing unter Dach und Fach gebracht werden. Schaeffler will Elektromotoren fĂŒr Kampfdrohnen beisteuern. Zudem wird spekuliert, dass die Franken als Zulieferer auch beim Elektroautobauer Tesla US88160R1014 von Elon Musk mit im Boot sind, der das GeschĂ€ft mit humanoiden Robotern in groĂem Stil ausbauen will.
Von dem Kriegsausbruch im Nahen Osten sei Schaeffler direkt zunĂ€chst kaum betroffen, sagte Rosenfeld. In den Lieferketten sehe das Unternehmen derzeit auch noch keine echte Belastung. Es könne aber sein, dass sich Lieferungen verzögerten und teurer wĂŒrden.
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