Studie: Europas digitale AbhÀngigkeit wÀchst
Veröffentlicht am: 28.10.2026 um 06:09 Uhr | dpa, AD HOC NEWSWĂ€hrend die beiden globalen Technologie-GroĂmĂ€chte ihre AbhĂ€ngigkeiten in den vergangenen Jahren spĂŒrbar abbauen konnten, ist Europa heute abhĂ€ngiger von auslĂ€ndischen Digitaltechnologien als noch vor gut einem Jahrzehnt. Das geht aus einer umfassenden Vergleichsstudie des Center for Advanced Security, Strategic and Integration Studies (CASSIS) der UniversitĂ€t Bonn in Kooperation mit dem Vodafone GB00BH4HKS39 Institut fĂŒr Gesellschaft und Kommunikation hervor, die heute veröffentlicht wurde.
FĂŒr die Untersuchung entwickelten die Forscher den sogenannten "Digital Dependence Index" (DDI), der 51 Industrie- und SchwellenlĂ€nder ĂŒber einen 14-jĂ€hrigen Zeitraum von 2010 bis 2023 analysiert. Der Index bildet die AbhĂ€ngigkeit auf einer Skala von 0 fĂŒr vollkommene UnabhĂ€ngigkeit bis 1 fĂŒr vollstĂ€ndige AbhĂ€ngigkeit in den vier Kernbereichen Hardware-Handel, IT-Dienstleistungen, Software-Plattformen und Technologiepatente ab.
Demnach stieg die durchschnittliche digitale AbhÀngigkeit europÀischer Staaten zwischen 2010 und 2023 leicht um 0,5 Prozentpunkte auf 0,69 an. Im selben Zeitraum gelang es China, seinen Wert um 10,8 Prozentpunkte auf 0,43 zu senken. Die USA verbesserten sich um 6,0 Prozentpunkte und behaupten mit einem Wert von 0,38 die globale Spitzenposition als autonomste Digitalnation.
Deutschland liegt im Mittelfeld
Deutschland belegt im weltweiten Ranking mit einem DDI-Wert von 0,73 Rang 25 und rangiert damit im mittleren Feld gleichauf mit Ăsterreich und Thailand. Zwischen 2010 und 2023 hat sich die digitale Verwundbarkeit der Bundesrepublik um 2,4 Prozentpunkte verschĂ€rft, was laut den Autoren vor allem auf eine wachsende AbhĂ€ngigkeit bei Software und IT-Dienstleistungen zurĂŒckzufĂŒhren ist.
Bei der Betrachtung der einzelnen Bereiche zeigt sich fĂŒr Deutschland ein zwiespĂ€ltiges Bild: Einerseits weist die deutsche Wirtschaft unter allen untersuchten europĂ€ischen Staaten die geringste AbhĂ€ngigkeit bei Informations- und Kommunikationstechnologie-Patenten auf. Andererseits reicht dieser europĂ€ische Spitzenplatz im globalen Vergleich bei Weitem nicht aus, da der RĂŒckstand zu den USA 26 Prozent, zu China 20 Prozent und zu SĂŒdkorea 12 Prozent betrĂ€gt.
SchwÀche bei Plattformen
Wie fast alle europĂ€ischen Partner ist Deutschland zudem bei Plattformen wie Betriebssystemen, Suchmaschinen und Cloud-Diensten praktisch vollstĂ€ndig von auslĂ€ndischen Anbietern abhĂ€ngig. Gemeinsam mit Partnern wie Frankreich, Italien und GroĂbritannien gehört Deutschland damit zum Cluster der postindustriellen Staaten, die zwar industriell und forschungsseitig stark sind, aber erhebliche LĂŒcken bei Plattform-Ăkosystemen aufweisen.
Im europÀischen Gesamtschnitt zeigt sich eine gravierende Zweiteilung: WÀhrend Europa bei Dienstleistungen mit einem Wert von 0,42 und Hardware mit 0,59 vergleichsweise moderat dasteht, herrscht bei Plattformen mit 0,98 und Patenten mit 0,99 faktisch ein beinahe vollstÀndiges Ausgeliefertsein an Drittstaaten vor.
Zugleich warnen die Wissenschaftler vor einer statistischen Verzerrung durch den sogenannten "Irland-Effekt". Irlands scheinbar hervorragender UnabhĂ€ngigkeitswert von 0,40 beruht im Wesentlichen darauf, dass viele US-amerikanische GroĂkonzerne dort aus SteuergrĂŒnden ihren Sitz haben. Rechnet man Irland heraus, kippt die europĂ€ische Handelsbilanz bei digitalen Dienstleistungen fĂŒr die Jahre 2022 bis 2024 von einem Ăberschuss in ein sattes Defizit von rund 350 Milliarden US-Dollar.
