Studie: Milliardenwerte in Europas Elektroschrott ungenutzt
Veröffentlicht am: 04.09.2026 um 06:41 Uhr | dpa, AD HOC NEWSZu diesem Ergebnis kommt eine gemeinsame Untersuchung der Boston Consulting Group (BCG) und der Initiative "Cradle to Cradle Electronics", die anlĂ€sslich der Technikmesse IFA in Berlin vorgestellt wurde. Die Autoren warnen vor drastischen Risiken fĂŒr die europĂ€ische Industrie durch geopolitische AbhĂ€ngigkeiten und mahnen ein grundlegend neues Produktdesign nach dem Kreislaufprinzip an.
Dem Bericht zufolge landen jÀhrlich rund 1,6 Millionen Tonnen kritischer und strategischer Rohstoffe wie Kupfer, Aluminium, Lithium, Kobalt oder seltene Erden in neu auf den EU-Markt gebrachten GerÀten. Viele dieser Materialien stammen fast vollstÀndig aus Drittstaaten - allen voran China, das etwa bei schweren seltenen Erden nahezu eine Monopolstellung hÀlt.
FĂŒr die Produktion der NeugerĂ€te mĂŒssen die Hersteller viel Geld in die Hand nehmen. ExportbeschrĂ€nkungen, Halbleiterkrisen und der weltweite Boom von Rechenzentren fĂŒr KĂŒnstliche Intelligenz treiben die Beschaffungspreise stark in die Höhe. Gleichzeitig bleibt dieses Potenzial nach der Nutzung weitgehend unerschlossen: Zwar fallen in Europa jĂ€hrlich mehr als 13 Millionen Tonnen Elektroschrott an, doch die offizielle Sammelquote liegt bei lediglich rund 43 Prozent. Allein in europĂ€ischen Schubladen verstauben demnach schĂ€tzungsweise 700 Millionen ungenutzte Smartphones, die rund 50.000 Tonnen strategische Rohstoffe binden.
Fehler machen die Autoren der Studie auch bei der Behandlung des Elektroschrotts aus: Weil AltgerĂ€te oft geschreddert, verbrannt oder illegal exportiert wĂŒrden, gingen wertvolle Metalle und Komponenten verloren.
Als Ausweg schlĂ€gt die Studie das "Cradle to Cradle"-Konzept (C2C) vor. GerĂ€te mĂŒssten von vornherein als "Materialbanken" konzipiert werden: ohne giftige Stoffe, leicht demontierbar und modular aufgebaut. Dadurch lieĂen sich Komponenten wie Motoren oder Elektronikmodule gezielt reparieren, aufbereiten und wiederverwenden. Bei HaushaltsgroĂgerĂ€ten wie Waschmaschinen, die noch mehrheitlich in Europa gefertigt werden, könnten optimierte KreislĂ€ufe bis zu 50 Prozent des Materialbedarfs fĂŒr die NeugerĂ€te einsparen.
