Frankfurt Schluss: Steigende Ălpreise lassen Dax weiter fallen
27.03.2026 - 17:59:37 | dpa.deSo stieg der Preis fĂŒr Rohöl der Nordseesorte Brent zuletzt klar ĂŒber 110 US-Dollar je Fass. Nach einem stabilen Auftakt bĂŒĂte der deutsche Leitindex daraufhin letztlich 1,38 Prozent auf 22.300,75 Punkte ein. Damit blieb der Dax aber immer noch in der Handelsspanne vom Montag, als er im Tagesverlauf infolge widersprĂŒchlicher Nachrichtenlage um spektakulĂ€re 1.300 Punkte, zwischen knapp ĂŒber 21.860 und bis in Richtung 23.200 ZĂ€hler, geschwankt war. Auf Wochensicht gab er knapp 0,4 Prozent nach. Der MDax DE0008467416 verlor am Freitag 2,16 Prozent auf 27.655,45 Punkte.
Die Ălpreise sind derzeit die wichtigste Orientierungsmarke fĂŒr die Inflations- und Konjunktursorgen der Anleger. US-PrĂ€sident Donald Trump verlĂ€ngerte sein Ultimatum an den Iran zur Freigabe der fĂŒr den weltweiten Ălhandel sehr wichtigen StraĂe von Hormus bis Ostermontag. Bis dahin sollen keine iranischen Kraftwerke angegriffen werden, wie Trump unter Verweis auf "sehr gute" GesprĂ€che auf seiner Plattform Truth Social schrieb. Die Nachrichtenlage bleibt dennoch widersprĂŒchlich, denn der Iran hat mehrfach solche von Trump erwĂ€hnten GesprĂ€che dementiert, wĂ€hrend Pakistan seine Vermittlerrolle bestĂ€tigte.
Die VerlĂ€ngerung des Ultimatums um weitere zehn Tage mindere die Risiken nicht, und das sei an den MĂ€rkten spĂŒrbar, sagte Stephen Innes, Managing Partner bei SPI Asset Management. Es fĂŒhle sich eher so an, "als wenn ein HĂ€ndler eine Verlustposition in die Zukunft verschiebt". Angesichts der Inflationsrisiken preise der Markt bei der EuropĂ€ischen Zentralbank mittlerweile drei Zinserhöhungen bis zum Jahresende ein, schrieben die Experten von Index-Radar. Besonders prĂ€gnant zeige sich dies am Rentenmarkt: Die Rendite der zehnjĂ€hrigen Bundesanleihe kletterte auf den höchsten Stand seit 15 Jahren. Auch in den anderen LĂ€ndern der Eurozone legten die Renditen zu.
An anderen wichtigen Börsen in Europa ging es ebenfalls abwĂ€rts. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 EU0009658145 fiel um 1,08 Prozent auf 5.505,80 Punkte. AuĂerhalb des Euroraums verlor der Londoner FTSE GB0001383545 nur leicht, wĂ€hrend der ZĂŒricher SMI CH0009980894 gut ein halbes Prozent tiefer schloss. In New York bĂŒĂte der Dow Jones Industrial US2605661048 zum europĂ€ischen Handelsschluss rund ein Prozent ein.
Unternehmensseitig zog vor allem CTS Eventim DE0005470306 die Blicke auf sich. Der Ticketvermarkter und Veranstalter hatte am Vorabend zwar ein starkes GeschĂ€ftsjahr gemeldet. Ein Börsianer sprach aber von einem enttĂ€uschenden Ausblick und wies zudem auf die vom Unternehmen avisierte DividendenkĂŒrzung hin. Analysten rechnen nun mit sinkenden Konsenserwartungen. Die Aktie brach am MDax-Ende um 23,2 Prozent ein und fiel damit auf den tiefsten Stand seit November 2022.
Jungheinrich DE0006219934 gaben um 5,5 Prozent nach. Auch der Gabelstapler-Hersteller enttÀuschte mit seinen Jahreszielen. Aus Sicht von Jefferies-Analyst Lucas Ferhani deute ein enttÀuschender Auftragseingang im vierten Quartal auf eine anhaltend schwache Entwicklung in Europa hin.
Im Dax stach die Aktie von BASF DE000BASF111 unterdessen mit einem Kursplus von 2,7 Prozent positiv heraus. Analyst Thomas Wrigglesworth von der US-Investmentbank Morgan Stanley bekrĂ€ftigte sein positives Anlageurteil fĂŒr den Chemiekonzern und schraubte das Kursziel nach oben. Die Probleme in der Rohstoffversorgung wegen des Iran-Kriegs dĂŒrften die asiatischen Chemiekonzerne kostenseitig hĂ€rter treffen als die europĂ€ische Konkurrenz, schrieb er. Im MDax legte Evonik DE000EVNK013 nach seiner Hochstufung auf "Overweight" sogar um 5,4 Prozent zu.
Um 5,7 Prozent ging es derweil fĂŒr Delivery Hero DE000A2E4K43 nach oben. Die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete unter Berufung auf Insider, dass GroĂaktionĂ€r Prosus NL0013654783 möglicherweise einen Anteil am Essenslieferdienst an Aspex verkaufen könnte. Der Investmentmanager wĂŒrde damit zum gröĂten AktionĂ€r von Delivery Hero aufsteigen und könnte den Druck auf den MDax-Konzern erhöhen. Zuletzt soll Aspex auf einen Verkauf des Unternehmens oder von GeschĂ€ftsteilen gedrĂ€ngt haben.
Im Kleinwerte-Index SDax DE0009653386 gehörte die Aktie des Finanzkonzerns WĂŒstenrot & WĂŒrttembergische (W&W) DE0008051004 mit einem Abschlag von 5,2 Prozent zu den gröĂten Verlierern. Das Management stellte nach einem Gewinnsprung im vergangenen Jahr zwar weiter steigende Gewinne fĂŒr 2026 in Aussicht, Finanzexperten hatten aber eine höhere Jahresprognose erwartet./niw/jha/
--- Von Nicklas Wolf, dpa-AFX ---
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