DAX: Erholung gegen den Ölpreis-Trend
Veröffentlicht am: 12.09.2026 um 00:55 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der DAX kämpft sich am Freitag aus dem Tief der Vortage zurück. Nach dem jüngsten Kursrutsch steht der Leitindex wieder über der 25.500-Punkte-Marke — auf Wochensicht bleibt aber ein Rückgang von rund 1,9 Prozent stehen. Die Erholung fällt in einen Tag, an dem eigentlich alles gegen die Börsen sprechen müsste.
Denn der Ölpreis bleibt der Taktgeber der Woche. In der Nacht hatten neue Angriffe auf Tanker in der Straße von Hormus sowie Gefechte zwischen jemenitischen Huthi-Milizen und saudisch unterstützten Kräften die Nordseesorte Brent bis nahe an die 110-Dollar-Marke getrieben. Zuletzt gab der Preis wieder nach, Richtung 104 Dollar — genau dieser Rückgang verschafft dem DAX seine Verschnaufpause.
Notenbanken unter Zugzwang
Die Europäische Zentralbank hatte tags zuvor mit ihrer zweiten Zinserhöhung des Jahres auf den Ölpreisschock reagiert. EZB-Präsidentin Christine Lagarde sprach dabei erstmals davon, dass die Inflation über einen "ausgedehnten Zeitraum" oberhalb der Zwei-Prozent-Marke bleiben werde — eine Aussage, die an den Märkten als falkenhaft gewertet wurde. Nun richtet sich der Blick auf die US-Notenbank, die in der kommenden Woche einen ähnlichen Schritt gehen könnte.
Die am Freitagnachmittag veröffentlichten US-Verbraucherpreise lieferten dafür zumindest keine Überraschung: Sie stiegen im August wie erwartet um 0,4 Prozent zum Vormonat und um 3,4 Prozent im Jahresvergleich.
Marktexperte Stephen Innes brachte das Grundproblem auf den Punkt: Wenn Ölpreise und Anleiherenditen nicht von ihren Höchstständen zurückkommen, müsse die Risikoprämie für Aktien entsprechend steigen. Sichere Anlagen wirken damit im Vergleich attraktiver — ein Umfeld, das Anleger zum Umschichten verleiten kann.
Einzelwerte zwischen Zinssorgen und Unternehmensnews
Nicht nur die Makrolage bewegt den Markt. SAP gab um 1,3 Prozent nach, während US-Softwarekonzern Oracle mit starken Cloud-Zahlen für gemischte Signale in der Branche sorgte.
Bei flatexDEGIRO sorgten überraschende Rücktritte im Aufsichtsrat für ein Kursminus von rund sieben Prozent, Puma verlor nach dem angekündigten Weggang des Vertriebsvorstands rund zwei Prozent. Auch Chemiewerte wie BASF und Lanxess gerieten nach einer skeptischen Einschätzung von JPMorgan unter Druck.
Der DAX bleibt trotz der Erholung deutlich von seinem Allzeithoch entfernt, das er am 28. August bei 26.618,74 Punkten auf Intraday-Basis markiert hatte.
Die kommende Woche dürfte die Richtung vorgeben: Am Mittwoch entscheidet die Fed über ihren Leitzins, tags darauf folgt die Bank of England, und in der Nacht zum Freitag steht die Zinsentscheidung der Bank of Japan an. Parallel liefern Investorentage von DHL, Bechtle, Wacker Chemie und Kontron am Donnerstag zusätzliche Unternehmensimpulse.
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