Was für ein DFB-Comeback von Neuer spricht - und was dagegen
13.05.2026 - 13:32:54 | dpa.deSoll Manuel Neuer seinen Rücktritt vom Rücktritt erklären und doch mit zur Fußball-WM fahren - dann natürlich als deutsche Nummer 1? Gut einen Monat vor dem Auftaktspiel der DFB-Elf gegen Curaçao nimmt die Debatte wieder an Fahrt auf.
Der «Kicker» berichtete, eine Auswahl-Rückkehr werde intern weit intensiver und kontroverser diskutiert, als es Bundestrainer Julian Nagelsmann nach außen hin darstelle. Es wäre ein spektakuläres Comeback des 40 Jahren alten Bayern-Torhüters, der womöglich vor dem letzten Bundesligaspiel gegen den 1. FC Köln am Samstag seinen auslaufenden Vertrag in München verlängert.
Was spricht für eine Rückkehr Neuers ins DFB-Team und was dagegen?
Pro: Neuers Top-Leistungen
Etliche Experten sehen in Neuer trotz seines Alters immer noch einen Ausnahmekönner. Der gebürtige Gelsenkirchener verkörpere «Weltklasse», meinte etwa Rekordnationalspieler Lothar Matthäus. Neuer sei vielleicht der beste «Torhüter der Gegenwart, der Vergangenheit sowieso» und zähle weiterhin zu den fünf besten Torhütern der Welt. Über den Hoffenheimer Oliver Baumann, der von Bundestrainer Julian Nagelsmann eigentlich als WM-Stammtorhüter eingeplant ist, sind derlei Lobeshymnen kaum zu hören.
Unter anderem beim 2:1 im Viertelfinal-Hinspiel der Champions League bei Real Madrid parierte Neuer wie zu besten Tagen. «Der Manu hat gehalten, da hätte es mich früher zerrissen im Tor. Das ist doch keine normale Leistung mehr – das ist Zauberei mit Handschuhen», schwärmte Ex-Bundestorwarttrainer Sepp Maier in einem Sport1-Interview: «Wer da noch diskutiert, ob der gut genug ist, hat vom Torwartspiel ungefähr so viel Ahnung wie ich vom Ballett.» Ex-Nationalspieler Dietmar Hamann urteilte, dass Neuer immer noch Spiele im Alleingang gewinnen könne.
Pro: Erfahrung und Ausstrahlung
Im Halbfinal-Rückspiel gegen Paris glänzte Neuer ebenfalls, während sich Baumann mit seinem Club schon lange nicht mehr auf höchstem internationalen Level beweisen musste. Aber nicht nur die internationale Reife - Baumann steht erst bei sechs Champions-League-Einsätzen - hat Neuer seinem fünf Jahre jüngeren Kollegen voraus. Er misst sechs Zentimeter mehr, gilt fußballerisch als besser und weiß vor allem, wie man (WM-)Titel gewinnt. Baumanns Bilanz? Meister und Pokalsieger - allerdings Ende der 2000er Jahre mit der A-Jugend des SC Freiburg.
Kontra: Auch mal Patzer - Baumann stark bei Elfern
Neuers herausragende Leistungen durchziehen vereinzelt Patzer, sogar groteske wie der Fehlpass zum Madrider 1:0 im Viertelfinal-Rückspiel der Champions League. Der Weltmeister von 2014 ist fehlbar geworden - und auch kein Schrecken mehr für Elfmeterschützen. Nur zwei von über 20 Strafstößen konnte Neuer seit 2020 in Pflichtspielen parieren. Baumann hielt im selben Zeitraum 13 Elfmeter - und damit rund die Hälfte aller Versuche gegen ihn. Ein Thema, das bei der WM spätestens in der K.o.-Runde ein entscheidendes werden könnte.
Eng beieinander liegen beide Torhüter in dieser Bundesliga-Saison bei den Zu-Null-Spielen, wobei Baumann (7) knapp vor Neuer (6) steht. Etwas schlechter ist laut «Kicker» die Paraden-Quote Neuers von 62,0 Prozent; Baumann kommt auf 66,4 Prozent. Zuverlässig hielt Baumann auch in der WM-Qualifikation, weshalb Hamann eine Degradierung des TSG-Keepers respektlos fände. Fest steht zumindest, dass ein Neuer-Comeback für viel Aufsehen sorgen würde - extern ohnehin, aber auch intern. Ob Nagelsmann dieses Wagnis, verbunden möglicherweise mit atmosphärischen Störungen, eingehen will? Fraglich.
Kontra: Immer wieder Verletzungen
Der vielleicht größte Risikofaktor ist Neuers Körper. Zwar hat der Ex-Schalker bewiesen, selbst nach schweren Verletzungen wie seinem Beinbruch Ende 2022 immer wieder zurückzukommen. Allerdings ist er seitdem immer wieder mal mit kleineren und größeren Blessuren ausgefallen. Allein in dieser Saison musste er wegen Muskelverletzungen dreimal unfreiwillig Pausen einlegen. Sein jüngster Muskelfaserriss in der Wade Anfang März kostete ihn fast einen kompletten Monat. Ein solches Malheur während der WM, dann wäre das Turnier für Neuer fast schon gelaufen - und Nagelsmann müsste plötzlich doch wieder auf einen zuvor womöglich schwer degradierten Baumann setzen.
Kontra: Die bisherigen Dementis
Nagelsmann und Neuer haben eine Rückkehr in den vergangenen Monaten mehrfach ausgeschlossen. «Es wird die Weltmeisterschaft geben, aber ich bin jetzt gar nicht da drin und ich bin auch gar nicht Teil des Ganzen und deshalb schaue ich das entspannt von außen», sagte der Torhüter im ZDF-«Sportstudio». Der Bundestrainer betonte bei MagentaTV: «Manu ist zurückgetreten, aus freien Stücken, das hat er mehrfach wiederholt und deswegen ist es gar nicht so sinnvoll, darüber stetig zu diskutieren.»
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