Berliner Sondierungen: GrĂŒne und SPD stoppen GesprĂ€che mit Linken
Veröffentlicht am: 14.10.2026 um 14:52 Uhr | dpa, AD HOC NEWSFraktionsentscheidung verÀndert Koalitionspfad
- Die Linke-Fraktion im Abgeordnetenhaus umfasst 45 Abgeordnete und ist damit die gröĂte Fraktion.
- Vanessa Emde gewann am 20. September in Neukölln ein Direktmandat und unterzeichnete die ErklÀrung.
- Die Vereinbarung der drei Parteien sieht bei antisemitischen VorfÀllen Sanktionen bis zum Fraktionsausschluss vor.
Berliner Sondierungen geraten nach Linken-ErklÀrung ins Stocken
Dreieinhalb Wochen nach der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus haben Linke, GrĂŒne und SPD ihre SondierungsgesprĂ€che zur Regierungsbildung unterbrochen. Auslöser ist eine ErklĂ€rung der neuen Linksfraktion zu Antisemitismus, jĂŒdischem Leben und dem Existenzrecht Israels, die am Dienstag von allen anwesenden Mitgliedern unterzeichnet wurde.
GrĂŒne und SPD pochen auf gemeinsame Grundlage
Die potenziellen Koalitionspartner kritisieren, dass die FraktionserklĂ€rung nicht auf der Vereinbarung beruhe, die Linke, GrĂŒne und SPD in der Vorwoche als Grundlage fĂŒr die Sondierungen beschlossen hatten. Diese Vereinbarung betont ebenfalls das Existenzrecht Israels und den Schutz jĂŒdischen Lebens und sieht bei antisemitischen VorfĂ€llen in den Reihen der Linken Sanktionen bis hin zum Fraktionsausschluss vor.
Nach Darstellung von GrĂŒnen und SPD hatte die Linke zugesagt, die Abgeordnete Vanessa Emde wegen ihrer Vorgeschichte nicht in die Fraktion aufzunehmen. Die Linke weist das zurĂŒck. Nach ihrer Darstellung wĂ€re Emde nur dann nicht aufgenommen worden, wenn sie die neue ErklĂ€rung nicht unterschrieben hĂ€tte.
Emde wird zum Streitpunkt
Emde gewann bei der Wahl am 20. September in Berlin-Neukölln ein Direktmandat. Im Wahlkampf hatte sie sich stark mit dem Thema PalÀstina-SolidaritÀt befasst und wegen israelkritischer Positionen Debatten ausgelöst.
Kritiker werfen ihr vor, nicht zum Existenzrecht Israels zu stehen. Zudem wurde sie bei einer Wahlparty neben einem umstrittenen propalÀstinensischen Aktivisten fotografiert, dem eine NÀhe zur von der EU als Terrororganisation eingestuften PFLP vorgeworfen wird. Am vergangenen Wochenende rief Emde zur Teilnahme an einer propalÀstinensischen Demonstration auf.
Parteien suchen Weg zurĂŒck an den Tisch
Die GrĂŒnen signalisierten, die GesprĂ€che ĂŒber eine rot-grĂŒn-rote Koalition fortsetzen zu wollen. Entscheidend sei fĂŒr sie, dass die gemeinsame Berliner ErklĂ€rung gegen Antisemitismus gelte.
Die SPD-Landesvorsitzenden Steffen Krach und Bettina König sehen noch KlĂ€rungsbedarf. Linke-Co-Fraktionschef Tobias Schulze sagte, die TĂŒren der Linken stĂŒnden offen und man wolle weiterreden.
Wohnungspolitik bleibt zweiter Konflikt
Vor der Unterbrechung waren nach Angaben aus Verhandlungskreisen Fortschritte erzielt worden. Streit gibt es unter anderem ĂŒber die Vergesellschaftung groĂer Wohnungskonzerne: Linke und GrĂŒne befĂŒrworten sie, SPD-Chef Krach lehnt sie ab.
Als möglicher Kompromiss stand ein neuer Volksentscheid ĂŒber einen Gesetzentwurf der Initiative âDeutsche Wohnen & Co. enteignenâ im Raum. Die Linke wies diesen Vorschlag zurĂŒck.
Die Berliner Sondierungen stehen an einem besonders empfindlichen Punkt: Die geplante Zusammenarbeit von Linken, GrĂŒnen und SPD hĂ€ngt nicht nur an Sachfragen, sondern auch an gemeinsamen politischen Mindeststandards. Antisemitismus und der Schutz jĂŒdischen Lebens sind dabei fĂŒr die beiden potenziellen Partner zentrale Bedingungen.
Die neue ErklĂ€rung der Linksfraktion enthĂ€lt zwar zentrale Bekenntnisse gegen Antisemitismus, zum Schutz jĂŒdischen Lebens und zum Existenzrecht Israels. Der Konflikt entzĂŒndet sich deshalb vor allem daran, ob dieses Papier die zuvor gemeinsam vereinbarte Grundlage ergĂ€nzt, ersetzt oder lediglich innerhalb der Fraktion konkretisiert. FĂŒr GrĂŒne und SPD geht es damit um VerlĂ€sslichkeit und die Frage, ob Absprachen auch innerparteilich durchgesetzt werden können.
Koalitionssuche bleibt mehrfach belastet
Hinzu kommt die Aufnahme von Vanessa Emde in die Fraktion. Ihre frĂŒheren israelkritischen ĂuĂerungen und ihre AktivitĂ€ten im Kontext propalĂ€stinensischer Proteste machen sie zum Symbol der Auseinandersetzung ĂŒber den Umgang der Berliner Linken mit Israel und Antisemitismus. Dass sie die ErklĂ€rung unterschrieben hat, beendet den Streit zwischen den Parteien bislang nicht.
Die Pause trifft eine Sondierung, die nach Darstellung aus Verhandlungskreisen auch Fortschritte und Gemeinsamkeiten gebracht hatte. Neben dem Antisemitismus-Konflikt bleibt die Wohnungspolitik ein zweiter zentraler PrĂŒfstein: Linke und GrĂŒne wollen die Vergesellschaftung groĂer Wohnungskonzerne voranbringen, wĂ€hrend die SPD Vorbehalte hat. Eine RĂŒckkehr an den Verhandlungstisch dĂŒrfte daher davon abhĂ€ngen, ob die Parteien die ErklĂ€rung politisch als gemeinsame Grundlage anerkennen und zugleich ihre unterschiedlichen Sachpositionen in tragfĂ€hige Verfahren ĂŒbersetzen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
RBB24: âBerliner Linke nimmt umstrittene Neuköllner Abgeordnete ...â (14.10.2026)
Der Beitrag habe die Unterbrechung der Sondierungen und die Aufnahme Vanessa Emdes in die Linksfraktion zusammengefĂŒhrt. Anders als die dpa-Meldung lege er einen Schwerpunkt auf die teilweise inhaltliche NĂ€he der neuen ErklĂ€rung zur gemeinsamen Vereinbarung und auf die Ăberraschung innerhalb der Linken ĂŒber die Reaktion von GrĂŒnen und SPD.
ZDFheute: âBerlin: GrĂŒne und SPD unterbrechen Sondierungen mit Linkenâ (13.10.2026)
Der Bericht habe bestĂ€tigt, dass alle 44 anwesenden Abgeordneten die ErklĂ€rung unterzeichnet hĂ€tten, darunter Emde. Er betone stĂ€rker die mögliche Verbindung zwischen ihrer Aufnahme und der Unterbrechung; offen bleibe, wie die Parteien die beiden ErklĂ€rungen kĂŒnftig zueinander ins VerhĂ€ltnis setzen wollten.
Ăbereinstimmend sei die Unterbrechung der GesprĂ€che nach der konstituierenden Sitzung der Linksfraktion. Unterschiede lĂ€gen vor allem bei der Gewichtung von Emdes Aufnahme, dem VerhĂ€ltnis der beiden Vereinbarungen und der Frage, wie die Sondierungen fortgesetzt werden könnten.
