Bundesrat sieht sich gewappnet fĂŒr mögliche AfD-Regierung
Veröffentlicht am: 14.08.2026 um 05:23 Uhr | dpa.deDer Bundesrat fĂŒhlt sich gut gerĂŒstet fĂŒr den Fall, dass nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September die AfD erstmals einen MinisterprĂ€sidenten stellen sollte. «Das wĂŒrde man natĂŒrlich politisch spĂŒren. Aber Störmöglichkeiten, etwa den GeschĂ€ftsgang zu verzögern, die Entscheidungsfindung zum Entgleisen zu bringen, die sehe ich nicht wirklich», sagte BundesratsprĂ€sident Andreas Bovenschulte (SPD) der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.Â
Zugleich betonte er: «Meine feste Ăberzeugung ist, dass am Ende die demokratischen KrĂ€fte die Nase vorn haben werden und dass es keinen AfD-MinisterprĂ€sidenten geben wird. Aber dafĂŒr mĂŒssen wir hart arbeiten.» DafĂŒr mĂŒssten die WĂ€hlerinnen und WĂ€hler gewonnen und ĂŒberzeugt werden, sagte der SPD-Politiker, der auch Regierungschef im Land Bremen ist. «Das ist nichts, was von alleine kommt. Das zeigt ein Blick auf die Umfragen.»
Bovenschulte hĂ€lt AfD-MinisterprĂ€sidenten fĂŒr verhinderbar
In den Meinungsumfragen liegt die AfD in Sachsen-Anhalt weit vor der CDU, die mit Sven Schulze momentan den MinisterprĂ€sidenten stellt. Man mĂŒsse mit der AfD klar und deutlich die Auseinandersetzung suchen und die Alternativen aufzeigen, sagte Bovenschulte. «Dann wird sich die Mehrheit der WĂ€hlerinnen und WĂ€hler fĂŒr eine demokratische Alternative entscheiden.»
GeÀnderte Regeln im Bundesrat erschweren Störmanöver
Und wenn nicht? «Der Bundesrat ist insgesamt von seiner GeschĂ€ftsordnung und seinen Verfahrensregeln her gut darauf vorbereitet, dass einzelne Mitglieder nicht auf dem Boden unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung stehen», betonte Bovenschulte. Die AfD in Sachsen-Anhalt war 2023 vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistische Bestrebung eingestuft worden.Â
«Wir haben schon 2025 unsere GeschĂ€ftsordnung angepasst und manche Regelungen eingefĂŒhrt, die uns in Zukunft helfen, wenn die Auseinandersetzungen vielleicht auch etwas hĂ€rter werden», erlĂ€uterte der BundesratsprĂ€sident. «Das hatte aber gar nichts mit der AfD zu tun, das war nach mehr als 30 Jahren einfach ĂŒberfĂ€llig.»
GeschĂ€ftsordnung im vergangenen Jahr ĂŒberarbeitet
In der von der Ăffentlichkeit kaum wahrgenommen Ănderung seiner GeschĂ€ftsordnung hatte der Bundesrat erstmals festgelegt, dass sein PrĂ€sident und die beiden Stellvertreter mit Zweidrittelmehrheit abberufen werden können. Gleiches gilt nun auch fĂŒr Ausschussvorsitzende. Und musste der Bundesrat bis dahin einberufen werden, wenn nur ein einziges Land dies verlangte, sind nun mindestens zwei LĂ€nder fĂŒr auĂerplanmĂ€Ăige Sitzungen notwendig.Â
AuĂerdem galt bis dahin, dass der nach Lebensjahren Ă€lteste Regierungschef die Sitzung der LĂ€nderkammer leitet, wenn alle Mitglieder des PrĂ€sidiums gleichzeitig verhindert sein sollten. Jetzt ĂŒbernimmt dies die Regierungschefin oder der Regierungschef, die oder der dem Bundesrat am lĂ€ngsten angehört. Dies verhindert auf absehbare Zeit, dass ein AfD-Politiker diese Gelegenheit bekommt.
Beifalls- und Missfallensbekundungen im Bundesrat unĂŒblich
Im Bundestag sind mit dem Einzug der AfD die Debatten hitziger geworden. Die Zahl der Ordnungsrufe hat stark zugenommen, manche AfD-Abgeordnete sammeln sie wie TrophĂ€en. Eine derartige Entwicklung wĂŒrde dem Bundesrat nach Bovenschultes EinschĂ€tzung nicht drohen. «Der Bundesrat ist vielleicht das Gremium, in dem sich atmosphĂ€risch am wenigsten Ă€ndern wĂŒrde.» Die Debatten in der LĂ€nderkammer hĂ€tten ja einen spezifischen Charakter. «Zum Beispiel gibt es keinen Applaus, es gibt weder Beifalls- noch Missfallensbekundungen.»
Insofern mĂŒsse man sich den Bundesrat schon als ein sehr sachorientiertes und nach strengen Regeln vorgehendes Verfassungsorgan vorstellen - «in dem jetzt - wenn ich das mal ganz vorsichtig ausdrĂŒcken darf - die leidenschaftliche politische Debatte vielleicht nicht gerade erfunden wurde», sagte Bovenschulte.
Einzelne AfD-Landesregierung hĂ€tte kaum EinflussÂ
Sachsen-Anhalt verfĂŒgt im Bundesrat ĂŒber 4 der 69 Stimmen â und hat damit ohnehin keine Möglichkeiten, um beispielsweise bundespolitische Vorhaben zu blockieren oder eigene Initiativen durchzudrĂŒcken. Das Land brĂ€uchte dafĂŒr in jedem Fall VerbĂŒndete, die es aber unter den anderen Landesregierungen absehbar nicht finden wird. Ăhnlich wie die AfD-Fraktion im Bundestag dĂŒrfte auch eine AfD-Landesregierung im Bundesrat weitgehend isoliert sein.Â
Sachsen-Anhalt ĂŒbernimmt im Herbst MPK-Vorsitz
Den meisten Einfluss und die gröĂte AuĂenwirkung hat ein Land, wenn es im Bundesrat - wie momentan Bremen - die PrĂ€sidentschaft hat. Der BundesratsprĂ€sident vertritt zum Beispiel auch den BundesprĂ€sidenten, wenn dieser auf Auslandsreisen, im Urlaub oder krank ist. Die PrĂ€sidentschaft wechselt jedes Jahr im Herbst nach einem festen Rhythmus.Â
Sachsen-Anhalt kommt erst wieder 2036 dran. Eine AfD-Landesregierung bekĂ€me auf diesem Weg also ein Jahrzehnt lang keine erweiterten Einflussmöglichkeiten. Anders sieht es allerdings im wichtigen Gremium der MinisterprĂ€sidentenkonferenz (MPK) aus. Hier ĂŒbernimmt Sachsen-Anhalt in diesem Herbst turnusmĂ€Ăig den Vorsitz.
