Karamba Diaby warnt nach AfD-Wahlsieg vor Regierung in Sachsen-Anhalt
Veröffentlicht am: 12.09.2026 um 00:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSDer ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete Karamba Diaby warnt nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt eindringlich vor den Folgen einer AfD-geführten Landesregierung. Der im Senegal geborene und in Halle (Saale) lebende Politiker sieht vor allem Wissenschaft, Hochschulen und internationale Zusammenarbeit in Gefahr.
Diaby sieht Zukunft der Hochschulen gefährdet
Die Wahlergebnisse in Sachsen-Anhalt seien „besorgniserregend“, sagte Diaby dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Sollte die AfD Regierungsverantwortung übernehmen, mache er sich große Sorgen um die Zukunft von Wissenschaft, Hochschulen und die internationale Zusammenarbeit im Bundesland.
Sachsen-Anhalt sei aufgrund seiner älteren Bevölkerungsstruktur in besonderem Maße auf Zuwanderung und den Zuzug junger Menschen angewiesen, betont Diaby. Die Hochschulen lebten von Studierenden und Wissenschaftlern aus anderen Bundesländern und aus dem Ausland, eine Politik, die diese Offenheit infrage stelle, wäre seiner Ansicht nach ein Rückschritt für das Land.
Appell für Vielfalt und Zusammenhalt
Diaby ruft die Bürgerinnen und Bürger dazu auf, wachsam zu bleiben und sich für ein weltoffenes Sachsen-Anhalt einzusetzen. Es sei wichtig, für Zusammenhalt und Vielfalt zu werben, statt für Spaltung, so der ehemalige Abgeordnete.
Der SPD-Politiker kam Mitte der 1980er-Jahre in die DDR und gehörte dem Bundestag von 2013 bis 2025 an. Aus seiner langjährigen Erfahrung in der Bundespolitik leitet er die Überzeugung ab, dass Internationalität und Offenheit zentrale Voraussetzungen für wirtschaftliche Entwicklung und gesellschaftlichen Fortschritt in Sachsen-Anhalt sind.
Biografischer Hintergrund Diabys
Geboren im Senegal, studierte und arbeitete Diaby nach seiner Übersiedlung in die DDR in Halle (Saale) und engagierte sich früh für Integrations- und Bildungspolitik. Seine Warnungen vor einer AfD-geführten Landesregierung stehen auch vor dem Hintergrund eigener Erfahrungen mit Migration und der Bedeutung gelebter Vielfalt für demokratische Gesellschaften.
Die Warnung des ehemaligen SPD-Bundestagsabgeordneten Karamba Diaby fällt in eine Phase, in der Sachsen-Anhalt nach der Landtagswahl vor einer schwierigen Regierungsbildung steht. Die AfD hat mit 43,8 Prozent deutlich gewonnen und ist stärkste Kraft, verfehlte aber die absolute Mehrheit und ist auf Partner angewiesen.
Politische Lage nach der Wahl
Im neuen Landtag verfügt die AfD über 39 der 83 Sitze, während CDU, SPD, Linke und Grüne deutlich kleiner vertreten sind. Die BSW-Fraktion ist neu im Parlament und signalisiert Gesprächsbereitschaft gegenüber der AfD, während CDU, SPD, Linke und Grüne Gespräche über eine Regierungsbildung klar ablehnen. Damit ist eine AfD-geführte Regierung zwar möglich, aber politisch umstritten; denkbar ist auch eine Minderheitsregierung oder eine Auflösung des Landtags, sollte kein arbeitsfähiges Bündnis zustande kommen.
Bedeutung für Hochschulen und Zuwanderung
Diabys Fokus auf Wissenschaft, Hochschulen und internationale Zusammenarbeit trifft einen sensiblen Punkt der Landesentwicklung. Sachsen-Anhalt gilt als strukturschwaches Bundesland mit überalterter Bevölkerung, das in besonderem Maße auf Zuwanderung von Fachkräften, Studierenden und Forschenden angewiesen ist. Hochschulen in Halle, Magdeburg und anderen Standorten werben gezielt um internationale Studierende und Wissenschaftler, um Forschung und Innovation zu sichern. Eine Landesregierung, die Offenheit und Migration einschränkt, könnte diese Entwicklung bremsen, Förderprogramme für Internationalisierung zurückfahren und das Image des Standorts im Ausland schwächen.
Demokratische und gesellschaftliche Dimension
Parallel zur Diskussion über Koalitionen werden bundesweit Sicherheits- und Demokratiefragen gestellt: Fachverbände weisen darauf hin, dass eine AfD-geführte Regierung Zugriff auf Polizei und Verfassungsschutz erhielte und damit politische Schwerpunkte im Sicherheitsapparat verschieben könnte. Zugleich melden sich zivilgesellschaftliche Akteure, etwa queere Initiativen, mit Sorgen über künftige Projektförderung und rechtliche Rahmenbedingungen zu Wort. Diabys Appell zu „Wachsamkeit“ und Einsatz für Vielfalt spiegelt damit eine breitere Debatte über den Kurs des Landes und die Frage, wie demokratische Institutionen und Minderheitenrechte in einem von der AfD dominierten politischen Umfeld gesichert werden können.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
n-tv: „Städte- und Gemeindebund: Land steht vor komplexer Situation“ (10.09.2026)
Der Bericht schildert, dass der Städte- und Gemeindebund Sachsen-Anhalt nach der Wahl vor einer „komplexen politischen Situation“ sieht und auf die klare Gewinnerposition der AfD, aber fehlende Alleinregierung verweist. Kommunen müssten verlässlich funktionieren, unabhängig von der künftigen Landesregierung. Im Vergleich zu Diaby legt der Beitrag den Schwerpunkt auf kommunale Handlungsfähigkeit und weniger auf Wissenschaft und internationale Zusammenarbeit.
Deutschlandfunk: „Nach der Landtagswahl - Sachsen-Anhalt: AfD will notfalls auch mit einer Stimme Mehrheit regieren“ (10.09.2026)
Der Deutschlandfunk berichtet, AfD-Spitzenkandidat Siegmund strebe ein möglichst stabiles Kabinett an, sei aber bereit, notfalls mit nur einer Stimme Mehrheit zu regieren. Alle Parteien außer dem BSW lehnten Sondierungsgespräche ab, das BSW signalisierte punktuelle Zusammenarbeit. Der Beitrag bestätigt Diabys Szenario einer möglichen AfD-Regierung, fokussiert jedoch auf das taktische Vorgehen der AfD und die Rolle des BSW bei der Regierungsbildung.
ZDFheute: „AfD-Sieg in Sachsen-Anhalt: Was queere Menschen jetzt fürchten“ (10.09.2026)
ZDFheute beleuchtet die Sorgen der queeren Community nach dem AfD-Wahlsieg. Akteure warnen, dass eine AfD-geführte Landesregierung Förderungen für „Regenbogenprojekte“ streichen und die Lage insbesondere für trans Menschen verschlechtern könnte. Anders als Diaby, der Hochschulen und internationale Kooperation betont, rückt dieser Beitrag die Auswirkungen auf Minderheitenrechte und zivilgesellschaftliche Projekte in den Vordergrund, bestätigt aber insgesamt die Befürchtungen vor einer konservativeren, weniger offenen Landespolitik.
Gemeinsam zeigen die Beiträge, dass der AfD-Wahlsieg breite Debatten über Regierungsbildung, demokratische Kultur und mögliche Folgen für verschiedene gesellschaftliche Bereiche auslöst. Während Diaby besonders auf Wissenschaft und internationale Zuwanderung verweist, betonen andere Stimmen kommunale Stabilität, strategische Koalitionsfragen und die Situation von Minderheiten.
