Merz warnt im Bundestag vor Extremismus und AfD-Angriffen
Veröffentlicht am: 14.10.2026 um 16:18 Uhr | dpa, AD HOC NEWSAfD-Angriffe und EU-Verhandlungen
- Merz reist am Abend zum EU-Gipfel der 27 Staats- und Regierungschefs nach BrĂŒssel.
- Der Kanzler fordert beim EU-Haushalt 2028 bis 2034 KĂŒrzungen um mehrere hundert Milliarden Euro.
- Tino Chrupalla und Alice Weidel greifen Merz in ihren Reden scharf an.
Merz warnt im Bundestag vor wachsendem Extremismus
Bundeskanzler Friedrich Merz hat im Bundestag zu âschöpferischen Anstrengungenâ gegen Extremismus aufgerufen und die AfD scharf angegriffen. In seiner RegierungserklĂ€rung zum EU-Gipfel kritisierte der CDU-Chef das âhöhnische GelĂ€chterâ der AfD und sprach von Freude an âZersetzung und Zerstörungâ.
AfD hĂ€lt sich mit Zwischenrufen zurĂŒck
Merz verwies auf die Landtagswahlen im September, bei denen die AfD deutlich hinzugewonnen hatte und in Sachsen-Anhalt möglicherweise an die Regierung kommen wird. In Berlin wurde die Linke stĂ€rkste Partei und strebt eine Regierung mit SPD und GrĂŒnen an.
Die AfD-Abgeordneten verzichteten diesmal weitgehend auf Zwischenrufe. In ihren Reden griffen AfD-Chef Tino Chrupalla und Co-Chefin Alice Weidel den Kanzler jedoch scharf an. Chrupalla warf Merz âpolitisches Versagenâ vor, Weidel sagte: âEs ist vorbei, Herr Merz.â
Streit ĂŒber Russland und die Ukraine
Beide AfD-Chefs bekrĂ€ftigten die Forderung ihrer Partei, die militĂ€rische UnterstĂŒtzung fĂŒr die Ukraine einzustellen. Weidel sprach sich erneut fĂŒr den Bezug von Erdöl und Erdgas aus Russland aus.
Zwischenrufe des GrĂŒnen-Abgeordneten Anton Hofreiter fĂŒhrten zu einer Reaktion von BundestagsvizeprĂ€sident Bodo Ramelow. Ramelow prĂŒfte, ob Hofreiters ĂuĂerung âRussische Agentin mit Wohnsitz in der Schweizâ einen Ordnungsruf rechtfertige.
Merz fordert Schutz fĂŒr Europas Wirtschaft
Hauptthema der ErklĂ€rung war der EU-Gipfel, zu dem Merz am Abend nach BrĂŒssel reist. Die 27 Staats- und Regierungschefs beraten unter anderem ĂŒber den EU-Haushalt und neue Schutzinstrumente fĂŒr die europĂ€ische Wirtschaft.
Merz kĂŒndigte an, Deutschland werde auf hohe Subventionen, kĂŒnstlich abgewertete WĂ€hrungen, ĂberkapazitĂ€ten und aggressive Preissetzung anderer Staaten reagieren. Mit einem neuen Handelsschutzinstrument solle bei gezielten Angriffen auf Industrien und Lieferketten schnell gehandelt werden können.
Bundeskanzler beharrt auf kleinerem EU-Haushalt
Die Verhandlungen ĂŒber den EU-Gemeinschaftshaushalt fĂŒr die Jahre 2028 bis 2034 sollen nach Merzâ Willen noch in diesem Jahr abgeschlossen werden. Den Kommissionsvorschlag von knapp zwei Billionen Euro hĂ€lt er fĂŒr zu hoch und fordert KĂŒrzungen um mehrere hundert Milliarden Euro.
Merz warnte auĂerdem davor, Gerechtigkeit gegen Sicherheit auszuspielen. Deutschland mĂŒsse sowohl bei der sozialen Gerechtigkeit als auch bei der Sicherheit nachbessern. Er verwies auf die steigende Eskalationsbereitschaft Russlands und verteidigte die UnterstĂŒtzung der Ukraine.
Kein Euro, der in die Ukraine flieĂe, fehle bei den Sozial- oder Bildungsausgaben in Deutschland, sagte der Kanzler.
Merz verbindet in seiner ErklĂ€rung zwei Ebenen: den Umgang mit dem wachsenden Einfluss extremistischer Positionen in Deutschland und die auĂen- sowie europapolitischen Aufgaben des bevorstehenden EU-Gipfels. Die Landtagswahlen im September, bei denen die AfD deutlich hinzugewonnen hat, bilden dabei den innenpolitischen Hintergrund seiner Angriffe auf die Partei.
Der Gipfel in BrĂŒssel soll sich neben der UnterstĂŒtzung der Ukraine und den Folgen internationaler Krisen auch mit wirtschaftlichem Druck auf Europa befassen. Im Mittelpunkt stehen mögliche Schutzinstrumente gegen staatliche Subventionen, ĂberkapazitĂ€ten und aggressive Preisgestaltung anderer Staaten. FĂŒr Unternehmen und BeschĂ€ftigte geht es damit um die Frage, wie die EU ihre Industrie schĂŒtzen kann, ohne den Handel weiter zu verschĂ€rfen.
Haushalt und Sicherheit als zentrale Streitpunkte
Beim EU-Haushalt fĂŒr 2028 bis 2034 prallen unterschiedliche Interessen aufeinander. Die Kommission veranschlagt knapp zwei Billionen Euro, wĂ€hrend Merz gemeinsam mit mehreren nordeuropĂ€ischen Staaten auf deutliche KĂŒrzungen drĂ€ngt. Ein Abschluss noch in diesem Jahr wĂŒrde den finanziellen Rahmen der Union frĂŒh festlegen, die Verhandlungen dĂŒrften jedoch zwischen Sparforderungen und zusĂ€tzlichen Aufgaben der EU geprĂ€gt bleiben.
Die RegierungserklĂ€rung zeigt zudem, dass die Ukraine-Politik eng mit der deutschen Debatte ĂŒber soziale Gerechtigkeit verknĂŒpft wird. Merz weist die Darstellung zurĂŒck, UnterstĂŒtzung fĂŒr die Ukraine gehe zulasten von Sozialem und Bildung. Zugleich warnt er vor einer wachsenden Eskalationsbereitschaft Russlands und stellt europĂ€ische VerteidigungsfĂ€higkeit als Voraussetzung fĂŒr politische und wirtschaftliche StabilitĂ€t dar.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Deutschlandfunk: âBundestag - Merz gibt RegierungserklĂ€rung zu EU-Gipfel abâ (14.10.2026)
Der Beitrag ordnet die ErklĂ€rung vor allem ĂŒber die Gipfelagenda ein. Er hebt die Themen China, Energiepreise, Ukraine und den EU-Finanzrahmen hervor und nennt Merzâ Forderung nach KĂŒrzungen des rund zwei Billionen Euro umfassenden Haushaltsvorschlags.
ZDFheute: âUpdate am Morgen: BrĂŒssel, Trump und 007â (14.10.2026)
Das ZDFheute-Briefing stellt die RegierungserklĂ€rung in den Zusammenhang der internationalen Krisen und der EU-Reaktion auf Russland und die USA. Anders als der Deutschlandfunk-Beitrag richtet sich der Schwerpunkt stĂ€rker auf die auĂenpolitische Lage und die Erwartungen an den Gipfel; offen bleibt, wie weit die Mitgliedstaaten bei Haushalt, Handelsschutz und Ukraine-UnterstĂŒtzung zusammenfinden.
Beide BeitrĂ€ge verbinden Merzâ ErklĂ€rung mit dem unmittelbar bevorstehenden EU-Gipfel. Unterschiede liegen vor allem in der Gewichtung: WĂ€hrend der Deutschlandfunk die Tagesordnung und den EU-Haushalt hervorhebt, rĂŒckt ZDFheute die internationale Konfliktlage in den Vordergrund.
