Chinas Wirtschaft unerwartet stark - Zölle trĂŒben Ausblick
16.04.2025 - 07:44:22 | dpa.deMitten im Zollstreit mit den USA hat China ĂŒberraschend starke Wachstumszahlen vorgelegt. Wie das Statistikamt in Peking mitteilte, lag das vorlĂ€ufige Wirtschaftswachstum im ersten Vierteljahr 2025 bei 5,4 Prozent im Vergleich zum selben Vorjahreszeitraum. Trotz der komplexen Lage in der Welt seit Jahresbeginn habe Chinas Wirtschaft im ersten Quartal WiderstandsfĂ€higkeit bewiesen, sagte Vize-Kommissar von Chinas Statistikbehörde, Sheng Laiyun.Â
Analysten hatten im Vorfeld mit einem Wachstum von rund 5,2 Prozent gerechnet. Auch andere Wirtschaftsdaten ĂŒbertrafen die Prognosen. Im MĂ€rz kletterten die EinzelhandelsumsĂ€tze verglichen mit demselben Vorjahresmonat um 5,9 Prozent nach oben - erwartet wurden vorab ungefĂ€hr 4,3 Prozent. Die Industrieproduktion lag fĂŒr diesen Zeitraum mit 7,7 Prozent Zuwachs ĂŒberraschend deutlich höher als die Analysten-Erwartung von 5,9 Prozent.Â
So sehen Experten Chinas weitere Entwicklung
Peking setzte sich fĂŒr 2025 wieder ein ambitioniertes Wachstumsziel von rund fĂŒnf Prozent. Doch der Handelskonflikt mit den USA dĂŒrfte der zweitgröĂten Volkswirtschaft der Welt zusetzen. Peking sei sich bewusst, dass der Protektionismus im Welthandel zunehme, sagte Sheng. China habe jedoch Erfahrung, Antworten zu finden, da seine Wirtschaft schon durch andere Handelsstreitigkeiten mit den USA, die Finanzkrise und die Corona-Pandemie auf die Probe gestellt worden sei.
Beobachter rechnen damit, dass sich Chinas Wirtschaftswachstum im weiteren Verlauf abschwĂ€chen wird. Da US-PrĂ€sident Donald Trump den Handelsstreit erst im April eskalieren lieĂ, dĂŒrften die Auswirkungen vor allem im zweiten Jahresviertel sichtbar werden. Mittlerweile werden an der US-Grenze auf Waren aus China insgesamt Sonderzölle in Höhe von 145 Prozent fĂ€llig. China schlug mit einer Erhöhung seiner AufschlĂ€ge fĂŒr US-Waren in Höhe von 125 Prozent zurĂŒck.Â
Wie sich Peking wehrtÂ
AuĂerdem schrĂ€nkte Peking die Ausfuhr kritischer Rohstoffe ein, wie das Handelsministerium Anfang des Monats mitgeteilt hatte. Die Mineralien sind fĂŒr zahlreiche Hersteller von Autobauern bis Halbleiterproduzenten weltweit wichtig, und China ist dafĂŒr oft ein Hauptproduzent. Einem Bericht der Finanznachrichtenagentur Bloomberg zufolge wies China zudem seine Airlines an, keine Maschinen des US-Flugzeugbauers Boeing mehr zu ĂŒbernehmen und keine AusrĂŒstung sowie Teile fĂŒr die Luftfahrt von US-Firmen zu beziehen. Boeing bestĂ€tigte den Bericht bislang nicht.Â
Gegenwehr gegen Trumps Handelspolitik kam auch aus der chinesischen Sonderverwaltungsregion Hongkong. Die Post will bis auf weiteres keine Warensendungen mit Ziel USA annehmen. FĂŒr den Land- und Seeweg gelte die MaĂnahme sofort, fĂŒr Luftfracht ab dem 27. April. Kunden mĂŒssten sich auf sehr hohe GebĂŒhren einstellen, teilte die Behörde mit.
Das verspricht sich Trump von seiner PolitikÂ
Trump will mit seiner Zollpolitik unter anderem erreichen, dass Firmen wieder in den USA ihre Waren herstellen; er will die heimische Produktion stĂ€rken. In der RealitĂ€t könnte sich dieses Vorhaben allerdings als schwierig erweisen. Am Wochenende nahm Trump bereits Elektronik-Produkte wie Smartphones und Laptops aus China von seinen Zusatzzöllen aus. Zugleich stellte er Zölle auf pharmazeutische Produkte in nicht «allzu ferner Zukunft» in Aussicht.Â
Aus Sicht des US-PrĂ€sidenten ist Peking nun am Zug. «Der Ball liegt bei China. China muss ein Abkommen mit uns schlieĂen. Wir mĂŒssen keinen Deal mit denen machen», zitierte die Sprecherin Karoline Leavitt aus einer ErklĂ€rung des PrĂ€sidenten. China sei nicht anders als irgendein anderes Land, nur gröĂer, sagte Trump demnach.
Warum der Handelsstreit fĂŒr China ungelegen kommt
FĂŒr China kommt der Handelsstreit in einer Zeit, in der es selbst im Inland mit Problemen kĂ€mpft. Eine schwache Nachfrage, Druck durch sinkende Verbraucherpreise und die wabernde Immobilienkrise bremsen den Wirtschaftsmotor. Die MĂ€rkte hoffen deshalb schon lĂ€nger, dass Peking der Wirtschaft weiter unter die Arme greift, etwa indem die chinesische Volksbank Zentralbank ihre Zinsen senkt oder die Vorgaben fĂŒr Bargeldreserven der Banken lockert, damit diese leichter Kredite vergeben und investieren können.
Bislang versucht die Regierung mit einem Eintauschprogramm alter gegen neue GerĂ€te oder Autos zu einem gĂŒnstigen Preis den Konsum wieder anzukurbeln. Neu auf der Agenda steht auĂerdem die EindĂ€mmung ungesunden Wettbewerbs. Vor allem in der E-Auto-Branche herrscht ein erbitterter Preiskrieg, der die GeschĂ€fte der meisten Hersteller unprofitabel machen. Viele gehen daher pleite und die Kunden blicken ohne Aussicht auf weitere Wartung oder Zugang auf Ersatzteile ins Leere.Â
Diese Chance sieht die EU-Handelskammer fĂŒr Peking
Die Handelskammer der EuropĂ€ischen Union in China sieht fĂŒr Peking die Chance, sich unter den Turbulenzen von Trumps Handelspolitik als stabiler und zuverlĂ€ssiger Handelspartner zu zeigen. KammerprĂ€sident Jens Eskelund forderte jedoch von Peking, zu ĂŒberdenken, wie es mit dem Rest der Welt umgehe. Nach zehn Jahren unter der fĂŒr auslĂ€ndische Firmen teils «abschreckenden» Industriepolitik «Made in China 2025» muss es aus Sicht der Kammer in Pekings Interesse sein, der EU zu zeigen, bereit zu fĂŒr beide Seiten vorteilhaften Wirtschaftsbeziehung zu sein.
Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping wirbt in diesen Tagen in einer Art Charmeoffensive in SĂŒdostasien fĂŒr Zusammenarbeit mit seinem Land angesichts von Trumps «Schikane». Wie schon auf seiner ersten Station beim kommunistischen Nachbarn Vietnam stand in Malaysia die Verabredung weiterer Kooperationen an. Es wurde erwartet, dass Xi mit dem malaysischen MinisterprĂ€sidenten Anwar Ibrahim neue Handelsvereinbarungen unterzeichnet. Mit den LĂ€ndern unterhĂ€lt China schon lange enge Wirtschaftsbeziehungen. Nach Malaysia beendet Xi seine Reise in Kambodscha.
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