Linke: KĂŒrzungsplĂ€ne trĂ€fen acht Millionen Menschen
Veröffentlicht am: 10.08.2026 um 13:03 Uhr | dpa.de
AngekĂŒndigte KĂŒrzungen bei Sozialleistungen betreffen nach SchĂ€tzungen der Linken rund acht Millionen Menschen in Deutschland. Dabei geht es unter anderem um geplante Einschnitte bei Pflegeleistungen, Wohngeld, Elterngeld, Kindersofortzuschlag, Unterhaltsvorschluss und um Verzögerungen bei der Bafög-Anpassung.
«Die KĂŒrzungspolitik trifft mit hoher PrĂ€zision die EinkommensschwĂ€chsten dieser Gesellschaft», heiĂt es in einem Papier des Linken-Vorstandsmitglieds Ulrich Schneider, frĂŒher GeschĂ€ftsfĂŒhrer des ParitĂ€tischen Gesamtverbands. In einer Pressekonferenz sagte er: «Sollte das alles RealitĂ€t werden, werden die Armutsquoten in Deutschland nochmal mĂ€chtig hochgehen, das steht fest.»Â
Er bezieht sich nach eigenen Worten nicht so sehr auf die groĂen Reformen der Kranken- und Rentenversicherung, sondern auf «den Kleinkram, der da weggekĂŒrzt werden soll». Auf die Zahl von acht Millionen Menschen kommt er nach eigenen Worten bei SchĂ€tzung der direkt Betroffenen und deren Angehörigen. In seinem Papier listet Schneider eine ganze Reihe von geplanten Reformen der schwarz-roten Koalition:Â
Wohngeld: Das Kabinett hat einen Entwurf von Bauministerin Verena Hubertz (SPD) beschlossen, mit dem 2027 mindestens 1,5 Milliarden, ab 2028 dann zwei Milliarden Euro jÀhrlich eingespart werden sollen. Der Kreis der EmpfÀnger soll kleiner, die Summen geringer ausfallen. Das werde einige Hunderttausend Menschen treffen, schÀtzt Schneider.
Pflege: Einem Entwurf des Gesundheitsministeriums zufolge soll der Zugang zu Pflegeleistungen enger gefasst werden. Schneider rechnet vor, dass allein eine Streichung des sogenannten Entlastungsbetrags von 131 Euro fĂŒr Pflegestufe eins potenziell rund eine Million leicht PflegebedĂŒrftige betrĂ€fe.
Elterngeld: Nach PlÀnen von Familienministerin Karin Prien (CDU) sollen Mindest- und Höchstbetrag beim Elterngeld zwar leicht erhöht werden. Zugleich soll jedoch die Bezugsdauer von 14 auf 12 Monate sinken. Das schrecke junge Leute mit Kinderwunsch ab, kritisiert die Linke. 2025 bezogen laut offizieller Statistik 1,6 Millionen Menschen Elterngeld.
Kindersofortzuschlag: Prien plant die Streichung des Kindersofortzuschlags von 25 Euro fĂŒr arme Familien, die Grundsicherung, den Kinderzuschlag oder Wohngeld beziehen. «Davon wĂ€ren 1,5 Millionen Kinder in 600.000 Haushalten betroffen», rechnet Schneider vor.
Unterhaltsvorschuss: Der Staat soll nach PlĂ€nen der Familienministerin nur noch fĂŒr Kinder und Jugendliche bis 16 Jahren mit einem Vorschuss einspringen, wenn Unterhaltspflichtige nicht zahlen. Bisher gilt eine Altersgrenze von 18. Das trĂ€fe der Linken zufolge rund 111.000 Teenager und 69.000 Alleinerziehende.
Bafög: Junge Leute mit Bafög sollen ein halbes Jahr spĂ€ter als ursprĂŒnglich geplant eine höhere Wohnkostenpauschale bekommen - nicht im kommenden Wintersemester, sondern erst im nĂ€chsten Sommersemester. Mehr als 600.000 Studierende und SchĂŒler seien betroffen, schreibt Schneider.
