US-Notenbank behÀlt Leitzins bei
29.04.2026 - 20:06:59 | dpa.deDie US-Notenbank Federal Reserve lĂ€sst den Leitzins angesichts von Energiekrise und Inflationssorgen infolge des Iran-Krieges unangetastet. Eine Mehrheit des Zentralbankrates stimmte dafĂŒr, den Leitzins in der Spanne von 3,5 bis 3,75 Prozent beizubehalten. Zugleich richten sich alle Augen auf den möglichen Nachfolger von Noch-Fed-Chef Jerome Powell. Experten befĂŒrchten, dass die Fed mit der BestĂ€tigung des von US-PrĂ€sident Donald Trump vorgeschlagenen Kandidaten Kevin Warsh an UnabhĂ€ngigkeit und damit GlaubwĂŒrdigkeit verlieren wird.
2025 hatte die Fed aus Sorge um den Arbeitsmarkt den Leitzins dreimal um jeweils einen Schritt (25 Basispunkte) gesenkt. Bei ihren ersten beiden Sitzungen dieses Jahres legte sie dann Pausen ein. Angesichts der unsicheren Weltlage bei zeitgleich hoher Inflation rĂŒcken Zinssenkungen in weite Ferne.Â
«Der Ălpreisschock lĂ€sst keine andere Wahl», sagte Lena Dröger vom Kiel Institut fĂŒr Weltwirtschaft zu der Entscheidung des Gremiums. Ăkonomen erwarten, dass es im Jahresverlauf maximal noch zu einer Lockerung um 25 Basispunkte auf 3,25 bis 3,5 Prozent kommen könnte. Entscheidend dĂŒrfte dabei sein, wie sich die Lage im Iran weiter entwickelt und welche Rolle Warsh spielt.
Powells Nachfolger steht vor Ausschuss
Dieser war nur wenige Stunden vor dem Fed-Entscheid vom Bankenausschuss des Senats bestĂ€tigt worden. Nun muss der gesamte Senat noch grĂŒnes Licht geben. Mittlerweile stehen die Chancen dafĂŒr etwas besser: Vergangene Woche hatte BezirksstaatsanwĂ€ltin Jeanine Pirro angekĂŒndigt, ihre Ermittlungen gegen Powell wegen angeblich ausufernder Renovierungskosten an einem Fed-GebĂ€ude einzustellen. Der republikanische Senator Thom Tillis wollte erst wieder einer Fed-Personalie zustimmen, wenn der Sachverhalt lĂŒckenlos aufgeklĂ€rt sei.
Die Untersuchungen wurden ĂŒber die Parteigrenzen hinweg und von fĂŒhrenden Zentralbankern als Angriff Trumps auf die UnabhĂ€ngigkeit der Fed interpretiert. Der PrĂ€sident hatte ĂŒber Monate Powell öffentlich verbal angegriffen und ihn fĂŒr aus seiner Sicht zu langsame Zinssenkungen verantwortlich gemacht. Anders als von Trump wiederholt verkĂŒrzt dargestellt, entscheidet der Fed-Chef nicht allein ĂŒber den Leitzins. Stattdessen stimmt der Zentralbankrat in regelmĂ€Ăigen AbstĂ€nden ĂŒber den weiteren geldpolitischen Kurs ab.
Die Fed soll unabhĂ€ngig von der Politik ĂŒber den Leitzins entscheiden und damit einen Kompromiss zwischen Teuerungsrate und möglichst starker VollbeschĂ€ftigung finden. Das Problem derzeit: Lockert die Fed das Zinsniveau, dĂŒrfte das die Inflation zusĂ€tzlich anheizen â das will sie vermeiden. Zuletzt erhöhte die Notenbank ihre Erwartungen an die Teuerungsrate von 2,4 auf nun 2,7 Prozent im laufenden Jahr. Sie liegt damit deutlich ĂŒber ihrem eigenen Zwei-Prozent-Ziel.
Angst vor politischer Einflussnahme auf Fed durch Trump
Ăkonomen befĂŒrchten, dass Trump ĂŒber Warsh erheblichen Einfluss auf derartige Entscheidungen nehmen und indirekt Zinslockerungen erwirken könnte. «Gerade bei steigender Inflation sind GlaubwĂŒrdigkeit und Erwartungsteuerung der Fed entscheidend», kommentierte Stephan Bales von der Förderbank KfW. Trump hatte klargemacht, dass er Warsh vorgeschlagen hatte, weil dieser Zinserhöhungen ablehnt. Warsh gilt als lautstarker Kritiker der Notenbank. Auch auf Powell ist er nicht gut zu sprechen.
Unklar ist indes, ob Trumps Kandidat noch bis zum Ausscheiden von Powell als Fed-Chef Mitte Mai bestĂ€tigt wird. Die heutige Sitzung war planmĂ€Ăig der letzte Zinsentscheid mit Powell an der Spitze des Zentralbankrates. Der nĂ€chste ist fĂŒr den 17. Juni geplant.
Sollte seine Nachfolge bis Mitte Mai nicht geklĂ€rt sein, könnte sich Powell nach eigenen Worten zumindest zeitweise vorstellen, das Amt weiterzufĂŒhren. Ob er danach die Notenbank hinter sich lĂ€sst, ist unklar: So könnte der 73-JĂ€hrige als normales Vorstandsmitglied weiter in der wichtigsten Zentralbank der Welt arbeiten. Ob er das angesichts der Attacken Trumps will, ist allerdings offen.
Augen auf EZB gerichtet
Ein Zinsentscheid der EuropĂ€ischen Zentralbank wird am Donnerstag erwartet. Dabei dĂŒrfte die Notenbank den fĂŒr Banken und Sparer wichtigen Einlagenzins erneut bei 2,0 Prozent belassen. Zwar hat der Iran-Krieg die Inflation im Euroraum nach oben getrieben auf 2,6 Prozent im MĂ€rz und damit weit ĂŒber das mittelfristige Inflationsziel der EZB von 2,0 Prozent. Doch Ăkonomen gehen davon aus, dass die Notenbank weitere Daten abwartet, um die Folgen des Iran-Krieges besser beurteilen zu können.
Dass die EZB notfalls bereit wĂ€re zu handeln, hat PrĂ€sidentin Christine Lagarde mehrmals betont. Der Krieg im Nahen Osten werde sich kurzfristig durch höhere Energiepreise «erheblich auf die Inflation auswirken», warnte sie kĂŒrzlich beim Internationalen WĂ€hrungsfonds (IWF). Allerdings wĂŒrden höhere Zinsen Kredite fĂŒr Firmen und Verbraucher verteuern. Die EZB steckt in einer ZwickmĂŒhle: Erhöht sie die Zinsen, um die Inflation einzudĂ€mmen, lĂ€uft sie Gefahr, die Wirtschaft abzuwĂŒrgen.
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