Sachsen-Anhalt, Deutschland

Semsrott: Stadt knickt bei Lesung aus Angst vor AfD ein

21.05.2026 - 10:46:46 | dpa.de

Die abgesagte Lesung von Arne Semsrott in der Magdeburger Stadtbibliothek sorgt weiter für Kritik. Der Autor vermutet politischen Druck im Hintergrund. Die Oberbürgermeisterin will sich nun erklären.

Wurde nach eigenen Angaben ausgeladen: Arne Semsrott (Archivbild). - Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa
Wurde nach eigenen Angaben ausgeladen: Arne Semsrott (Archivbild). - Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa

Im Streit um die abgesagte Lesung des Autors und Aktivisten Arne Semsrott in der Stadtbibliothek Magdeburg hat dieser der Stadtverwaltung vorgeworfen, aus Angst vor Kritik der AfD zu handeln. «Das ist eine Ausladung», sagte Semsrott im Deutschlandfunk Kultur. Dass die Veranstaltung nun im Kulturzentrum Moritzhof stattfinden könne, damit habe die Stadt aus seiner Sicht überhaupt nichts zu tun.

Veranstaltung nun im Moritzhof

Die ursprünglich für den 5. Juni in der Stadtbibliothek geplante Lesung aus Semsrotts neuem Buch «Gegenmacht – Die Zivilgesellschaft schlägt zurück» wird nun im Moritzhof veranstaltet. Dort treten nach Angaben des Kulturzentrums die Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen-Anhalt und der Verein Miteinander als Veranstalter auf. Die Heinrich-Böll-Stiftung ist die parteinahe Stiftung von Bündnis 90/Die Grünen.

Semsrott vermutet Druck wegen AfD-Anfrage

Semsrott sagte, er gehe «sehr stark davon aus», dass die Entscheidung mit einer kritischen Anfrage der AfD im Magdeburger Stadtrat zu einer früheren Lesung zusammenhänge. Er glaube, «dass die Stadt jetzt dachte, ach, den Stress, den wollen wir nicht haben in Zukunft, dann lassen wir den Semsrott lieber nicht bei uns lesen».

Belegen könne er dies bislang nicht. Semsrott kündigte an, die Hintergründe mit einem Auskunftsantrag bei der Stadt aufklären zu wollen. Er wolle wissen: «Was gab es da an internen E-Mails? Wer hat das denn eigentlich entschieden?»

Oberbürgermeisterin weist Vorwürfe zurück

Die Magdeburger Oberbürgermeisterin Simone Borris wies Vorwürfe politischer Einflussnahme im Stadtrat zurück. «Eine Entscheidung oder Weisung meinerseits, die Veranstaltung abzusagen, die Lesung zu untersagen oder die Kooperation der Stadtbibliothek zu beenden, hat es nicht gegeben», sagte die parteilose Politikerin. Sie habe keine Absage angewiesen, sondern lediglich «um Prüfung gebeten».

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