Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein

Transportboot mit Wal ist auf dem Weg in die Nordsee

29.04.2026 - 12:10:45 | dpa.de

Sonnensegel, Sandbett und Kamera: Der Transport des gestrandeten Wals bleibt umstritten. Warum Fachleute zweifeln und was das private Team plant.

  • Der Schleppverband ist weiter in Richtung Nordsee unterwegs - Foto: Philip Dulian/dpa
    Der Schleppverband ist weiter in Richtung Nordsee unterwegs - Foto: Philip Dulian/dpa
  • Experten kritisieren die Aktion. - Foto: Philip Dulian/dpa
    Experten kritisieren die Aktion. - Foto: Philip Dulian/dpa
  • Der MeeressĂ€uger hatte zuvor vier Wochen in der Bucht der Insel Poel festgesteckt. - Foto: Philip Dulian/dpa
    Der MeeressÀuger hatte zuvor vier Wochen in der Bucht der Insel Poel festgesteckt. - Foto: Philip Dulian/dpa
Der Schleppverband ist weiter in Richtung Nordsee unterwegs - Foto: Philip Dulian/dpa Experten kritisieren die Aktion. - Foto: Philip Dulian/dpa Der MeeressÀuger hatte zuvor vier Wochen in der Bucht der Insel Poel festgesteckt. - Foto: Philip Dulian/dpa

Das Transportboot mit dem wochenlang an der OstseekĂŒste gestrandeten Buckelwal befindet sich auf dem Weg Richtung Nordsee. Am Vormittag befand sich der Verband aus Schlepperboot und Lastkahn nördlich von Fehmarn zwischen der schleswig-holsteinischen Insel und der dĂ€nischen Insel Lolland. Nach PlĂ€nen der privaten Initiative soll der Wal in einer mehrtĂ€gigen Aktion um die Nordspitze DĂ€nemarks herum durch das Skagerrak in die Nordsee gebracht und dann dort ausgesetzt werden. Wo genau, stehe noch nicht fest, sagte ein Mitglied der Initiative, das den Schleppverband begleitet, der Deutschen Presse-Agentur.

Der rund zwölf Meter lange und etwa zwölf Tonnen schwere MeeressÀuger hatte vier Wochen in der Bucht der Insel Poel festgesteckt. Gegen den Rat vieler Wissenschaftler versucht die private Initiative seit Mitte April, den gestrandeten Wal zu bergen und lebend in die Nordsee oder den Atlantik zu bringen. 

Gefahr des Ertrinkens

Am Dienstag gelang es, das Tier in eine sogenannte Barge zu bugsieren. In diesem mit Wasser gefĂŒllten Lastschiff, das von dem Mehrzweckschiff «Fortuna B» gezogen wird, ist es aktuell auf dem Weg in Richtung Nordsee. Einen solchen Fall habe es Deutschland noch nie gegeben, sagte Umweltminister Till Backhaus (SPD) bei einer Pressekonferenz auf Poel. «Es ist und war ein Versuch. Und der Versuch ist geglĂŒckt.» 

Deutlich skeptischer Ă€ußerte sich das Deutsche Meeresmuseum in Stralsund. «Das Abladen des Tieres ins offene Meer birgt die Gefahr, dass es ertrinkt», warnten die Experten. Der Wal sei sehr geschwĂ€cht und finde im offenen Meer keine Möglichkeit, sich abzulegen. «Von einer Rettung des Wales kann erst dann gesprochen werden, wenn er sich als Einzelindividuum selbststĂ€ndig und dauerhaft auf seiner gewöhnlichen Route im Nordatlantik bewegt, wenn er selbststĂ€ndig frisst und sich sein Gesundheitszustand verbessert», so das Meeresmuseum, das das als Forschungseinrichtung auch eine Spezialabteilung fĂŒr MeeressĂ€uger unterhĂ€lt.

Sonnensegel soll Wal in Barge schĂŒtzen

Der Buckelwal liegt wÀhrend seines Transports in Richtung Nordsee nach Angaben von Mecklenburg-Vorpommerns Umweltministerium in einem gefluteten Lastschiff auf einem Bett aus Sand. Das Tier sei quasi sein eigener Anker, sagte ein Sprecher von Minister Till Backhaus (SPD) in Schwerin. Der Wal sei nicht angebunden.  

Dem MeeressĂ€uger sollte in der Transport-Barge mit einem GPS-Senderchip ausgestattet werden, um ihn nach einer geplanten Auswilderung verfolgen zu können. Die Informationen, wo sich der Wal befinde, wĂŒrden den Initiatoren der Aktion und dem Schweriner Umweltministerium, nicht aber der Öffentlichkeit zur VerfĂŒgung gestellt, sagte die RechtsanwĂ€ltin der privat finanzierten Bergungsinitiative, Constanze von der Meden, bei einer Pressekonferenz auf der Insel Poel. 

«Wollen keinen Waltourismus»

«Wir wollen keinen Waltourismus generieren.» Es solle vermieden werden, dass Menschen losfĂŒhren und nach dem Wal schauten. Ein Mitglied der Initiative auf dem Schleppverband sagte, ĂŒber der Barge mit dem Wal sei am Vormittag ein Sonnensegel angebracht worden, um den Wal zu schĂŒtzen. Zudem sei er bewĂ€ssert worden. Er floate und bewege die Flipper. GefĂŒttert werden solle der Wal nicht. 

Die Informationen ließen sich zunĂ€chst nicht durch unabhĂ€ngige Quellen verifizieren. Zuletzt waren Angaben zum Zustand des Wals hĂ€ufig von Beteiligten gemacht worden, die keine ausgewiesene Expertise fĂŒr Großwale besitzen. UnabhĂ€ngige Fachleute wie etwa der Wal- und Delfin-Schutzorganisation WDC warnen davor, das Verhalten des Tieres wie seine vermeintliche Ruhe zu vermenschlichen. Zudem halten Experten den Lebendtransport fĂŒr risikoreich und die lĂ€ngerfristigen Überlebenschancen des Wals fĂŒr gering.

Kamera soll an Barge installiert werden

Der Schlepper «Robin Hood», der die Barge bis sĂŒdöstlich von Fehmarn gezogen hatte, bevor es von der grĂ¶ĂŸeren «Fortuna B» abgelöst wurde, dient laut Initiative nun quasi als Shuttle, um Helfer von der «Fortuna B» auf die Barge und zurĂŒckzubringen. 

Es soll den Angaben zufolge unter anderem versucht werden, eine Kamera an der Barge zu befestigen, um den Wal auch von dem Mehrzweckschiff beobachten zu können. Man hoffe, dass das funktioniere.

Experten sind skeptisch

Gerettet ist der Wal aber noch lange nicht. Experten der Internationalen Walfangkommission (IWC) warnen vor einem Trugschluss. «Das Tier scheint schwer geschĂ€digt zu sein und dĂŒrfte selbst bei einer Verbringung in tieferes Wasser kaum ĂŒberleben», hieß es von dem zustĂ€ndigen Expertengremium fĂŒr Strandungen. Der Buckelwal soll in dem Stahlbecken in einer tagelangen Tour Richtung Nordsee gebracht und schließlich ausgesetzt werden.

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