Strombetreiber nach Blackout: Kein Anzeichen fĂŒr Anschlag
19.04.2026 - 12:52:22 | dpa.deRund drei Monate nach dem massiven Stromausfall im Berliner SĂŒdwesten ist in einem Teil des damals betroffenen Gebiets erneut der Strom ausgefallen. Diesmal konnten die Menschen in Nikolassee jedoch spĂ€testens nach rund eineinhalb Stunden aufatmen. Um 23.35 Uhr am Samstagabend wurden alle 1.314 betroffenen Haushalte nach Angaben des Netzbetreibers Stromnetz Berlin GmbH wieder versorgt.Â
Nach dem Blackout blieben weitere Störungen in der Nacht aus. Als Ursache fĂŒr den erneuten Vorfall im SĂŒdwesten der Stadt wird ein Fehler in einem Mittelspannungskabel vermutet, wie Stromnetz-Sprecher Henrik Beuster der Deutschen Presse-Agentur sagte. Anzeichen fĂŒr einen Anschlag gebe es nicht.
Das Problem könne Folge einer Alterserscheinung sein. Denkbar sei auch eine frĂŒhere BeschĂ€digung des Kabels bei zurĂŒckliegenden Tiefbauarbeiten. «So etwas passiert relativ oft, ohne dass es die Baufirmen bemerken», erklĂ€rte Beuster. SpĂ€ter könne es dann beispielsweise durch eintretende Feuchtigkeit zu Problemen kommen.
Nach Angaben des Sprechers kommt es in Berlin jĂ€hrlich zu 1.900 bis 2.000 Mal zu vergleichbaren VorfĂ€llen wie am Samstag. Statistisch betrachtet falle der Strom dabei im Durchschnitt acht Minuten aus. Bundesweit liege der Schnitt bei zwölf Minuten, erklĂ€rte Beuster.Â
Polizei verstÀrkt Streifen
Die Polizei hatte wĂ€hrend des Stromausfalls ihre StreifentĂ€tigkeit in dem betroffenen Gebiet verstĂ€rkt. «Unsere EinsatzkrĂ€fte sind dort nun verstĂ€rkter unterwegs, um ansprechbar zu sein und das SicherheitsgefĂŒhl der Anwohnerinnen und Anwohner zu stĂ€rken», teilte sie auf der Plattform X mit. Der Polizei lagen am Sonntag nach Angaben eines Sprechers keine Hinweise vor, dass im Kontext mit dem Stromausfall zu ZwischenfĂ€llen gekommen ist.
Erinnerung an tagelangen Blackout
Anfang Januar war es im SĂŒdwesten der Stadt nach einem mutmaĂlich von Linksextremisten begangenen Brandanschlag auf eine KabelbrĂŒcke zu dem bislang lĂ€ngsten Stromausfall der Nachkriegsgeschichte gekommen. 100.000 Menschen in 45.000 Haushalten und mehr als 2.000 Gewerbebetriebe waren teils tagelang ohne Strom und damit oft auch ohne Heizung. Am 7. Januar war die Stromversorgung wieder fĂŒr alle hergestellt.Â
Damals herrschte eisige KĂ€lte und es lag Schnee. Tausende Berliner flĂŒchteten in Hotels. Beim Senat gingen mehr als 2.800 AntrĂ€ge zur Erstattung der Kosten ein. Der Senat kĂŒndigte wĂ€hrend des Stromausfalls an, die Kosten zu ĂŒbernehmen. Die Auszahlung lĂ€uft ĂŒber den Bezirk Steglitz-Zehlendorf. In etwa 700 FĂ€llen sei das Geld ausgezahlt oder die AntrĂ€ge seien positiv beschieden worden, hieĂ es Anfang April vom Bezirk.
Kritik an WegnerÂ
Berlins Regierender BĂŒrgermeister Kai Wegner geriet insbesondere wegen seiner Angaben zum ersten Krisentag, dem 3. Januar, in der Kritik. Der CDU-Politiker hatte zunĂ€chst verschwiegen, mittags fĂŒr eine Stunde Tennis gespielt zu haben. SpĂ€ter ging es um weitere Details seiner Darstellung. Ende MĂ€rz entschuldigte er sich dafĂŒr erneut im Abgeordnetenhaus und sprach von Fehlern in der Kommunikation.
Millionen-Belohnung ausgelobtÂ
Um die TĂ€ter zu finden, wurde eine Millionen-Belohnung fĂŒr Hinweise ausgelobt. Wer den Ermittlern bis zum 24. Februar entscheidende Informationen zur AufklĂ€rung des Brandanschlags gegeben hĂ€tte, sollte eine Million Euro bekommen. Die Frist ist inzwischen lĂ€ngst abgelaufen, von einem Fahndungserfolg der Polizei ist bislang nichts bekannt.Â
Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe Ă€uĂerte sich auf Anfrage nicht zu der Zahl der eingegangenen Hinweise seit Bekanntgabe der Belohnung durch das Bundeskriminalamt. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) sprach Anfang Februar von einer Vielzahl von Hinweisen und drĂŒckte seine Hoffnung aus, jemand aus der linksextremistischen Szene könnte die TĂ€ter kennen und der Polizei einen Tipp geben.
Razzia wegen eines weiteren Stromausfalls
Einen massiven Blackout hatte es zuvor bereits im September 2025 im Bezirk Treptow-Köpenick gegeben. Damals waren zeitweise rund 50.000 Privathaushalte und rund 2.000 Gewerbebetriebe betroffen. Am 9. September 2025 hatte ein nĂ€chtliches Feuer Starkstromkabel im SĂŒdosten Berlins weitgehend zerstört. In einem Bekennerschreiben im Internet war von einem Angriff auf den Technologiepark Adlershof und die dortigen Firmen und Forschungseinrichtungen die Rede. Bei den Firmen wurden nach aktuellen SchĂ€tzungen SchĂ€den zwischen 30 und 70 Millionen Euro verursacht.
Rund sechs Monate nach dem mutmaĂlich linksextremen Brandanschlag durchsuchten bei einer groĂangelegten Razzia Polizisten Ende MĂ€rz Wohnungen und andere RĂ€ume in Berlin, Hamburg, DĂŒsseldorf und Kyritz in Brandenburg, wie die Generalstaatsanwaltschaft Berlin mitteilte. Den vier Beschuldigten im Alter von 28, 31, 35 und 36 Jahren wird verfassungsfeindliche Sabotage vorgeworfen. Festnahmen gab es keine.
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