Arbeitskampf, Abbau

Arbeitskampf eskaliert: VW plant Abbau von 100.000 Stellen

Veröffentlicht: 17.07.2026 um 05:02 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Massive Stellenabbaupläne bei Volkswagen und ZF Friedrichshafen sowie ein drohender Streik bei Kelvion prägen die angespannte Tariflage in der deutschen Industrie.

Deutsche Industrie: Heiße Tarifkonflikte bei VW, ZF und Kelvion
Industriearbeiter protestieren mit Schildern in einer Fabrikhalle, symbolisch für Streikdrohungen und gescheiterte Verhandlungen. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Bei Volkswagen, ZF Friedrichshafen und zahlreichen weiteren Unternehmen haben sich die Fronten zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften massiv verhärtet. Urabstimmungen über unbefristete Streiks und abgebrochene Betriebsversammlungen sind die Folge.

Volkswagen: 100.000 Stellen vor dem Aus?

Besonders dramatisch ist die Lage beim größten deutschen Autobauer. Der VW-Vorstand erwägt den Abbau von weltweit bis zu 100.000 Stellen – das wären rund 16 Prozent der Belegschaft. In Deutschland stehen gleich mehrere Werke auf der Kippe: Zwickau und Emden ab 2031, Hannover ab 2032 und der Audi-Standort Neckarsulm ab 2034.

Die IG Metall kündigte bereits massiven Widerstand an. Auch das Land Niedersachsen will seine Sperrminorität im Aufsichtsrat nutzen, um die Schließungen zu verhindern. Schon vor der jüngsten Aufsichtsratssitzung am 16. Juli kam es zu Protestkundgebungen.

ZF Friedrichshafen: Betriebsversammlung bricht zusammen

Parallel eskalierte der Konflikt beim Zulieferer ZF Friedrichshafen. Eine Betriebsversammlung mit rund 5.000 Beschäftigten musste am 14. Juli abgebrochen werden – die Proteste gegen Personalvorständin Lea Corzilius waren zu lautstark.

Streitpunkt ist die geplante Streichung der sogenannten Zeppelin-Zulage. Sie macht rund zehn Prozent des Bruttoeinkommens aus und betrifft 7.500 Tarifbeschäftigte. Das Unternehmen, das für 2025 einen Verlust von 2,1 Milliarden Euro auswies, will bis Ende 2028 zudem 14.000 Stellen in Deutschland abbauen.

Kelvion: Urabstimmung über unbefristeten Streik

Auch im Mittelstand knirscht es gewaltig. Beim Wärmetauscher-Hersteller Kelvion in Wilchwitz endeten die Verhandlungen am 15. Juli erneut ohne Ergebnis. Zwar legten die Arbeitgeber ein erstes Angebot vor – die Gewerkschaftsmitglieder lehnten es jedoch ab.

Die zentralen Streitpunkte: Abfindungsregelungen und die Ausgestaltung einer Transfergesellschaft. Die IG Metall plant nun für den 3. August eine Urabstimmung über einen unbefristeten Streik. Bei einer Zustimmung von 75 Prozent könnte der Ausstand bereits am Folgetag beginnen. Ein weiterer Verhandlungstermin ist für den 29. Juli angesetzt.

Anzeige

Angesichts drohender Streiks und verhärteter Verhandlungen stehen Betriebsräte oft vor der Herausforderung, rechtssichere Lösungen für die Belegschaft durchzusetzen. Dieser kostenlose Leitfaden zeigt Ihnen, wie Sie Vereinbarungen rechtssicher aufsetzen und Ihre Mitbestimmungsrechte erfolgreich nutzen. Kostenlose Muster-Betriebsvereinbarung jetzt herunterladen

Spielbanken Baden-Württemberg: Aufsichtsrat blockiert Einigung

Überraschend gescheitert ist der Tarifabschluss bei den Spielbanken Baden-Württemberg. Obwohl bereits ein Verhandlungsergebnis vorlag, verweigerte der Aufsichtsrat am 16. Juli seine Zustimmung.

Das Paket sah eine rückwirkende Gehaltserhöhung von monatlich 230 Euro ab Anfang 2026 vor. Der Konflikt entzündete sich an der Frage, ob diese Beträge dauerhaft in die Entgelttabellen übernommen werden. Verdi hält weitere Arbeitsniederlegungen an den drei Standorten für möglich.

Einzelhandel: Gespräche abgesagt, Streik in Gütersloh

Im Einzelhandel von Rheinland-Pfalz und dem Saarland sagte der Handelsverband die geplanten Gespräche am 15. Juli vorerst ab. Hintergrund: Die Bundestarifkoordinierung von Verdi lehnte einen Pilotabschluss aus Baden-Württemberg ab – der Inflationsausgleich sei nicht ausreichend.

In Gütersloh kam es am 16. Juli zu einem Blitzstreik in einer H&M-Filiale, unterstützt von Beschäftigten benachbarter Kaufland-Standorte. Die Gewerkschaft fordert sieben Prozent mehr Lohn. Die vierte Verhandlungsrunde blieb ohne Ergebnis; die Gespräche sollen Ende August fortgesetzt werden.

Anzeige

Wenn Verhandlungen über Standortsicherungen und Personalabbau die Agenda bestimmen, benötigen Arbeitnehmervertreter praxiserprobte Instrumente für die Mitbestimmung. Erfahren Sie in diesem Gratis-Report, wie erfahrene Betriebsräte Betriebsvereinbarungen als wirksames Verhandlungsinstrument einsetzen. Praxis-Ratgeber für Betriebsräte kostenlos sichern

HKM und Warsteiner: Zumindest Sozialpläne stehen

Nicht überall herrscht Stillstand. Für die Hüttenwerke Krupp Mannesmann (HKM) in Duisburg soll heute ein Sozialplan für den Abbau von rund 1.800 Arbeitsplätzen beschlossen werden. Hintergrund ist die Übernahme durch die Salzgitter AG, die rund eine Milliarde Euro in moderne Anlagentechnik investieren will. Rund 1.100 Stellen sollen so am Standort gesichert werden.

Die Haus-Cramer-Gruppe (Warsteiner) einigte sich am 14. Juli mit der Gewerkschaft NGG auf die Eckpunkte eines Sozialtarifvertrags für 213 Beschäftigte. Der Standort Herford wird im August 2026 geschlossen, für Paderborn sucht das Unternehmen noch einen Käufer. Vereinbart wurden Abfindungen und Umzugshilfen für einen möglichen Wechsel nach Warstein. Die offizielle Unterzeichnung wird in der kommenden Woche erwartet.

Disclaimer zu unseren Artikeln: Keine Anlageberatung, keine Kauf oder Verkaufsempfehlung. Angaben zu Kursen, Unternehmen und Märkten ohne Gewähr; Änderungen jederzeit möglich. Börsengeschäfte können zu hohen Verlusten führen. Unsere Beiträge werden ganz oder teilweise automatisiert mit Unterstützung von AI erstellt und geprüft.

de | wirtschaft | 69783978 |