Arbeitsrecht-Reform, Befristung

Arbeitsrecht-Reform: 48 Monate Befristung ohne Sachgrund erlaubt

03.07.2026 - 16:53:14 | boerse-global.de

Union und SPD beschließen umfassende Reformen mit längeren Befristungen, strengeren Krankmelderegeln und Steuerentlastungen für Familien.

Reformpaket von Union und SPD: Neue Regeln für Arbeit und Steuern
Arbeitsrecht-Reform - Ein Hammer schlägt auf einen Stapel deutscher Gesetzbücher, die neue Arbeitsgesetze symbolisieren, mit verschwommenen Fachleuten im Hintergrund. 03.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Es bringt tiefgreifende Änderungen im Arbeits- und Steuerrecht. Ziel: mehr Flexibilität für Unternehmen und gezielte steuerliche Anreize.

Längere Befristungen, lockerer Kündigungsschutz

Arbeitgeber können künftig bis zu 48 Monate ohne Sachgrund befristen. Erlaubt sind bis zu sechs Verlängerungen innerhalb dieser Zeit. Die Regelung gilt für Neueinstellungen bis Ende 2030. Das bisherige Schriftformerfordernis für Befristungen soll wegfallen.

Beim Kündigungsschutz lockert die Koalition für Spitzenverdiener. Ab einem Jahresbruttogehalt von rund 177.000 Euro kann der Schutz gegen Abfindung entfallen. Hintergrund: Deutschlands Restrukturierungskosten sind international extrem hoch. Laut einer Studie der Bocconi-Universität liegen sie bei durchschnittlich 31 Monatsgehältern. In den USA sind es sieben, in Dänemark oder der Schweiz zwei bis drei. Wer schnell einen neuen Job findet, soll die Abfindung steuerlich begünstigt bekommen.

Krankmeldung: Strengere Regeln, heftige Kritik

Die telefonische Krankschreibung wird abgeschafft. Und: Die AU-Pflicht gilt künftig ab dem ersten Krankheitstag – bisher erst ab Tag vier.

Der Hausärzteverband nannte die Regelung fatal und warnt vor überlasteten Praxen. Auch Krankenkassen fürchten überfüllte Wartezimmer. SPD-Chef Lars Klingbeil und Bundestagspräsidentin Bärbel Bas relativierten am Donnerstag: Man müsse eine vernünftige Umsetzung sicherstellen, bei der nicht jeder Kranke sofort physisch zum Arzt müsse. Kanzler Friedrich Merz verwies auf Ausweichmöglichkeiten per Tarifvertrag oder individueller Vereinbarung. Zudem solle man stärker auf Videosprechstunden setzen.

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Steuern: Familien entlastet, Reiche stärker zur Kasse

Ab 2028 sollen Steuerentlastungen von rund zehn Milliarden Euro greifen. Ein Haushalt mit zwei Kindern und 60.000 Euro Brutto spart jährlich über 600 Euro. Der Spitzensteuersatz bleibt bei 42 Prozent. Die Reichensteuer wird gestaffelt: 45 Prozent ab 250.000 Euro, 47 Prozent ab 280.000 Euro.

Weitere Maßnahmen im Überblick:
- Minijobs: Pauschalsteuer steigt von 2 auf 5 Prozent
- Handwerkerbonus: sinkt von 20 auf 15 Prozent, maximal 900 Euro
- Rente: Übergang zur Kapitalrente geplant, Renteneintrittsalter über 67, abschlagsfreie Rente nach 45 Jahren entfällt
- Bürokratie: Berichtspflichten fallen weg, Beweislastumkehr vorgesehen

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Geteilte Reaktionen aus Wirtschaft und Verbänden

Arbeitgeber loben die Flexibilisierung, fordern aber weitere Wachstumsimpulse. Industrievertreter bezweifeln, dass das Paket für einen kraftvollen Aufbruch reicht.

Die Gewerkschaft ver.di lehnt die neuen Krankmelderegeln scharf ab – sie seien Ausdruck einer Misstrauenskultur. Ökonomen des DIW sprechen von Symbolpolitik ohne echte strukturelle Problemlösung. Start-up-Experten zeigen sich optimistischer: Die Lockerungen beim Kündigungsschutz seien ein notwendiger Schritt für junge Wachstumsunternehmen.

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