Arbeitsrecht-Reform, Telefonische

Arbeitsrecht-Reform: Telefonische Krankschreibung fÀllt komplett weg

02.07.2026 - 14:07:57 | boerse-global.de

Die Ampelkoalition schafft die telefonische Krankschreibung ab und fĂŒhrt eine Attestpflicht ab dem ersten Fehltag ein. Ärzte protestieren gegen die neuen Regeln.

Krankschreibung ab Tag eins: Koalition beschließt Reform
Arbeitsrecht-Reform - Nahaufnahme einer Hand, die eine deutsche Krankschreibung hĂ€lt, mit verschwommenem Hintergrund eines BĂŒros oder einer Klinik. 02.07.2026 - Bild: ĂŒber boerse-global.de

Die Koalition einigte sich am Donnerstag auf ein umfassendes Reformpaket. Kern: Die telefonische Krankschreibung wird abgeschafft.

Wegfall der telefonischen Krankschreibung

Bisher durften Arbeitnehmer erst ab dem vierten Fehltag eine Bescheinigung vorlegen. KĂŒnftig gilt die Attestpflicht ab Tag eins. Betriebe können zwar individuell abweichen – doch die neue Regelung setzt den Standard.

Die telefonische Krankschreibung, erst Ende 2023 eingefĂŒhrt, fĂ€llt komplett weg. Wer krank ist, muss persönlich in die Praxis. Zudem plant die Koalition hĂ€rtere Strafen fĂŒr falsche AU-Bescheinigungen.

Kanzler Merz begrĂŒndete die Maßnahmen mit dem gestiegenen Krankenstand. Laut DAK-Krankenkasse gab es 2025 durchschnittlich 19,5 Fehltage pro Versichertem. Die KassenĂ€rztliche Bundesvereinigung (KBV) beziffert den Anteil der Kurzkrankschreibungen auf ein Drittel aller 116 Millionen jĂ€hrlichen FĂ€lle.

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Ärzteschaft schlĂ€gt Alarm

Die PlĂ€ne stoßen in der Medizin auf heftigen Widerstand. Markus Blumenthal-Beier vom HausĂ€rzteverband spricht von einer „katastrophalen" BĂŒrokratiewelle fĂŒr die Praxen. GrĂŒnen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen kritisiert die zusĂ€tzliche Belastung des Personals.

Ex-Gesundheitsminister Lauterbach distanziert sich: Er hÀtte die Entscheidung so nicht getroffen. KBV-Chef Gassen warnt, die Praxen arbeiteten bereits am Limit.

VerschĂ€rft wird die Lage durch geplante Einsparungen. Der Spitzenverband der FachĂ€rzte (SpiFa) droht mit einer Vier-Tage-Woche ab 2027 – als Reaktion auf das GKV-Spargesetz. Der Bundestag entscheidet am 10. Juli darĂŒber. Prognostizierte Einsparung im Facharztbereich: 2,7 Milliarden Euro. Das Defizit der gesetzlichen Krankenversicherung liegt bei 19 Milliarden Euro.

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Steuerreform und Wirtschaftspaket

Das Gesamtpaket enthĂ€lt weitere Weichenstellungen. Ab 1. Januar 2027 entlastet eine Einkommensteuerreform die BĂŒrger um rund 10 Milliarden Euro.

Gleichzeitig steigt die Reichensteuer: Bei 250.000 Euro Jahreseinkommen greift kĂŒnftig ein Satz von 45 Prozent, ab 280.000 Euro sind es 47 Prozent. Im Arbeitsrecht wird die sachgrundlose Befristung auf bis zu 48 Monate verlĂ€ngert.

In der Pharmabranche sorgt eine Neuregelung fĂŒr Diskussionen. Der Rabatt auf patentgeschĂŒtzte Arzneimittel wird auf 15,5 Prozent festgeschrieben – statt jĂ€hrlicher Neuberechnung. Das schafft Planungssicherheit, belastet die Hersteller aber zunĂ€chst stĂ€rker.

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