Arbeitszeit-Reform: Wochenarbeitszeit statt Achtstundentag geplant
19.06.2026 - 00:09:19 | boerse-global.de
Das Bundesarbeitsministerium legt einen Referentenentwurf vor, der die deutsche Arbeitswelt grundlegend verändern könnte. Der Achtstundentag bleibt zwar gesetzlicher Grundsatz, doch unter bestimmten Voraussetzungen soll künftig eine wöchentliche Höchstarbeitszeit möglich sein. Der Haken: Nur tarifgebundene Unternehmen dürfen mitmachen.
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Flexibilisierung nur mit Tarifvertrag
Der 21-seitige Entwurf sieht vor, dass Betriebe von der starren täglichen Arbeitszeitbegrenzung abweichen können. Stattdessen tritt eine wöchentliche Höchstarbeitszeit in Kraft – im Jahresschnitt maximal 48 Stunden. Diese Option ist allerdings an Tarifverträge oder entsprechende Betriebsvereinbarungen geknüpft.
Das Ministerium unter Bärbel Bas begründet den Schritt mit moderneren Arbeitsformen bei gleichzeitigem Gesundheitsschutz. Intern heißt es, das Papier sei eine Arbeitsfassung in der Hausabstimmung und noch nicht final abgestimmt.
Wirtschaft und Union laufen Sturm
Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger bezeichnete den Entwurf als Zumutung und fordert den sofortigen Rückzug. Auch Gesamtmetall und weitere Wirtschaftsvertreter sehen in der Kopplung an die Tarifbindung eine Benachteiligung vieler Betriebe.
CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann kontert: Der Entwurf entspreche nicht den Vereinbarungen des Koalitionsvertrages. Die Union fordert Flexibilisierung für alle Arbeitnehmer – unabhängig von der Tarifbindung. Gitta Connemann verlangt ebenfalls eine Ausweitung auf die gesamte Wirtschaft.
Elektronische Zeiterfassung wird Pflicht
Der Entwurf enthält zudem konkrete Vorgaben zur Arbeitszeitdokumentation. Beginn, Ende und Dauer der täglichen Arbeit sollen grundsätzlich elektronisch erfasst werden. Das Ministerium reagiert damit auf frühere EuGH-Urteile zur Arbeitszeiterfassung.
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Branchenexperten warnen vor erheblichem bürokratischem Aufwand – besonders für kleinere Unternehmen. Befürworter sehen darin ein notwendiges Instrument gegen unbezahlte Mehrarbeit und zur Sicherstellung der Ruhezeiten.
Der weitere Zeitplan bleibt offen. Die Abstimmungen zwischen den Ressorts laufen noch. Klar ist: Die Kritikpunkte der Wirtschaft und der Union werden die kommenden Verhandlungen dominieren.
