Arbeitszeitgesetz: Bas lockert Höchstarbeitszeit für Tarifbetriebe
19.06.2026 - 00:09:19 | boerse-global.de
Gewerkschaften und Verbände fordern mehr Mitsprache beim KI-Einsatz, während ein neuer Gesetzentwurf zur Arbeitszeit für Zündstoff sorgt.
Reform des Arbeitszeitgesetzes sorgt für Streit
Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas hat einen Referentenentwurf vorgelegt, der weitreichende Änderungen am Arbeitszeitgesetz vorsieht. Kern des Vorschlags: Die tägliche Höchstarbeitszeit soll zugunsten einer wöchentlichen Betrachtung gelockert werden. Diese Option bleibt auf tarifgebundene Betriebe beschränkt und ist an strenge Gesundheitsschutzvorgaben geknüpft. Zudem ist eine verpflichtende elektronische Arbeitszeiterfassung geplant.
Angesichts der geplanten Reformen und der bereits bestehenden Pflicht zur Dokumentation sollten Betriebe jetzt handeln. Dieser kostenlose Ratgeber bietet Ihnen fertige Mustervorlagen für Stundenzettel und alle wichtigen Informationen zur gesetzeskonformen Umsetzung. In 10 Minuten zur gesetzeskonformen Arbeitszeiterfassung
Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger bezeichnete das Vorhaben als „Zumutung“ und kritisierte die Kopplung an die Tarifbindung. Auch Wirtschaftsverbände wie der VDMA und Gesamtmetall fordern, Flexibilisierungen allen Unternehmen zugänglich zu machen. Kritiker aus der Union sehen einen Verstoß gegen den Koalitionsvertrag, während Vertreter der Linken vor einer Aushöhlung des Achtstundentags warnen. Das Arbeitsministerium betont, es handle sich um einen internen Arbeitsentwurf in einem frühen Stadium.
KI im Journalismus: Verbindliche Regeln gefordert
Die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in ver.di hat einen Fünf-Punkte-Plan für den Einsatz von KI in Redaktionen vorgelegt. Die Kernforderung: Die redaktionelle Verantwortung muss stets beim Menschen bleiben. KI-generierte Inhalte sollen klar gekennzeichnet werden.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die faire Vergütung für Urheber, deren Daten zum Training von KI-Modellen genutzt werden. dju-Bundesgeschäftsführerin Danica Bensmail warnte vor den Risiken für die Existenzgrundlage von Medienschaffenden. Sie fordert eine aktive Mitbestimmung der Beschäftigten bei der Einführung neuer Technologien.
Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz bringt nicht nur neue Mitbestimmungsrechte, sondern auch strikte gesetzliche Vorgaben durch den EU AI Act mit sich. Dieser kostenlose Umsetzungsleitfaden verschafft Ihnen den notwendigen Überblick über Fristen, Pflichten und Risikoklassen. EU AI Act in 5 Schritten verstehen
Mitbestimmung in der digitalen Arbeitswelt
Betriebsräte müssen sich auf neue Herausforderungen einstellen. Datenschutz, mobile Arbeit und digitale Kontrollsysteme erfordern zunehmend neue Zuständigkeiten. Experten betonen: Die Weiterbildung zu digitalen Kompetenzen ist entscheidend für eine funktionierende Mitbestimmung.
Die IG Metall berichtet bereits über erfolgreiche KI-Zusatzqualifikationen in der Ausbildung. Der Hintergrund: Laut Erhebungen des IfM Bonn setzten 2025 bereits 57 Prozent der Großunternehmen auf KI, bei kleinen und mittleren Unternehmen waren es nur 25 Prozent. Arbeitgeberpräsident Dulger unterstrich auf dem Kongress #futurework26, dass KI eine Grundvoraussetzung für künftige Produktivität sei. Ein Arbeitgeberbarometer der BDA zeigt: 54 Prozent der Unternehmen erwarten durch KI Produktivitätssteigerungen.
Deutschland im EU-Vergleich: Licht und Schatten
Ein Bericht der EU-Kommission zeichnet ein gemischtes Bild. Bei der 5G-Abdeckung liegt Deutschland mit 99,47 Prozent über dem EU-Schnitt und ist in Hochtechnologien wie der Quantentechnologie führend. Der Glasfaserausbau (FTTP) hinkt mit knapp 44 Prozent jedoch deutlich hinter dem europäischen Durchschnitt hinterher.
Nachholbedarf besteht auch bei der digitalen Verwaltung und beim Fachkräftemangel. DGB-Chefin Yasmin Fahimi warnte zudem vor einer möglichen Aufweichung nationaler Mitbestimmungsrechte durch EU-Bestrebungen. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen bleiben angespannt: Das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) senkte seine BIP-Wachstumsprognose für das laufende Jahr auf 0,6 Prozent. Als Gründe nannte das Institut internationale Konflikte und die damit verbundenen Energiepreise.
