Arbeitszeitgesetz, Koalition

Arbeitszeitgesetz: Koalition plant Abkehr von Acht-Stunden-Tag

09.06.2026 - 16:44:06 | boerse-global.de

Die geplante Abkehr von der tĂ€glichen Höchstarbeitszeit sorgt fĂŒr Konflikte zwischen Koalition, Gewerkschaften und Wirtschaft.

Arbeitszeitreform: Koalition ringt um wöchentliche Höchstarbeitszeit
Arbeitszeitgesetz - Ein Hammer liegt auf einem dunklen Holzschreibtisch, im Hintergrund verschwommen debattierende Personen in einem hellen Plenarsaal des Bundestages. 09.06.2026 - Bild: ĂŒber boerse-global.de

Die geplante Reform des Arbeitszeitgesetzes sorgt fĂŒr dicke Luft zwischen Koalition, Gewerkschaften und WirtschaftsverbĂ€nden. Am Mittwoch treffen sich alle Seiten zum SpitzengesprĂ€ch.

Im Kern geht es um die Abkehr von der tĂ€glichen Höchstarbeitszeit. Stattdessen soll kĂŒnftig eine wöchentliche Regelung gelten. Die Regierung verspricht sich davon mehr FlexibilitĂ€t. Arbeitnehmervertreter warnen vor gesundheitlichen Risiken.

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DGB: „Das Ende des Acht-Stunden-Tages“

DGB-Chefin Yasmin Fahimi kritisierte die PlĂ€ne von Kanzler Friedrich Merz scharf. Sie spricht von einer „ökonomisch und sozial verfehlten Agenda“. Positive Effekte auf das Wirtschaftswachstum? Fehlanzeige.

Stattdessen drohten Schichten von bis zu 13 Stunden, warnt Fahimi. Das schwĂ€che die Binnennachfrage und belaste die BeschĂ€ftigten massiv. Flexible Arbeitszeitmodelle gebe es bereits heute in tausenden TarifvertrĂ€gen. Ein gesetzlicher Eingriff diene vor allem Arbeitgebern, die unzulĂ€ssige Überstunden legitimieren wollten.

Bereits Anfang des Jahres hatte die Linke einen Antrag im Bundestag eingebracht. Die Deabtte lÀuft also schon lÀnger. Arbeitnehmervertreter verweisen zudem auf einen Rekordwert: 2024 erreichte die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden einen historischen Höchststand.

Bas stellt Bedingungen – und fordert Steuerentlastung

Bundesarbeitsministerin BĂ€rbel Bas (SPD) zeigt sich grundsĂ€tzlich gesprĂ€chsbereit. Allerdings knĂŒpft sie die Flexibilisierung an strenge Auflagen. Mehrarbeit dĂŒrfe nicht gegen den Willen der BeschĂ€ftigten durchgesetzt werden.

Zu den Bedingungen der SPD gehören eine verpflichtende elektronische Arbeitszeiterfassung, die Einhaltung der Tarifbindung und mehr betriebliche Mitbestimmung. Auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf mĂŒsse gewahrt bleiben.

Parallel zur Arbeitszeitdebatte fordert Bas eine steuerliche Entlastung fĂŒr kleine und mittlere Einkommen. Mindestens 500 Euro pro Jahr sollen es sein. Idealtermin fĂŒr das Inkrafttreten: der 1. Januar 2027. Ohne diese Kompensation sei eine Reform fĂŒr die Betroffenen nicht vermittelbar.

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Wissenschaft warnt vor 12-Stunden-Tagen

Die Gewerkschaften bekommen RĂŒckendeckung aus der Wissenschaft. Experten der Hans-Böckler-Stiftung warnen: Eine wöchentliche statt tĂ€glicher Höchstgrenze wĂŒrde Arbeitstage von mehr als 12 Stunden rechtlich ermöglichen.

Arbeitswissenschaftliche Studien belegen zudem: Nach der achten Stunde steigt das Unfallrisiko steil an. Eine Befragung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) zeigt: Drei Viertel der Arbeitnehmer befĂŒrchten durch die Flexibilisierung eine Verschlechterung ihrer Work-Life-Balance.

Die Arbeitgeber drÀngen dagegen auf schnelle Reformen. Gesamtmetall-PrÀsident Dinglreiter fordert niedrigere Arbeitskosten. Die Union verweist auf den demografischen Wandel: In den nÀchsten 10 bis 15 Jahren werde die Zahl der ErwerbstÀtigen um rund vier Millionen sinken. Höhere Arbeitsleistung pro Kopf sei daher unvermeidbar.

Zeitplan: Bis Ende Juni mĂŒssen Eckpunkte stehen

Der politische Fahrplan ist ambitioniert. Bis zum 30. Juni will die Koalition Eckpunkte fĂŒr ein Reformpaket beschließen. Am 10. Juli beginnt die Sommerpause.

FĂŒr das Spitzentreffen am Mittwoch dĂ€mpfen Vertreter von Union und SPD die Erwartungen. Es gehe zunĂ€chst darum, im Dialog zu bleiben. Konkrete DurchbrĂŒche seien nicht zu erwarten.

Parallel dazu werden fĂŒr Mitte Juni die Empfehlungen der Rentenkommission erwartet. Sie prĂŒft unter anderem, ob Abgeordnete und Beamte in die gesetzliche Rentenversicherung einbezogen werden sollen.

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