Arbeitszeitgesetz, Merz

Arbeitszeitgesetz: Merz plant Abkehr vom Acht-Stunden-Tag

10.06.2026 - 06:10:27 | boerse-global.de

Bundesregierung plant Abkehr vom Acht-Stunden-Tag, Gewerkschaften protestieren heftig gegen längere Schichten.

Arbeitszeitreform: Streit um flexible Modelle eskaliert
Arbeitszeitgesetz - Eine Nahaufnahme einer Hand, die die Zeiger eines alten Zifferblatts dreht, mit sichtbaren Zahnrädern im Hintergrund eines modernen Büros. 10.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Die Bundesregierung will das Arbeitszeitgesetz modernisieren – die Gewerkschaften laufen Sturm.

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DGB: „Ideologischer Irrweg“

DGB-Chefin Yasmin Fahimi lehnt die Pläne von Kanzler Friedrich Merz entschieden ab. Die geplante Abkehr vom gesetzlichen Acht-Stunden-Tag zugunsten einer wöchentlichen Höchstarbeitszeit sei ein „rein ideologisch motivierter Irrweg“, sagte sie Anfang Juni. Positive Effekte auf die Wirtschaft erwarte sie nicht.

Aus Sicht der Arbeitnehmervertreter könnten durch die Neuregelung Schichten von bis zu 13 Stunden möglich werden. Fahimi macht klar: In dieser Frage gibt es keinen Verhandlungsspielraum. Sie warnte zudem vor einem Sparkurs der Regierung, der die Binnennachfrage gefährde.

Ministerin kündigt Gesetzentwurf an

Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas will noch im Juni einen konkreten Entwurf vorlegen. Die Reform sei ein Koalitionskompromiss, betonte sie. Eine Ausweitung der Arbeitszeit solle nicht gegen den Willen der Beschäftigten erfolgen.

Die Eckpunkte sollen noch vor der Sommerpause Mitte Juli verabschiedet werden. Bas verwies auf das enorme Volumen an Mehrarbeit: Rund 1,2 Milliarden Überstunden haben Beschäftigte in Deutschland angehäuft. Zudem stellte die Ministerin steuerliche Entlastungen von mindestens 500 Euro pro Jahr für kleine und mittlere Einkommen in Aussicht.

Gesundheitsrisiken und Unfallgefahren

Wissenschaftler schlagen Alarm. Die Hans-Böckler-Stiftung warnt: Eine reine Wochenarbeitszeitregelung könnte in der Praxis zu Arbeitstagen von über 12 Stunden führen. Das Unfallrisiko steige bereits nach der achten Arbeitsstunde signifikant an.

Eine Befragung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) untermauert die Bedenken. Drei Viertel der Beschäftigten fürchten negative Folgen für ihre Work-Life-Balance, wenn die tägliche Höchstgrenze fällt. Arbeitgeber sehen dagegen eine längst überfällige Anpassung an moderne Arbeitswelten.

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Steuerfrei für Überstunden?

Parallel zur Arbeitszeitdebatte steht ein weiteres Vorhaben in der Schwebe. Ein bereits im September 2025 entworfener Plan für ein „Arbeitsmarktstärkungsgesetz“ sah vor, Zuschläge für Mehrarbeit über die tarifliche Vollzeit hinaus steuerfrei zu stellen. Ursprünglich zum 1. Januar 2026 geplant, ist das Gesetz bislang nicht umgesetzt.

Die Steuerfreiheit wäre auf Zuschläge von maximal 25 Prozent des Grundlohns begrenzt. Kritiker bemängeln: Von solchen Regelungen profitieren vor allem Vollzeitkräfte. Die fast 30 Prozent der Erwerbstätigen in Teilzeit hätten kaum etwas davon.

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