Automobilbranche: 726.000 Arbeitsplätze bis 2040 in Gefahr
Veröffentlicht: 18.07.2026 um 00:09 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Besonders die Automobilbranche und die Stahlindustrie sind betroffen. Eine aktuelle Studie zeichnet ein düsteres Bild bis 2040.
Volkswagen: Konzernchef stellt sich der Belegschaft
Beim Wolfsburger Autobauer zeichnet sich ein deutlicher Personalabbau ab. Konzernchef Oliver Blume wird sich Ende August auf insgesamt neun Betriebsversammlungen stellen. Die Termine sind für den 25. August in Wolfsburg, den 26. August in Emden und Zwickau sowie den 31. August in Hannover geplant.
Hintergrund der Spannungen sind Berichte des Betriebsrats. Demnach könnten bis zu 140.000 Arbeitsplätze gefährdet sein. Diese Zahl setzt sich aus laufenden Programmen zum Abbau von 50.000 Stellen, weiteren 50.000 geplanten Streichungen bis 2030 sowie potenziellen 40.000 Stellen ab 2030 zusammen. Letztere betreffen besonders die Standorte Emden, Hannover, Neckarsulm und Zwickau.
Blume begründete die Einsparungen mit Gemeinkosten, die rund 20 Prozent über dem Branchendurchschnitt lägen. In Europa verzeichne der Konzern eine Überkapazität von etwa 500.000 Einheiten. Werksschließungen in Deutschland schließt das Unternehmen nicht mehr aus. Parallel prüft Niedersachsen eine Beteiligung am Standort Osnabrück, um dort den Einstieg eines Rüstungskonzerns zu ermöglichen.
Mercedes-Benz und MAN: Produktion wandert ins Ausland
Auch andere Hersteller verschärfen ihre Sparvorgaben. Bei Mercedes-Benz will der Vorstand die Produktionskosten bis 2027 um 10 Prozent senken. Produktionsvorstand Jörg Schiebe betonte, Werksschließungen in Deutschland sollten verhindert werden. Als Bedingung nannte er jedoch eine Erhöhung der Arbeitszeit ohne Lohnausgleich.
Gleichzeitig baut das Unternehmen den Standort im ungarischen Kecskemét auf eine Kapazität von 400.000 Einheiten aus. Das soll die deutschen Arbeitsplätze sichern helfen.
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Der Lastwagenhersteller MAN Truck & Bus verfolgt eine Doppelstrategie: Bis 2030 investiert das Unternehmen rund 1,2 Milliarden Euro in sein polnisches Werk in Krakau. Die dortige Produktionsfläche wird verdoppelt. In Deutschland fallen im Gegenzug etwa 2.300 Stellen weg. Ein bestehender Sozialplan schließt betriebsbedingte Kündigungen an deutschen Standorten jedoch bis 2035 aus.
Zulieferer und Stahlindustrie im Umbruch
Die Krise der Automobilbranche zwingt Zulieferer wie ZF Friedrichshafen zum Handeln. Während dort Tausende Stellen gestrichen werden, profitieren ehemalige Mitarbeiter vom wachsenden Bedarf in der Rüstungsindustrie. Unternehmen wie Hensoldt planen für 2026 rund 1.600 Neueinstellungen, Rolls-Royce Power Systems etwa 1.000. Ein Tarifvertrag zum Personalaustausch ermöglicht den Wechsel zwischen den Branchen – auch wenn die Zahl der Wechsler bislang im niedrigen zweistelligen Bereich liegt.
In der Stahlindustrie wurden erste Vereinbarungen zur sozialen Absicherung erzielt. Für die Hüttenwerke Krupp Mannesmann in Duisburg beschloss man Mitte Juli einen Sozialplan für etwa 1.800 Beschäftigte. Die Salzgitter AG plant zudem Investitionen von rund einer Milliarde Euro in einen Elektrolichtbogenofen, um die Produktion ökologisch umzubauen und Standorte zu sichern.
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Studie warnt: Bis zu 726.000 Jobs könnten wegfallen
Eine aktuelle Studie der Fraunhofer-Gesellschaft warnt vor einer Verschärfung der Lage. Bis 2040 könnten in der europäischen Automobilindustrie bis zu 726.000 Arbeitsplätze wegfallen. Deutschland sei durch den hohen Anteil an der Wertschöpfung bei Verbrennungsmotoren besonders betroffen. Allein bis 2030 prognostizieren die Forscher den Verlust von 375.000 Stellen.
Auch kleinere Unternehmen melden Personalreduzierungen. Der Palettenhersteller Mercer Torgau strich zum 1. Juli 100 Stellen für Leiharbeiter. Bis April 2027 sollen weitere 250 Arbeitsplätze wegfallen. Der Baggerhersteller Atlas entlässt im Zuge einer Insolvenz 180 Beschäftigte in eine Transfergesellschaft. Der Automatisierungsspezialist Festo bereitet den Abbau von 1.300 Stellen in Deutschland vor.
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