Krankschreibung: Online-Atteste ohne Arzt werden verboten
Veröffentlicht: 18.07.2026 um 00:04 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Die Neuregelung zielt auf kommerzielle Plattformen ab, die Atteste ohne persönliche Untersuchung ausstellen.
Ärztliche Untersuchung bleibt Pflicht
Künftig soll eine Arbeitsunfähigkeit nur noch nach einer ärztlichen Untersuchung bescheinigt werden können. Erlaubt bleibt der Besuch in der Praxis – oder die Videosprechstunde. Der Weg über einen reinen Online-Fragebogen wird dagegen rechtlich ausgeschlossen.
„Die Videosprechstunde bleibt als modernes Instrument erhalten", betonte die Ministerin. Rund 20 Prozent der Arztpraxen in Deutschland bieten solche digitalen Konsultationen bereits an. Das Vorhaben folgt Forderungen des Hausärzteverbandes, die kommerziellen Modellen ohne ärztliche Prüfung die Grundlage entziehen sollen.
Fristlose Kündigung droht
Schon vor der angekündigten Initiative war die Rechtslage für Arbeitnehmer riskant. Das Landesarbeitsgericht Hamm entschied am 5. September 2025: Wer eine AU ohne vorherigen Arztkontakt vorlegt, riskiert die fristlose Kündigung. Solche Dokumente haben laut Urteil keinen Beweiswert für eine tatsächliche Erkrankung.
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Das Gesundheitsministerium plant nun eine engere Abstimmung mit Arbeitsministerin Bärbel Bas. Diskutiert wird auch eine Nachweispflicht für Krankmeldungen ab dem ersten Tag. Ziel: Arbeitgeberinteressen berücksichtigen, ohne Praxen zu überlasten oder das Vertrauensverhältnis zu Beschäftigten zu beschädigen.
Zuckersteuer bringt Millionen
Die AU-Verschärfung ist Teil eines größeren Reformpakets. Dazu gehört auch die geplante Abschaffung der telefonischen Krankschreibung. Eine neue Abgabe auf zuckerhaltige Getränke soll jährlich rund 650 Millionen Euro einbringen.
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Die Mittel fließen in den Bundeshaushalt. Im Gegenzug erhöht der Staat die Zuweisungen für die gesetzlichen Krankenkassen. Ziel ist eine stabilere Finanzierung.
Der Handlungsbedarf ist enorm: Laut AOK-Statistik verursachen Langzeiterkrankungen wie Depressionen oder Krebs nur 3,3 Prozent aller Krankheitsfälle – aber rund 40 Prozent aller Arbeitsunfähigkeitstage.
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