ROUNDUP, Licht

Wirtschaft sieht Licht und Schatten im Koalitionsvertrag

09.04.2025 - 18:47:20 | dpa.de

BERLIN - Der Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD ruft gemischte Reaktionen aus der Wirtschaft hervor.

(neu: Reaktionen DIHK und BDA.)

BERLIN (dpa-AFX) - Der Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD ruft gemischte Reaktionen aus der Wirtschaft hervor. Mehrere VerbĂ€nde Ă€ußern sich erleichtert ĂŒber den raschen Abschluss der Verhandlungen.

Der Industrieverband BDI spricht von AnsĂ€tzen fĂŒr dringend notwendige, entschlossene Strukturreformen. Entscheidend sei nun eine rasche Umsetzung. "Mit dem zĂŒgigen Abschluss der Verhandlungen sind Union und SPD dem Ernst der Lage und den Erwartungen der Wirtschaft gerecht geworden", sagt HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrerin Tanja Gönner. Der Koalitionsvertrag setze wichtige Signale fĂŒr Investitionen und Wachstum. Die steuerliche Entlastung der Unternehmen komme allerdings deutlich spĂ€ter als es notwendig wĂ€re.

"Der Anfang ist gemacht"

Ähnlich Ă€ußert sich DIHK-PrĂ€sident Peter Adrian: "Der Anfang ist gemacht, mehr Mut muss folgen." Die Parteien haben nach seinen Worten viele richtige Maßnahmen vereinbart, aber nicht konsequent die StĂ€rkung der Wirtschaft zum Maßstab gemacht. Der Einstieg in die Unternehmenssteuerreform erst ab 2028 komme zu spĂ€t: "Insgesamt reicht das vorliegende Paket allein nicht, um eine echte Trendwende zu schaffen."

ArbeitgeberprÀsident Rainer Dulger betont mit Blick auf die schnelle Einigung, "Deutschland ist wieder auf dem Platz". Diese Geschwindigkeit sei auch im Regierungshandeln nötig. "Deutschland muss schneller, besser und wettbewerbsfÀhiger werden." Die Arbeit an der Wirtschaftswende dulde keinen Aufschub. "Wir brauchen eine Standortrenovierung mit Tempo", fordert Dulger.

FĂŒr die Bauindustrie ist ein Verhandlungsergebnis in so kurzer Zeit zunĂ€chst ein gutes Signal, auf das die deutsche Wirtschaft und Industrie gewartet habe. "Ob mit dem Verhandlungsergebnis auch inhaltlich der Weg fĂŒr Wachstum, EntbĂŒrokratisierung und Vereinfachung eingeschlagen wird, muss sich zeigen", sagt der HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, Tim-Oliver MĂŒller.

"Wirksame Medizin, aber auch einige bittere Pillen"

Der Zentralverband des Deutschen Handwerks sieht in dem Koalitionsvertrag "wirksame Medizin, aber auch einige bittere Pillen". Vieles könne sich in die richtige Richtung drehen, sagt PrĂ€sident Jörg Dittrich. "Ob dies zu einer echten Wirtschaftswende fĂŒhrt, muss sich erst noch zeigen."

Nach Ansicht der Stiftung Familienunternehmen und Politik weist der Koalitionsvertrag in die richtige Richtung. "Es ist zu begrĂŒĂŸen, dass die Koalition von Steuererhöhungen absieht", sagt Vorstand Rainer Kirchdörfer. "EnttĂ€uschend bleibt, dass der Einstieg in niedrigere Unternehmenssteuern erst 2028 erfolgen soll."

Wirtschaftsweise: Leider kein Wachstumsprogramm

Der PrĂ€sident des Deutschen Instituts fĂŒr Wirtschaftsforschung, Marcel Fratzscher, beklagt, dass es dem Papier der drei Parteien an Ambitionen mangele. "Der Koalitionsvertrag von Union und SPD ist ein Kompromiss, der den Status quo weitgehend beibehĂ€lt und zentrale Zukunftsfragen unzureichend adressiert."

Auch nach EinschĂ€tzung der Wirtschaftsweisen Monika Schnitzer fĂ€llt die angekĂŒndigte Wirtschaftswende deutlich bescheidener aus als ursprĂŒnglich in den Wahlprogrammen dargestellt. "Das ist leider kein Wachstumsprogramm", sagt Schnitzer der Funke Mediengruppe. Dies ĂŒberrasche allerdings kaum, da die Koalitionsparteien einerseits Steuererhöhungen und andererseits Steuersenkungen forderten.

"Koalitionsvertrag gleicht eher einer trĂŒben Lampe"

Florian Swyter vom Gesamtverband der Personaldienstleister bewertet den Koalitionsvertrag zwiegespalten. Deutschland brauche eine handlungsfĂ€hige Regierung. "Doch statt eines leuchtenden Signals fĂŒr einen wirtschaftlichen Aufbruch gleicht der Koalitionsvertrag eher einer trĂŒben Lampe: Ein bisschen Licht, aber leider auch reichlich Schatten."

Bitkom-PrĂ€sident Ralf Wintergerst begrĂŒĂŸt vor allem ein Vorhaben der schwarz-roten Koalition: "Die Einrichtung eines Ministeriums fĂŒr Digitalisierung und Staatsmodernisierung ist ein Meilenstein fĂŒr Deutschland und das lange erwartete Aufbruchsignal der neuen Bundesregierung."

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