Berufskrankheiten, Parkinson

Berufskrankheiten: Parkinson durch Pestizide neu anerkannt

15.06.2026 - 16:51:22 | boerse-global.de

Hohe Dunkelziffer bei Krankschreibungen: Umfragen zeigen, dass viele Arbeitnehmer trotz Arbeitsfähigkeit zu Hause bleiben.

Rekord-Krankenstand in Deutschland: 17 Fehltage 2025
Berufskrankheiten - Eine Nahaufnahme einer Hand, die eine zerknüllte Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vor dem Hintergrund eines Büros hält. 15.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Der Krankenstand in deutschen Firmen erreicht neue Höchstwerte: 17 Tage fehlten Arbeitnehmer von Januar bis November 2025 durchschnittlich. 2021 waren es noch 13 Tage. Doch die offiziellen Zahlen zeigen nur die halbe Wahrheit.

Eine Yougov-Umfrage enthüllt eine hohe Dunkelziffer: Mehr als 25 Prozent der Befragten gaben zu, bereits unter falschen Angaben gefehlt zu haben. Noch alarmierender: Laut einer Studie der Pronova BKK haben sich rund 60 Prozent der Arbeitnehmer trotz Arbeitsfähigkeit krankgemeldet. Sieben Prozent davon sogar häufig.

Anzeige

Langzeiterkrankungen oder häufige Kurzerkrankungen belasten jedes Team. Wie Sie den Wiedereinstieg strukturiert gestalten und betroffene Mitarbeiter rechtssicher begleiten, erfahren Sie in diesem kostenlosen Leitfaden. Vollständige BEM-Anleitung mit Gesprächsleitfaden jetzt kostenlos sichern

Was Arbeitgeber tun können

Unternehmen müssen den hohen Krankenstand nicht tatenlos hinnehmen. Sie dürfen die Vorlage einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung bereits ab dem ersten Krankheitstag verlangen. Legt ein Mitarbeiter keine AU vor, kann der Arbeitgeber die Entgeltfortzahlung verweigern.

Bei nachgewiesenem Fehlverhalten sind Abmahnungen oder Kündigungen möglich. Ein ärztliches Attest besitzt zwar einen hohen Beweiswert – der lässt sich aber erschüttern. Etwa wenn ein Mitarbeiter seine Krankschreibung ankündigt, nachdem ein Urlaubsantrag abgelehnt wurde. Oder nach einem Streit am Arbeitsplatz.

Auch auffällige Muster sind verdächtig: Krankschreibungen direkt vor oder nach dem Wochenende, Feiertagen oder dem Urlaub. Oder wenn sich ein Arbeitnehmer genesungswidrig verhält. Ein weiteres Indiz: eine Krankschreibung, die exakt die Restlaufzeit nach einer Kündigung abdeckt.

Anzeige

Wenn das Vertrauensverhältnis nachhaltig gestört ist, kann ein Aufhebungsvertrag eine Alternative zur Kündigung sein. Dieser Experten-Report zeigt, wie Sie solche Vereinbarungen rechtssicher aufsetzen und teure Nachzahlungen vermeiden. Gratis-E-Book mit rechtssicheren Musterformulierungen herunterladen

Detektive nur im Ausnahmefall

Um den Verdacht zu prüfen, können Unternehmen den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung einschalten. Eine Überwachung durch eine Detektei ist dagegen an strenge rechtliche Hürden gebunden. Konkrete Tatsachen müssen einen schwerwiegenden Verdacht rechtfertigen. Das Landesarbeitsgericht Düsseldorf sprach bereits Schmerzensgeld zu, weil eine Überwachung unverhältnismäßig war.

Neue Berufskrankheiten erkannt

Das Bundeskabinett beschloss Ende Mai 2026 eine wichtige Neuerung: Parkinson-Erkrankungen durch Pestizide kommen auf die offizielle Liste der Berufskrankheiten. Der Bundesrat muss noch zustimmen.

Die Hürden für eine Anerkennung bleiben hoch. 2024 gingen 90.749 Verdachtsanzeigen ein – weniger als ein Drittel wurde anerkannt. Das Prüfverfahren dauert mehrere Monate, umfasst Gutachten und Arbeitsplatzuntersuchungen. Bei Anerkennung haben Betroffene Anspruch auf medizinische Versorgung, berufliche Eingliederung oder Rente – sofern die Erwerbsfähigkeit um mindestens 20 Prozent gemindert ist.

Widerrufsbutton wird Pflicht

Unabhängig vom Arbeitsrecht: Ab dem 19. Juni 2026 müssen Online-Shops in Deutschland einen Widerrufsbutton anbieten. Die EU-Richtlinie ermöglicht Kunden, Käufe per Mausklick zu widerrufen. Bei Verstößen drohen Bußgelder von bis zu 50.000 Euro oder vier Prozent des Jahresumsatzes. Fehlt der Button, verlängert sich die Widerrufsfrist auf bis zu zwölf Monate und 14 Tage.

de | wirtschaft | 69545421 |