Betriebsratsrecht, BetrVG

Betriebsratsrecht: § 37 BetrVG garantiert bezahlte Schulungsfreistellung

24.06.2026 - 19:32:27 | boerse-global.de

Grundlagenschulungen für neue Betriebsräte sind Pflicht. Experten fordern Wissen zu KI, psychischer Belastung und digitalen Werkzeugen.

Betriebsrat: Neue Pflichten durch Digitalisierung und KI
Betriebsratsrecht - Eine Gruppe von Betriebsratsmitgliedern in einem modernen Konferenzraum, die engagiert an einem Tisch diskutieren und lernen. 24.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Wer neu im Gremium sitzt, muss innerhalb der ersten drei Monate Basiswissen aufbauen. Das fordern Experten und Fachanwälte.

Der Schulungsanspruch ist gesetzlich klar geregelt: § 37 Abs. 6 Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG) gibt Betriebsratsmitgliedern das Recht auf bezahlte Freistellung für Seminare. Die Entscheidung über die Teilnahme trifft das gesamte Gremium per Beschluss.

„Neben den rechtlichen Basics gehören auch Kenntnisse über Sachmittel und virtuelle Sitzungen zum Rüstzeug“, erklärt Fachanwältin Lina Goldbach.

Was Betriebsräte können müssen

Im Fokus der Grundlagenschulungen stehen die allgemeinen Aufgaben nach § 80 BetrVG und die Rechtsstellung des Betriebsrats. Ein konkretes Beispiel: Vom 28. September bis 1. Oktober 2026 findet in Oldenburg ein Seminar statt. Die Teilnehmer lernen Beteiligungsrechte, Sitzungsdurchführung und rechtssichere Beschlussfassung.

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Zur Standardausstattung gehören aktuelle Kommentare zum BetrVG sowie zur Arbeits- und Sozialordnung.

KI und psychische Belastung als neue Themen

Die Digitalisierung stellt Betriebsräte vor neue Aufgaben beim Gesundheitsschutz. Ein zentrales Werkzeug ist die digitale Belastungsmatrix. Sie basiert auf einer EU-OSHA-Kampagne (2023–2025) und erfasst die Auswirkungen der digitalen Transformation in fünf Bereichen.

Die Zahlen zeigen die Dringlichkeit: Psychische Störungen verursachten 2024 rund 16,7 Prozent der Arbeitsunfähigkeitstage. Sie waren für 42 Prozent der Erwerbsminderungsrenten verantwortlich. Etwa 40 Prozent der Fachkräfte denken wegen KI-Sorgen über einen Jobwechsel nach.

Dass Mitgestaltung funktioniert, zeigt der Konzernbetriebsrat von MAN. Der DGB Bayern zeichnete ihn für eine wegweisende KI-Vereinbarung aus.

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Wenn der Sparkurs die Belegschaft verunsichert

Die Praxis zeigt, warum kompetente Betriebsräte wichtig sind. Bei einer Betriebsversammlung in Baunatal kritisierten rund 6.000 Beschäftigte die Kommunikation des Vorstands zu einem geplanten Sparkurs. Betriebsräte müssen hier Beschäftigungssicherungen bis 2030 und Standortperspektiven fundiert bewerten können.

Auch für Arbeitgeber steigen die Anforderungen. Die Berufsgenossenschaft Holz und Metall (BGHM) bietet am 1. Juli 2026 in Saarbrücken Seminare für Unternehmer mit bis zu 50 Beschäftigten an. Themen sind das Arbeitssicherheitsgesetz, Gefährdungsbeurteilung und die DGUV Vorschrift 2.

Psychische Gesundheit in der Ausbildung

Ein weiterer Schwerpunkt: die psychische Gesundheit von Azubis. Ende Juni 2026 veranstalteten IHK und Handwerkskammern Online-Workshops zur Gesprächsführung und Prävention im Ausbildungsalltag. Ziel ist die frühzeitige Identifikation von Belastungen.

Gleichzeitig gewinnen strukturierte Konzepte für Onboarding und Pre-Boarding von Azubis an Bedeutung. Die Qualifizierung von Betriebsräten und Führungskräften ist eng mit der Zukunftsfähigkeit der Unternehmen verknüpft.

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