Budgetbegleitgesetz 7. Juli: Justiz erhÀlt nur 7 von 200 VorschlÀgen
24.06.2026 - 18:13:02 | boerse-global.de
Die Vereinigung der Ăsterreichischen StaatsanwĂ€lte sieht die QualitĂ€t der Strafverfolgung durch die Budgetplanung fĂŒr 2027 und 2028 massiv gefĂ€hrdet. Die Schere zwischen wachsenden Aufgaben und stagnierenden Ressourcen öffne sich immer weiter, warnten Vertreter des Berufsstandes am heutigen Mittwoch.
Mehr Aufgaben, kein Personal
Die VizeprÀsidentin der Staatsanwaltschaftsvereinigung, Anna-Maria Wukovits, zÀhlte die neuen Belastungen auf: VerschÀrfte Spionagebestimmungen, die Umsetzung der E-Evidence-Verordnung und die Zunahme von Cybercrime. Hinzu kommen KI-generierte Inhalte wie Deep Fakes, die die Ermittlungen immer komplexer machen.
Trotz dieser Ausweitung sieht die Budgetplanung keine Personalaufstockung vor. Von ĂŒber 200 eingereichten VorschlĂ€gen zur Justizentlastung landeten nur sieben im Budgetbegleitgesetz. Ex-Justizministerin Zadi? kritisierte den Kurs scharf: Gesetze zu verschĂ€rfen, ohne die nötigen Mittel bereitzustellen, sei kurzsichtig.
GebĂŒhren und StandortschlieĂungen in der Kritik
Das Budgetbegleitgesetz, das am 7. Juli beschlossen werden soll, sieht eine neue GebĂŒhr fĂŒr schriftliche Gerichtsurteile vor. Bernhard Fink, PrĂ€sident der Rechtsanwaltskammer KĂ€rnten, warnt: Das gefĂ€hrde den freien Zugang zum Recht. Die Begutachtungsfrist endete bereits am vergangenen Sonntag.
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Auch die geplante SchlieĂung von Gerichtsstandorten sorgt fĂŒr Widerstand. In Ferlach sprach sich der Gemeinderat heute gegen die Auflösung des Bezirksgerichts aus. Die Lokalpolitik forderte Justizministerin Anna Sporrer auf, die PlĂ€ne fallen zu lassen. Einsparungseffekte seien nicht belegbar, das Gericht erfĂŒlle eine wichtige Funktion in der Region.
System unter Druck
Die Ăberlastung zeigt sich auch im Strafvollzug. Die Regierung einigte sich heute auf ein MaĂnahmenpaket, um die Auslastung der GefĂ€ngnisse zu senken. Diese lag zuletzt bei ĂŒber 108 Prozent mit mehr als 9.100 Insassen. KĂŒnftig sollen straffĂ€llige AuslĂ€nder bereits nach der HĂ€lfte ihrer Haftzeit in ihre HerkunftslĂ€nder ĂŒberstellt werden können â notfalls gegen ihren Willen. Das soll rund 300 HaftplĂ€tze frei machen.
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Johann Fuchs, Leiter der Oberstaatsanwaltschaft Wien, forderte heute bei parlamentarischen Befragungen strukturelle Verbesserungen. Er sprach sich besonders fĂŒr eine StĂ€rkung der Gerichtsmedizin aus. Zur internen QualitĂ€tssicherung betonte er: Befangenheit bei der Aktenbearbeitung werde stets sorgfĂ€ltig geprĂŒft.
Der Druck auf die Justiz ist kein rein österreichisches PhĂ€nomen. In Deutschland erreichten DiebstahlschĂ€den im Jahr 2025 einen Höchstwert von 4,3 Milliarden Euro. Der Handelsverband Deutschland fordert eine deutlich bessere Ausstattung von Polizei und Justiz â personell wie technisch.
