Stromgesetz: BVES verklagt Benachteiligung von Speichertechnologien
24.06.2026 - 18:13:02 | boerse-global.de
Der Bundesverband Energiespeicher (BVES) verklagt das geplante Stromversorgungskapazitätsgesetz (StromVKG) auf europäischer Ebene. Eine Beschwerde bei der Europäischen Kommission ist bereits angekündigt.
Der Gesetzentwurf, den das Bundeskabinett am 13. Mai verabschiedet hatte, benachteilige Speichertechnologien unzulässig, so der Vorwurf.
Wettbewerbsverzerrung durch zehnstündige Dauerleistung
Im Zentrum der Kritik steht die geplante Ausschreibung von neun Gigawatt gesicherter Leistung. Das Gesetz verlangt von teilnehmenden Anlagen eine Dauerleistung von zehn Stunden. Nach Einschätzung des BVES führt diese Vorgabe in Kombination mit weiteren Kriterien dazu, dass Speicher faktisch vom Markt ausgeschlossen werden. Gaskraftwerke würden hingegen bevorzugt.
„Speicher sind formal zur Teilnahme berechtigt“, sagt BVES-Bundesgeschäftsführer Urban Windelen. „Die kumulativen Anforderungen stellen jedoch eine Diskriminierung dar.“ Besonders das Verbot der Bündelung von Anlagen (Pooling) sowie spezifische Anforderungen an die Momentanreserve stünden einem fairen Wettbewerb entgegen.
Dabei könnten Speicher gesicherte Leistung kostengünstiger bereitstellen als neue Gaskraftwerke – vorausgesetzt, die Rahmenbedingungen wären technologieneutral gestaltet.
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Resilienzkriterien: Ungleiche Regeln für Speicher und Gas
Ein weiterer Streitpunkt: die sogenannten Resilienzkriterien. Das Gesetz schreibt für bestimmte Anlagenkomponenten eine Quote von 50 Prozent aus europäischer Produktion vor. Gaskraftwerke sind von dieser Regelung ausgenommen. Das schränke die Wettbewerbsfähigkeit von Speichern zusätzlich ein, kritisiert der BVES. Auch die sogenannte 10+1-Regel werte der Verband als Hindernis für moderne Speicherlösungen.
Unterstützung kommt vom Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE). Präsidentin Heinen-Esser bemängelt die fehlende Technologieoffenheit des Entwurfs. Zudem fehle ein verbindlicher Fahrplan für die Umstellung der Kapazitäten auf Wasserstoff.
Gaswirtschaft fordert höhere Preise
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Die Gaswirtschaft bewertet den Entwurf dagegen grundsätzlich positiv. Branchenvertreter fordern jedoch finanzielle Nachbesserungen. Der Höchstpreis von 173 Euro pro Kilowatt reiche nicht aus, um die Wirtschaftlichkeit neuer Projekte zu gewährleisten.
Der Konflikt fällt in eine Zeit des starken Umbruchs auf dem deutschen Strommarkt. Im vergangenen Jahr überholte die Photovoltaik mit einem Anteil von rund 19 Prozent an der Nettostromerzeugung erstmals Braunkohle und Erdgas. Die Folge: steigende Volatilität. In den ersten fünf Monaten dieses Jahres registrierte die Strombörse EPEX Spot bereits 242 Stunden mit negativen Strompreisen – ein deutliches Signal für den wachsenden Bedarf an flexiblen Speicherlösungen.
