CO2-Ziele, Lkw

CO2-Ziele fĂŒr Lkw: 120 Millionen Euro Strafe pro Prozentpunkt droht

Veröffentlicht: 12.07.2026 um 07:45 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Karin RĂ„dström sieht existenzielle Risiken fĂŒr Nutzfahrzeughersteller durch drohende Milliardenstrafen bei verfehlten CO2-Zielen.

Daimler-Truck-Chefin warnt: EU-CO2-Regeln bedrohen Lkw-Industrie
Ein futuristischer Elektro-Sattelzug an einer Ladestation in einer industriellen Landschaft bei DĂ€mmerung, der die Herausforderungen der Infrastruktur symbolisiert. Illustration mit AI erstellt ĂŒbermittelt durch boerse-global.de

Daimler-Truck-Vorstandschefin Karin RĂ„dström warnt vor existenziellen Folgen – und fordert eine Anpassung der Vorgaben.

Ohne ÜberprĂŒfung der aktuellen Regeln sieht sie die gesamte europĂ€ische Nutzfahrzeugindustrie in ihrer Existenz bedroht. Besonders die drohenden Strafzahlungen machen den Herstellern zu schaffen.

Milliardenrisiko bei verfehlten Zielen

Die EU verlangt: Bis 2030 mĂŒssen die CO2-Emissionen schwerer Lkw um 43 Prozent sinken – gegenĂŒber 2019. Das wĂŒrde bedeuten: Rund 35 Prozent aller Neuzulassungen mĂŒssten 2030 elektrisch sein.

Die RealitÀt sieht anders aus. 2025 lag der Anteil bei gerade einmal zwei Prozent.

Die finanziellen Folgen wĂ€ren dramatisch. Pro verfehltem Prozentpunkt drohen 120 Millionen Euro Strafe. RĂ„dström rechnet am Beispiel Mercedes-Benz Trucks vor: Zehn Prozentpunkte daneben – und die Strafen fressen das gesamte operative Ergebnis der Sparte auf.

Zum Vergleich: 2025 lag das EBIT bei 698 Millionen Euro, nach 922 Millionen im Vorjahr. Der Umsatz betrug rund 20 Milliarden Euro.

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Warum der Hochlauf so schleppend lĂ€uft? Zwei HauptgrĂŒnde: Die Ladeinfrastruktur fĂŒr schwere Lkw ist unzureichend. Und die KostenparitĂ€t zwischen E-Lkw und Diesel ist nicht erreicht.

Die Branche fordert deshalb: Die Ziele mĂŒssen an den tatsĂ€chlichen Ausbau der Infrastruktur gekoppelt werden. Nur so lasse sich der Industriestandort Europa sichern.

Klimadebatte wird grundsÀtzlicher

Die Warnung aus Stuttgart fÀllt in eine Zeit, in der immer mehr Wirtschaftsvertreter das Tempo der Klimawende hinterfragen. RWE-Chef Markus Krebber etwa fordert, Deutschlands Ziel der KlimaneutralitÀt von 2045 auf 2050 zu verschieben.

Sein Argument: Nationale Sonderwege verteuern den Standort, bringen aber global kaum etwas.

Auch die Gewerkschaft IGBCE und die CDU-Mittelstandsvereinigung plĂ€dieren fĂŒr realistischere ZeitplĂ€ne. Sie fordern unter anderem, die Verknappung der CO2-Zertifikate zeitlich zu strecken.

Die Regierungsparteien SPD und GrĂŒne halten dagegen. Eine Verschiebung der Klimaziele verlagere Lasten auf kĂŒnftige Generationen, heißt es. Zudem brauche die Wirtschaft verlĂ€ssliche Planungssicherheit.

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Die Faktenlage: Deutschlands Treibhausgasemissionen lagen 2025 rund 48 Prozent unter dem Niveau von 1990. Ziel sind 65 Prozent bis 2030, 88 Prozent bis 2040 und Netto-Null bis 2045.

Die EU-Kommission will noch im Juli ReformvorschlĂ€ge fĂŒr den Emissionshandel vorlegen. Ob sie die Nutzfahrzeugbranche dabei entlastet, bleibt abzuwarten.

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