Cottbus, München

Cottbus überholt München: IW-Studie zeigt neue Gewinner

18.05.2026 - 17:00:17 | boerse-global.de

Das IW-Regionalranking 2026 zeigt Cottbus als Spitzenreiter bei Dynamik, während München bei Wirtschaftskraft dominiert. Steuerlast und Infrastruktur werden zu Schlüsselfaktoren.

Cottbus überholt München: IW-Studie zeigt neue Gewinner - Foto: über boerse-global.de
Cottbus überholt München: IW-Studie zeigt neue Gewinner - Foto: über boerse-global.de

Die wirtschaftliche Landkarte Deutschlands verändert sich grundlegend. Das Kölner Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hat in seinem neuen Regionalranking 2026 überraschende Gewinner ermittelt.

Während der Landkreis München weiterhin die Nase vorn hat, was die absolute Wirtschaftskraft angeht, zeigt das Dynamikranking ein völlig anderes Bild. Cottbus hat sich zur dynamischsten Region Deutschlands entwickelt. Dahinter folgen Neumünster und der Oberpfälzer Kreis Tirschenreuth. Der Aufstieg der Lausitzer Stadt ist vor allem dem Strukturwandel geschuldet.

Die Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) gilt als zentraler Treiber dieser Entwicklung. Sie fungiert als Knotenpunkt für Wissenschaft und Innovation. Die Stadt hat erfolgreich auf Zukunftsbranchen gesetzt: Wasserstofftechnologie, erneuerbare Energien und Elektrifizierung stehen ganz oben auf der Agenda.

Anzeige

Der Aufstieg von Regionen wie Cottbus zeigt das enorme Potenzial neuer Energieträger für die deutsche Wirtschaft. Welche drei Unternehmen vom bevorstehenden Wasserstoff-Billionen-Markt am stärksten profitieren könnten, enthüllt dieser kostenlose Spezialreport. Drei Wasserstoff-Aktien mit Potenzial jetzt gratis entdecken

Münchens Dominanz mit Schattenseiten

Im Status-quo-Vergleich, dem sogenannten Niveauranking, bleibt der Landkreis München die wirtschaftlich stärkste Region Deutschlands. Auf den Plätzen zwei und drei folgen die Stadt München und der Oberpfälzer Kreis Tirschenreuth. Die Dominanz des Südens ist ungebrochen: Elf der zwanzig stärksten Regionen liegen in Bayern.

Doch die IW-Forscher Johannes Ewald, Vanessa Hünnemeyer und Hanno Kempermann sehen eine wachsende Kluft zwischen Wirtschaftskraft und unternehmerfreundlichen Bedingungen. Ein Hauptgrund: die Gewerbesteuer. Die Stadt München verlangt 490 Prozent – Nachbargemeinden wie Grünwald bieten mit 240 Prozent weniger als die Hälfte. In Kemnath (Landkreis Tirschenreuth) liegt der Hebesatz sogar bei nur 230 Prozent.

Für profitable Unternehmen und wachstumsorientierte Mittelständler haben diese Unterschiede langfristige Folgen. Die Liquidität und die operativen Kosten werden direkt beeinflusst. Die Studie zeigt: Das Verhältnis von Marktpotenzial zu Steuerlast wird zum entscheidenden Standortfaktor.

Brandenburg als Gewinner des Wandels

Der Trend zeigt sich auch auf Landesebene. Brandenburg hat sich seit 2016 dynamischer entwickelt als jedes andere Bundesland. Weitere Bundesländer mit starkem Wachstum sind das Saarland, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein. Traditionelle Industriezentren haben dagegen Probleme: Baden-Württemberg und Thüringen verzeichnen den stärksten relativen Rückgang ihrer Wirtschaftsdynamik.

Ein Blick auf die Großstädte zeigt zusätzliche Verschiebungen. Im aktuellen Städteranking für die 71 kreisfreien Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern gewinnen Faktoren wie Klimaresilienz und digitale Infrastruktur an Bedeutung.

Der neu eingeführte Infrastrukturindex sieht Potsdam an der Spitze, gefolgt von Regensburg und Ingolstadt. Bewertet werden Forschungseinrichtungen, Verkehrsnetze, Bildung und digitale Anbindung. Beim Thema Klimaresilienz – also der Fähigkeit, Extremwetter zu trotzen – liegt Remscheid vorn. Ulm gilt als Vorreiter bei Solarenergie und Ladeinfrastruktur für E-Autos.

Anzeige

Neben der regionalen Dynamik wird die moderne Infrastruktur in Bereichen wie Digitalisierung und Energie zum entscheidenden Treiber für zukünftiges Wachstum. Erfahren Sie in diesem Gratis-Report, wie clevere Anleger vom massiven Infrastruktur-Aufschwung und dem damit verbundenen Bau-Boom profitieren können. Kostenlosen Bau-Boom-Report jetzt anfordern

Was erfolgreiche Regionen ausmacht

Das IW-Regionalranking 2026 nutzt 14 Indikatoren in den Kategorien Wirtschaftsstruktur, Arbeitsmarkt und Lebensqualität. Dazu gehören der Anteil hochqualifizierter Beschäftigter, Kriminalitätsraten, Verschuldung und die Erwerbsbeteiligung von Frauen.

Die Forscher betonen: Erfolgreiche Regionen folgen keinem Masterplan. Sie entwickeln eine klare Transformationslogik auf Basis ihrer vorhandenen Stärken. München profitiert von Unternehmenszentralen und Elite-Unis. Tirschenreuth punktet mit industrieller Stabilität und wettbewerbsfähigen Kosten.

Der Arbeitsmarkt bleibt für viele Regionen der entscheidende Engpass. Spitzenreiter korrelieren oft mit einem hohen Ingenieuranteil und vielen Beschäftigten in Forschung und Entwicklung. Gleichzeitig wird die Lebensqualität – gemessen an Grünflächen und lokaler Infrastruktur – zunehmend als Standortvorteil gesehen. Sie hilft, die Fachkräfte anzuziehen, die moderne Unternehmen brauchen.

Ausblick: Steuerreformen und digitale Transformation

Unternehmer müssen sich auf kommende Änderungen einstellen. Der Bundestag hat bereits Steueranpassungen für 2027 beschlossen. Auch das Bundesfinanzministerium plant Änderungen bei Betriebsprüfungen ab 2027, die den Verwaltungsaufwand für Unternehmen beeinflussen könnten.

Die IW-Experten ziehen ein klares Fazit: Die wirtschaftliche Zukunft der 400 Kreise und kreisfreien Städte hängt davon ab, wie sie die doppelte Transformation aus Digitalisierung und Dekarbonisierung meistern. Die süddeutschen Zentren wie Stuttgart und Ingolstadt bleiben stark. Doch der Erfolg von Städten wie Cottbus zeigt: Die Kluft zwischen etabliertem Westen und aufstrebendem Osten schrumpft – zumindest beim dynamischen Potenzial.

Für den Mittelstand bedeutet das: „Versteckte" Standorte am Rand von Ballungsräumen oder in Transformationsregionen bieten derzeit das günstigste Verhältnis von Wachstumschancen und Kosten.

Wirtschaftsnachrichten lesen ist gut - trading-notes lesen ist besser!

Wirtschaftsnachrichten lesen ist gut - <b>trading-notes</b> lesen ist besser!
Seit 2005 liefert der Börsenbrief trading-notes verlässliche Anlage-Empfehlungen – dreimal pro Woche, direkt ins Postfach. 100% kostenlos. 100% Expertenwissen. Trage einfach deine E-Mail Adresse ein und verpasse ab heute keine Top-Chance mehr. Jetzt abonnieren.
Für. Immer. Kostenlos.
de | wirtschaft | 69366682 |