Datenschutz-Krise, Supreme

Datenschutz-Krise: Supreme Court zerstört FTC-UnabhÀngigkeit

Veröffentlicht am: 07.07.2026 um 01:24 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Supreme-Court-Urteile entziehen US-Behörden die UnabhÀngigkeit. Das EU-US-Datenabkommen DPF steht damit vor dem Aus.

US-Supreme Court schwÀcht FTC: Datenabkommen mit EU in Gefahr
Eine Waage mit einem schweren Richterhammer auf der einen Seite und einem kleinen digitalen Schloss auf der anderen, in einem Gerichtssaal. Illustration mit AI erstellt ĂŒbermittelt durch boerse-global.de

Die Urteile treffen das transatlantische Datenabkommen mitten ins Herz.

Entzug der UnabhÀngigkeit

Am 29. Juni erklĂ€rte der Supreme Court im Fall Trump gegen Slaughter die UnabhĂ€ngigkeit der Federal Trade Commission (FTC) fĂŒr verfassungswidrig. Eine Woche spĂ€ter, am 6. Juli, legte das Gericht nach: Der US-PrĂ€sident darf kĂŒnftig die Leiter der FTC, der Börsenaufsicht SEC, der Arbeitsbeziehungsbehörde NLRB und der Wahlkommission FEC nach Belieben entlassen. Einzige Ausnahme: die Federal Reserve.

Hintergrund ist die sogenannte Unitary-Executive-Doktrin. Sie fordert die vollstĂ€ndige Kontrolle des PrĂ€sidenten ĂŒber die Exekutive. Unmittelbar nach dem Urteil entließ der US-PrĂ€sident die FTC-Vorsitzende Slaughter. Juristen sprechen von einer ZĂ€sur – die FTC galt bislang als neutrale Instanz fĂŒr Verbraucher- und Datenschutz.

Gefahr fĂŒr das EU-US-Datenabkommen

Die Entscheidungen treffen das transatlantische VerhĂ€ltnis in einer sensiblen Phase. Das EU-US Data Privacy Framework (DPF) von 2023 stĂŒtzt sich maßgeblich auf die FTC als unabhĂ€ngige Aufsicht. Diese Basis ist nun weggebrochen.

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Der EuropĂ€ische Gerichtshof hatte bereits die VorgĂ€ngerabkommen Safe Harbor (2015) und Privacy Shield (2020) gekippt – jedes Mal mit der BegrĂŒndung, die US-Überwachung sei nicht unabhĂ€ngig genug. Erste DatenschĂŒtzer bereiten laut Berichten Klagen gegen das DPF vor.

Sollte das Abkommen fallen, mĂŒssten Unternehmen auf Standardvertragsklauseln zurĂŒckgreifen. Der EuropĂ€ische Datenschutzausschuss und der EuropĂ€ische Datenschutzbeauftragte haben bereits eine gemeinsame Stellungnahme zu nötigen Zusatzgarantien veröffentlicht.

Bundesstaaten ziehen eigene Regeln

Parallel zur SchwÀchung der Bundesaufsicht verschÀrfen die US-Bundesstaaten ihre Datenschutzgesetze. Der California Consumer Privacy Act (CCPA) und seine Erweiterung CPRA verlangen strikte Mechanismen zur Umsetzung von Nutzerrechten. Besonders Opt-out-Signale wie der Global Privacy Control (GPC) gewinnen an Bedeutung.

Anbieter von Consent-Management-Plattformen reagieren mit technischen Lösungen. Sie integrieren Cookie-Crawler und IAB-GPP-Signale, um die Datenverarbeitung auf ĂŒber 100.000 Websites rechtssicher zu gestalten. Ein weiteres Signal: Der Supreme Court blockierte am 6. Juli ein texanisches Gesetz zur Altersverifikation in App-Stores nicht.

Europas Unternehmen in der ZwickmĂŒhle

FĂŒr europĂ€ische Firmen wĂ€chst der Druck, auf technologisch souverĂ€ne Architekturen zu setzen. Branchenkenner raten zu Exit-Strategien fĂŒr US-basierte Cloud-Dienste und mehr DatenportabilitĂ€t. Der Hintergrund: US-Anbieter dominieren den europĂ€ischen Cloud-Markt mit rund 70 Prozent – das verursacht jĂ€hrliche Kosten von etwa 264 Milliarden Euro.

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Die EU-Kommission versucht mit dem Cloud and AI Development Act (CADA) gegenzusteuern. Allerdings ist ein Streit ĂŒber die Definition von SouverĂ€nitĂ€tsstufen entbrannt. IndustrieverbĂ€nde kritisieren die VorschlĂ€ge teils als zu lax, teils warnen sie vor Diskriminierung außereuropĂ€ischer Anbieter.

Auch national tut sich etwas: Eine Hamburger Bundesratsinitiative fordert eine einheitliche Datenschutzaufsicht fĂŒr lĂ€nderĂŒbergreifend tĂ€tige Unternehmen. Der Bundesrat berĂ€t darĂŒber am 10. Juli. Ziel ist es, die regulatorische KomplexitĂ€t zu reduzieren.

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