Auftragsplus, Experten

Deutsche Industrie: Auftragsplus von fĂĽnf Prozent ĂĽberrascht Experten

08.05.2026 - 00:16:45 | boerse-global.de

Die Auftragseingänge im deutschen verarbeitenden Gewerbe steigen im März unerwartet stark um 5,0 Prozent. Experten warnen jedoch vor voreiliger Euphorie angesichts geopolitischer Risiken.

Deutsche Industrie: Auftragsplus von fĂĽnf Prozent ĂĽberrascht Experten - Foto: ĂĽber boerse-global.de
Deutsche Industrie: Auftragsplus von fĂĽnf Prozent ĂĽberrascht Experten - Foto: ĂĽber boerse-global.de

Die Auftragseingänge im verarbeitenden Gewerbe stiegen im März um 5,0 Prozent im Vergleich zum Vormonat – weit mehr als die von Analysten erwarteten 1,0 Prozent. Das Statistische Bundesamt veröffentlichte die Daten am heutigen Donnerstag.

Selbst ohne die schwankungsanfälligen Großaufträge bleibt das Bild positiv: Bereinigt legten die Bestellungen um 5,1 Prozent zu – der höchste Stand seit Februar 2023. Die Zahlen markieren eine mögliche Trendwende für eine Branche, die seit Jahren unter Gegenwind leidet.

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Breite Erholung in allen SchlĂĽsselbranchen

Besonders die Elektroindustrie stach hervor: Hier schnellten die Aufträge um 21,5 Prozent nach oben. Auch der Maschinenbau legte mit 6,9 Prozent kräftig zu, die Computer-, Elektronik- und Optikbranche um 14,4 Prozent.

Die Aufschlüsselung nach Güterarten zeigt ein ähnliches Bild. Vorleistungsgüter verbuchten ein Plus von 9,2 Prozent, Konsumgüter legten um 7,3 Prozent zu. Investitionsgüter – oft ein Frühindikator für die Konjunktur – stiegen um 2,1 Prozent. Die Februar-Daten wurden zudem nach oben korrigiert: Statt 0,9 Prozent betrug das Plus nun 1,4 Prozent, nach einem Einbruch von 11,1 Prozent zum Jahresstart.

Im Jahresvergleich fällt der Aufschwung noch deutlicher aus: Die Aufträge lagen 6,3 Prozent über dem Vorjahresmonat – die Prognose hatte lediglich bei 1,7 Prozent gelegen.

Auslandsnachfrage treibt Wachstum

Die Exportwirtschaft erwies sich als entscheidender Motor. Ausländische Bestellungen stiegen um 5,6 Prozent, wobei die Eurozone mit 10,1 Prozent den stärksten Impuls lieferte. Die Nachfrage aus Drittstaaten wuchs moderater um 2,7 Prozent. Auch die Inlandsaufträge legten um 4,0 Prozent zu.

Hintergrund der Stabilität im Inland sind unter anderem die staatlichen Investitionsprogramme. Ende 2025 hatte die Bundesregierung ein milliardenschweres Paket zur Modernisierung der Infrastruktur und Stärkung der Verteidigung auf den Weg gebracht. Zwar hatten Großaufträge aus diesen Projekten in den Vormonaten für Volatilität gesorgt – allein verantwortlich für den März-Anstieg waren sie jedoch nicht.

Der Blick aufs Quartal bleibt dennoch verhalten. Im ersten Quartal 2026 lagen die Aufträge insgesamt 4,1 Prozent unter dem Schlussquartal 2025. Grund sind außergewöhnlich viele Großaufträge – etwa von Airbus – zum Jahresende. Rechnet man diese heraus, ergibt sich für das erste Quartal sogar ein Plus von 1,6 Prozent.

Hamsterkäufe oder echter Aufschwung?

Trotz der positiven Zahlen warnen Experten vor allzu großer Euphorie. Der zeitliche Zusammenfall mit dem Beginn der Iran-Krise nährt den Verdacht, dass Unternehmen ihre Bestellungen vorziehen – aus Angst vor Preissteigerungen und Lieferengpässen.

Phil Smith von S&P Global Market Intelligence spricht von einem möglicherweise temporären Effekt. Viele Firmen würden „auf Vorrat“ bestellen. Der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe fiel im April von 52,2 auf 51,4 Punkte – zwar noch im Wachstumsbereich, aber ein Warnsignal.

Das ifo-Institut bestätigt die Skepsis: Im April klagten knapp 40 Prozent der Industrieunternehmen über Auftragsmangel – ein Anstieg gegenüber 37 Prozent im Januar. Besonders betroffen: die energieintensiven Branchen wie Papier- und Metallerzeugung.

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Zwischen Hoffnung und Risiko

Die Reaktionen der Ökonomen fallen gemischt aus. Jörg Krämer von der Commerzbank bezeichnet den Anstieg angesichts der geopolitischen Lage als überraschend, rechnet aber mit einem Rückgang im zweiten Quartal. Sein Kollege Ralph Solveen betont: Die Zahlen seien grundsätzlich gut, doch der Nahost-Konflikt drohe die Erholung zu ersticken.

Die Stimmung in der Industrie kippt: Erstmals seit Oktober 2024 überwiegen die Pessimisten. Rund 29 Prozent der Firmen erwarten sinkende Produktion, nur 25 Prozent rechnen mit einem Anstieg. Gleichzeitig haben sich die Lieferzeiten verlängert – fast 28 Prozent der Unternehmen melden Verzögerungen, ein Niveau wie zuletzt im Sommer 2022.

Dennoch bieten die März-Daten einen Hoffnungsschimmer für den angeschlagenen Industriestandort. Nach Jahren hoher Energiekosten und wachsendem Wettbewerbsdruck – insbesondere aus China – könnte die Kombination aus staatlicher Unterstützung und aufgestauter Nachfrage eine Atempause verschaffen.

Der Auftragsbestand in der Industrie liegt bei rund 7,2 Monaten – ein Puffer, der sich als entscheidend erweisen könnte, falls die geopolitischen Spannungen die Nachfrage in den kommenden Monaten belasten. Die deutsche Industrie hat den Pessimisten vorerst ein Schnippchen geschlagen. Doch der Weg zur nachhaltigen Erholung bleibt steinig.

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