Krefelder, Hafen

Krefelder Hafen: 700 Tonnen Schrott in Flammen – zweiter Großbrand binnen fünf Monaten

08.05.2026 - 00:11:34 | boerse-global.de

Ein Großbrand auf einem Recyclinghof in Krefeld löst Katastrophenalarm aus. Die Feuerwehr kämpft gegen die Glutnester, während Ermittlungen zur Brandursache laufen.

Krefelder Hafen: 700 Tonnen Schrott in Flammen – zweiter Großbrand binnen fünf Monaten - Foto: über boerse-global.de
Krefelder Hafen: 700 Tonnen Schrott in Flammen – zweiter Großbrand binnen fünf Monaten - Foto: über boerse-global.de

Rund 700 Tonnen Metallschrott standen in Flammen, eine dichte schwarze Rauchwolke zog über die Stadt. Die Behörden lösten Katastrophenalarm aus.**

Gegen 19:58 Uhr meldeten Anwohner die Feuersbrunst auf dem Gelände im Rheinhafen. Ein Berg aus geschreddertem Metallschrott hatte Feuer gefangen, die Flammen schossen bis zu zehn Meter in die Höhe. Die Rauchwolke zog in Richtung Krefelder Innenstadt und bis in den benachbarten Rhein-Kreis Neuss. Über die Warn-App NINA wurden die Bürger aufgefordert, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Die Gesundheitsgefahr durch die Rauchgase sei erheblich.

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Feuerwehr im Großeinsatz – Löschwasser direkt aus dem Rhein

Die Krefelder Feuerwehr rückte mit einem Großaufgebot an, unterstützt von Einheiten aus dem gesamten Rheinland und dem Ruhrgebiet. Um die enormen Hitzemengen zu bewältigen, verlegten die Einsatzkräfte Schlauchleitungen direkt zum Rhein. Hochleistungspumpen geförderten mehrere tausend Liter Wasser pro Minute zur Brandstelle.

Die Taktik: Bagger und Radlader trugen den Schrottberg Schicht für Schicht ab. Nur so können die Glutnester im Inneren erreicht werden – auch wenn dies das Feuer vorübergehend anfachen kann, weil Sauerstoff an den Kern gelangt. Die Löscharbeiten würden mindestens zehn Stunden dauern, schätzten die Einsatzkräfte in der Nacht. Spezialeinheiten führten durchgehend Luftmessungen durch. Zwar zeigten die ersten Werte keine akute Giftstoffbelastung in Wohngebieten, die Warnung blieb aber vorsorglich bestehen.

Der zweite Großbrand am selben Ort – Ermittlungen laufen

Der Recyclinghof im Krefelder Hafen ist für die Behörden längst kein unbeschriebenes Blatt mehr. Bereits im Januar 2026 wurde bekannt, dass die Staatsanwaltschaft Dortmund nach einem verheerenden Brand am 22. Dezember 2025 ein Ermittlungsverfahren gegen das Unternehmen eingeleitet hatte.

Bei jenem Brand standen rund 800 Tonnen Metall- und Elektroschrott in Flammen – die Feuerwehr war 19 Stunden im Einsatz, 300 Kräfte kämpften gegen das Feuer. Umweltverbände wie der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) erhoben damals schwere Vorwürfe: Es gehe um den unerlaubten Umgang mit Gefahrengut und mögliche Verseuchung des Hafenbeckens. Während die Polizei ihre Ermittlungen zur Brandursache im Dezember einstellte, prüfen die Umweltstaatsanwälte weiterhin, ob das Unternehmen alle gesetzlichen Auflagen zur Lagerung und Sicherheit eingehalten hat.

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Die tickende Zeitbombe im Schrott

Warum brennen Schrottberge immer wieder? Branchenexperten verweisen auf die wachsende Komplexität der Abfallströme. In Metallschrott verstecken sich zunehmend Gefahrenstoffe – allen voran Lithium-Ionen-Akkus und Elektronikbauteile. Werden sie beim Schreddern zerdrückt, können chemische Reaktionen ausgelöst werden, die zur Selbstentzündung im Inneren des Berges führen.

Früherkennungssysteme mit Infrarot- und UV-Sensoren könnten solche Brände verhindern, bevor sie außer Kontrolle geraten. Doch wenn erst einmal mehrere hundert Tonnen glühen, sind herkömmliche Löschanlagen chancenlos. Die entscheidende Frage in Krefeld: Wurden die Sicherheitsvorschriften zur strikten Trennung von Materialien eingehalten? Nach dem zweiten Brand am selben Standort wird dies immer dringlicher.

Ein bundesweites Problem

Der Fall Krefeld steht für einen beunruhigenden Trend. Studien der letzten Jahre zeigen: Schrottbrände verursachen mehr als die Hälfte aller Feuer in Abfall- und Recyclinganlagen. Bezieht man Elektroschrott mit ein, steigt der Anteil noch deutlich. Gerade große Umschlagplätze in Stadtnähe sind betroffen – die Nähe zu Wohngebieten macht die Rauchwolken zur unmittelbaren Gesundheitsgefahr für Tausende.

Was nun? Strengere Auflagen in Sicht

Der erneute Brand dürfte den Druck auf die Behörden erhöhen. Die Stadt Krefeld und die Bezirksregierung müssen sich fragen lassen, ob die Betriebsgenehmigungen für Hafenfirmen mit hohem Schrottdurchsatz noch zeitgemäß sind. Umweltschützer fordern schärfere Kontrollen für „Risikobetriebe".

Als Konsequenz könnten automatische Wärmemonitoring-Systeme zur Pflicht werden, die Glutnester tief im Inneren eines Schrottbergs erkennen, bevor Flammen sichtbar werden. Auch bessere Sortiertechniken sind gefragt, um Lithium-Batterien vor dem Schreddern zuverlässig herauszufiltern.

Für die Menschen in Krefeld und Umgebung bleibt die Frage nach der langfristigen Umweltbelastung des Hafenbeckens. Die Ermittlungen zu dieser Serie von Industrieunfällen laufen – und mit jedem neuen Brand wird der Druck auf Politik und Unternehmen größer.

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