Digitale SouverÀnitÀt: EU startet KI-Gigafabriken und Chip-Offensive
Veröffentlicht: 16.07.2026 um 18:07 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Der US-Sicherheitsanbieter bringt seine KI-gestĂŒtzte Falcon-Plattform auf STACKIT, die europĂ€ische Cloud von Schwarz Digits. Ziel ist es, Unternehmen in der EU souverĂ€ne Cybersicherheitslösungen anzubieten.
Patente als technologisches Fundament
Die Partnerschaft sieht vor, die Sicherheitsanwendungen schrittweise innerhalb der EU verfĂŒgbar zu machen. CrowdStrike ĂŒbernimmt zudem ĂŒber 45 Patente von XM Cyber, einer Tochter von Schwarz Digits. Der Deal soll in der zweiten JahreshĂ€lfte 2027 abgeschlossen werden.
Bestandskunden von XM Cyber können kĂŒnftig auf die Falcon-Plattform ĂŒber das Modell Falcon-Flex zugreifen. Schwarz Digits selbst nutzt die Falcon-Plattform bereits intern zur Absicherung der eigenen IT â ein starkes Signal fĂŒr die technologische VertrauenswĂŒrdigkeit der Lösung.
EU treibt digitale SouverÀnitÀt voran
Die Kooperation fÀllt in eine Zeit neuer regulatorischer Weichenstellungen. Am 3. Juni 2026 prÀsentierte die EU-Kommission das EU Tech Sovereignty Package. Es umfasst unter anderem den Chips Act 2.0 und den Cloud and AI Development Act.
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Im Juli startete zudem eine Ausschreibung fĂŒr KI-Gigafabriken. Diese sollen als geteilte Infrastruktur das Training von KI-Modellen ermöglichen. Ziel ist es, die europĂ€ische RechenzentrumskapazitĂ€t innerhalb von fĂŒnf bis sieben Jahren zu verdreifachen.
Experte Prof. Dr. Kipker warnt jedoch vor ĂŒbertriebenen Erwartungen: Digitale SouverĂ€nitĂ€t bedeute nicht Autarkie, sondern erfordere gezieltes âDe-Riskingâ und pragmatische Kooperationen.
Die Wirtschaft sieht das Ă€hnlich. Laut einer Bitkom-Umfrage vom April 2026 halten 99 Prozent der befragten Unternehmen die UnabhĂ€ngigkeit bei digitalen Technologien fĂŒr wichtig. Rund 79 Prozent fordern höhere Investitionen.
Deutsche Hardware-Innovationen
Neben Cloud-Lösungen tut sich auch bei der Hardware etwas. Die Fraunhofer-Institute IIS, AISEC und EMFT entwickeln das âRISC-V Secure Elementâ. Der Sicherheitschip wird komplett in Deutschland designt und in Dresden produziert. Er basiert auf Open-Source-Hardware und unterstĂŒtzt bereits Post-Quanten-Kryptografie.
Der Chip soll die kĂŒnftigen Anforderungen des EU Cyber Resilience Act (CRA) erfĂŒllen. Auch im industriellen Bereich gibt es neue Allianzen: Siemens und die NCC Group unterzeichneten am 15. Juli eine AbsichtserklĂ€rung zum Schutz kritischer Infrastrukturen in GroĂbritannien. Das Systemhaus Nordanex und G DATA CyberDefense starteten eine Partnerschaft fĂŒr Managed Services mit Entwicklung und Hosting in Deutschland.
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MĂ€rkte reagieren auf wachsende Bedrohungslage
Die Kurse von Cybersicherheitsaktien legten am 15. Juli krĂ€ftig zu. CrowdStrike stieg um 12 Prozent, Okta und Netskope um jeweils 11 Prozent. Auslöser waren Aussagen von IBM-Chef Krishna, der eine wachsende NervositĂ€t in Unternehmen beschrieb. Firmen wĂŒrden derzeit verstĂ€rkt Projekte prĂŒfen und Budgets neu bewerten.
Gartner-Analysten gehen noch weiter: Bis 2029 werden demnach mindestens 15 Prozent der Staaten in geopolitischen Risikoregionen sogenannte Datenbotschaften vertraglich vereinbaren. Diese rechtlich abgesicherten Zonen auf fremdem Territorium sollen die HandlungsfĂ€higkeit im Krisenfall sichern â durch die Entkoppelung von Daten und physischen Standorten.
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