Duale, Ausbildung

Duale Ausbildung: Zwischen Krise und Modernisierung

01.05.2026 - 17:09:43 | boerse-global.de

Trotz stabiler Azubi-Zufriedenheit kämpfen Betriebe mit fast 30 Prozent vorzeitigen Vertragslösungen. Mentoring und Digitalisierung gelten als Schlüssel.

Duale Ausbildung: Zwischen Krise und Modernisierung - Foto: über boerse-global.de
Duale Ausbildung: Zwischen Krise und Modernisierung - Foto: über boerse-global.de

Während die Zufriedenheit der Azubis stabil bleibt, kämpfen Unternehmen mit hohen Abbruchquoten und wirtschaftlichem Druck. Die Lösung könnte in einer neuen Mentoring-Kultur liegen.

Zufriedenheit ja – aber mit Schattenseiten

Der DGB-Ausbildungsreport 2025 zeigt ein zwiespältiges Bild: Über 70 Prozent der Azubis sind mit ihrer Ausbildung grundsätzlich zufrieden. Doch hinter dieser Zahl verbergen sich tiefe strukturelle Probleme. Rund 32,3 Prozent der befragten 9.000 Auszubildenden leisten regelmäßig Überstunden. Besonders in der Gastronomie und im Bankensektor ist die Belastung hoch.

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Noch gravierender: 14,7 Prozent der Azubis werden immer wieder mit ausbildungsfremden Tätigkeiten betraut – Putzen oder Botengänge statt Facharbeit. Die Gewerkschaften kritisieren, dass fehlende Ausbilder-Verfügbarkeit direkt zu Unzufriedenheit und Stress führt. Viele Trainer sind mit ihren operativen Aufgaben schlicht überfordert.

Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) bestätigt den Negativtrend: Die Vertragslösungsquote liegt weiterhin bei knapp 30 Prozent. Allein 2024 wurden rund 158.000 Ausbildungsverträge vorzeitig gekündigt. Besonders die ersten Monate scheinen entscheidend – hier braucht es intensivere Betreuung.

Wirtschaftskrise trifft Ausbildung

Die wirtschaftliche Lage verschärft die Probleme. Die DIHK-Ausbildungsumfrage 2025, veröffentlicht im Januar 2026, zeigt: Jedes vierte Unternehmen hat seine Ausbildungsplätze reduziert. Gleichzeitig klafft die Schere zwischen offenen Stellen und geeigneten Bewerbern immer weiter auseinander.

Rund 15.000 Unternehmen wurden befragt – drei von vier haben Schwierigkeiten, ihre Plätze zu besetzen. Die Ursachen? Demografischer Wandel und mangelnde „Basiskompetenzen" der Schulabgänger. Fehlende Sozialkompetenz, fehlende Belastbarkeit und schwache Grundkenntnisse – das sind die Klagen der Betriebe. Die Rolle des Ausbilders wandelt sich daher vom reinen Fachanleiter zum pädagogischen Begleiter.

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Mehr als die Hälfte der Ausbildungsbetriebe wünscht sich externe Unterstützung für leistungsschwächere oder sozial benachteiligte Jugendliche. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) bestätigt diesen Trend. Erste Regionen reagieren: Bremen hat einen „Ausbildungsförderfonds" aufgelegt, der kleinen und mittleren Unternehmen flexible Einführungstage und Mentoring bietet.

Digitalisierung und neue Gesetze

Das Berufsbildungsvalidierungs- und Digitalisierungsgesetz (BVaDiG) seit Januar 2025 bringt frischen Wind. Es erlaubt Menschen ohne formalen Abschluss, ihre Kompetenzen offiziell anerkennen zu lassen. Das erweitert den Talentpool – und stellt Ausbilder vor neue Herausforderungen.

Das digitale Berichtsheft wird zum Standard. Bei IHK und HWK setzen sich die elektronischen Lernnachweise durch. Sie ermöglichen transparente Fortschrittskontrollen und erleichtern die Kommunikation zwischen Azubi, Ausbilder und Berufsschule.

Ein echter Meilenstein kommt im August 2026: Die modernisierten Ausbildungsordnungen für die Bauwirtschaft treten in Kraft. Veraltete Berufsbilder werden durch neue ersetzt – etwa den „Bautechnischen Konstrukteur". Building Information Modeling (BIM) und digitale Planungsmethoden ziehen in die Lehrpläne ein. Die Ausbilder müssen mitziehen – und in Technologien unterrichten, die es zu ihrer eigenen Ausbildungszeit noch gar nicht gab.

Der neue Fokus: Soziale Kompetenz

Das alte Modell „Learning by Watching" ist am Ende. Große Industrieunternehmen und Verbände setzen auf „Lernprozessbegleitung": Der Ausbilder wird zum Coach, der die individuelle Entwicklung fördert.

Die Zahlen geben ihnen recht: Betriebe, die auf psychisches Wohlbefinden und soziale Integration setzen, haben niedrigere Abbruchquoten. Orientierungscamps, psychologische Angebote und transparente Übernahmechancen werden zu entscheidenden Wettbewerbsvorteilen. Baden-Württemberg hat bereits spezielle Förderprogramme für 2025/2026 aufgelegt, die gefährdete Ausbildungsverhältnisse durch Einzelcoaching stabilisieren.

Ausblick: Individuelle Betreuung wird Standard

Der Trend zur Individualisierung wird sich 2026 und 2027 weiter verstärken. Immer mehr internationale Azubis kommen nach Deutschland – BIBB und DIHK bestätigen diesen Trend. Die Ausbilder brauchen daher interkulturelle Kompetenz und Sprachförderung.

Der Erfolg hängt vom Ausbau digitaler Systeme und weniger Bürokratie für kleine Betriebe ab. Die Botschaft der HR-Experten ist eindeutig: An der Ausbildungsqualität zu sparen, ist ein riskantes Spiel. Wer jetzt kürzt, riskiert langfristige Personallücken. Stattdessen zeichnet sich eine professionalisierte, unterstützungsorientierte Ausbildungskultur ab – für die Fachkräfte von morgen.

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