Emissionshandel: EU entlastet Industrie mit 51 Millionen Gratiszertifikaten
Veröffentlicht: 17.07.2026 um 18:12 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Die Europäische Kommission hat einen Reformvorschlag vorgelegt, der die Industrie beim Emissionshandel deutlich entlasten soll. Die Reduktionsziele für Treibhausgase werden verlangsamt, die kostenlosen Zertifikate ausgeweitet. Brüssel reagiert damit auf den wachsenden Wettbewerbsdruck für europäische Unternehmen.
Langsamere Reduktion, mehr Gratiszertifikate
Der Kern des Vorschlags: Der lineare Reduktionsfaktor – also die jährliche Verringerung der Zertifikate – soll sinken. Statt der geplanten 4,4 Prozent pro Jahr ab 2028 sind für den Zeitraum 2031 bis 2035 nur noch 3,7 Prozent vorgesehen. Ab 2036 sogar nur 1,7 Prozent. Die vollständige Dekarbonisierung der ETS-Sektoren verschiebt sich damit von Ende der 2030er ins nächste Jahrzehnt.
Gleichzeitig erhalten Unternehmen zusätzliche Gratiszertifikate. Durch eine weniger strenge Anpassung der Benchmarks für 2026 bis 2030 kommen rund 51 Millionen kostenlose Zertifikate hinzu – Branchenexperten schätzen den Wert auf etwa 8 Milliarden Euro. Die Bedingung: 80 Prozent der Zertifikate gibt es bei Vorlage eines Dekarbonisierungsplans, die restlichen 20 Prozent nach erfolgreicher Umsetzung.
Neue Sektoren kommen dazu
Parallel zu den Entlastungen weitet die EU den Emissionshandel aus. Ab 2029 sollen Flugverbindungen mit einem Radius von bis zu 5.000 Kilometern ab Frankfurt einbezogen werden. Der Seeverkehr und die Müllverbrennung folgen schrittweise zwischen 2031 und 2034.
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Zur Finanzierung der Transformation plant Brüssel eine neue Industrie-Dekarbonisierungs-Bank. Ab 2031 soll sie mit 100 Milliarden Euro ausgestattet werden, um Investitionen in klimaschonende Technologien zu fördern. Der bereits beschlossene ETS 2 für Gebäude und Verkehr startet wie geplant 2028.
Heftige Debatte in Politik und Wirtschaft
Die Reaktionen auf den Vorschlag fallen gemischt aus. Peter Liese (CDU) begrüßt den Schritt als notwendigen Schutz der industriellen Basis. Michael Bloss (Grüne) spricht dagegen von einem Rückschritt für den Klimaschutz. Tiemo Wölken (SPD) fordert, Gratiszertifikate strikt an konkrete Klimainvestitionen zu koppeln.
In der Industrie ist der Kurswechsel umstritten. Der BDI verlangt Entlastungen für die Wettbewerbsfähigkeit, BASF-Chef Markus Kamieth kritisiert die aktuellen Rahmenbedingungen. Die Stahlindustrie warnt vor einer zu starken Aufweichung der ökologischen Ziele. Und Lufthansa zeigt sich skeptisch zur Ausweitung im Luftverkehr.
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Der Reformvorschlag geht nun in die parlamentarische Beratung. Die Verhandlungen dürften langwierig werden: Länder wie Polen und Italien fordern weitere Lockerungen, während Schweden, Finnland und die Niederlande auf einen strengeren Kurs drängen.
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