Fachkräftemangel, Quereinsteiger-Jobs

Fachkräftemangel: Quereinsteiger-Jobs versechsfacht seit 2019

19.06.2026 - 15:51:37 | boerse-global.de

Der Arbeitsmarkt öffnet sich für Berufswechsler: Der Anteil an Quereinsteiger-Stellen stieg seit 2019 massiv an.

Fachkräftemangel: Quereinsteiger-Jobs versechsfachen sich
Fachkräftemangel - Eine vielfältige Gruppe von Erwachsenen lernt gemeinsam in einem modernen Büro oder einer Werkstatt, einige schauen auf Bildschirme oder nutzen Werkzeuge. 19.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Immer mehr Firmen öffnen ihre Stellenanzeigen explizit für Berufswechsler. Eine Analyse von 5,5 Millionen Jobausschreibungen zeigt: Der Anteil der Quereinsteiger-Jobs hat sich seit 2019 versechsfacht.

44 Prozent der Personalverantwortlichen sehen den Fachkräftemangel als größte Hürde bei der Besetzung offener Positionen. Das belegen aktuelle Daten von Stepstone. Unternehmen achten zunehmend auf individuelle Fähigkeiten statt auf formale Abschlüsse.

Anzeige

Wenn Fachkräfte fehlen, wird eine strukturierte Personalbedarfsplanung zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil für Unternehmen. Dieses kostenlose E-Book liefert Führungskräften wertvolle Checklisten und Methoden, um den Personalbedarf endlich zahlenbasiert und vorausschauend zu berechnen. Personalplanung in 6 Schritten jetzt kostenlos entdecken

Wechselbereitschaft auf Rekordniveau

Auch die Arbeitnehmer sind offen für neue Wege. In einer Befragung von über 6.000 Beschäftigten im April und Mai 2026 gaben 87 Prozent an, einen Branchenwechsel in Erwägung zu ziehen. 37 Prozent haben sich innerhalb der letzten zwölf Monate auf eine branchenfremde Stelle beworben.

Besonders stark ist diese Dynamik in Verkauf, Logistik, Produktion und im Handwerk. Die Unternehmen reagieren damit auf den zunehmenden Druck, offene Vakanzen schneller zu besetzen.

Demografischer Druck spitzt sich zu

Die Babyboomer-Generation geht in Rente. Bis 2036 werden fast 20 Millionen Menschen das Rentenalter erreichen. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) prognostiziert einen Rückgang der Erwerbsbevölkerung um rund 4,3 Millionen Personen.

Besonders kritisch ist die Lage im Saarland, in Sachsen und Bayern. Analysen von JobLeads auf Basis von Daten der Bundesagentur für Arbeit (2021 bis 2025) zeigen: Im Saarland sinkt die Zahl der Fachkräfte unter 25 Jahren jährlich um über zwei Prozent. Gleichzeitig steigen die Vakanzzeiten um mehr als zwölf Prozent pro Jahr. Mecklenburg-Vorpommern zeigt sich dagegen am stabilsten.

Anzeige

Der demografische Wandel erfordert ein Umdenken bei der Bindung neuer Mitarbeiter, um teure Fluktuation von Anfang an zu vermeiden. Mit dieser praxiserprobten Muster-Checkliste gestalten Sie ein strukturiertes Onboarding, das vom ersten Tag an Vertrauen schafft und neue Teammitglieder langfristig integriert. Kostenlose Onboarding-Checkliste für Führungskräfte herunterladen

Industrie verliert an Attraktivität

Parallel zum Quereinstiegs-Boom kämpft die klassische Industrie mit strukturellen Problemen. Die Beschäftigung in diesem Sektor ist auf ein Zehnjahrestief von rund 6,6 Millionen gesunken. Der Anteil der Industriebeschäftigten fiel von 22 Prozent im Jahr 2014 auf 19 Prozent im Jahr 2024.

Der Lohnvorsprung der Industrie schrumpft: Bei Neueinstellungen halbierte er sich innerhalb eines Jahrzehnts auf etwa zehn Prozent. Das macht die Branche für Bewerber zunehmend unattraktiv.

KI spaltet den Arbeitsmarkt

Künstliche Intelligenz verändert die Anforderungen an Mitarbeiter grundlegend. Das „Global AI Jobs Barometer 2026“ von PwC zeigt: In KI-betroffenen Berufen wächst die Zahl der Stellen doppelt so schnell. Auch die Gehälter steigen deutlicher.

Der Lohnaufschlag für spezifische KI-Kenntnisse liegt inzwischen bei 62 Prozent. Gleichzeitig erwarten über die Hälfte der 14- bis 29-Jährigen, dass KI einfache Tätigkeiten ersetzen wird. Der Druck zur Weiterbildung steigt.

Neue Regeln für Führungsetagen

Ab dem 30. Juni gilt die EU-Richtlinie „Women on Boards“. Sie schreibt für börsennotierte Großunternehmen verbindliche Frauenquoten in Führunggremien vor. Laut einer Untersuchung von SD Worx sehen noch 42 Prozent der europäischen Organisationen ein Ungleichgewicht in ihren Führungsetagen.

Zuwanderung als Teil der Lösung

Um die Lücken zu schließen, gewinnt die Zuwanderung an Bedeutung. 2025 stieg die Zahl der Aufenthaltserlaubnisse für Fachkräfte aus Nicht-EU-Staaten um 30 Prozent auf 205.000. Rund 605.000 Personen halten aktuell einen entsprechenden Aufenthaltstitel.

Die wichtigsten Herkunftsländer: Indien, Vietnam und die Türkei. Trotz des Anstiegs bleibt der Bedarf hoch. Im Ingenieur- und IT-Sektor sind rund 99.000 Stellen unbesetzt. Auf 100 Arbeitslose in diesen Berufen kommen rechnerisch 173 offene Stellen.

de | wirtschaft | 69583091 |