Deutschland, International

Wachsendes Problem mit kriminellen Kunden im Online-Handel

21.06.2026 - 05:00:07 | dpa.de

Fake Shops sind ein Problem fĂŒr Online-EinkĂ€ufer. Auf der anderen Seite haben ehrliche HĂ€ndler ein wachsendes Problem mit unehrlichen Kunden - unter Beteiligung der organisierten KriminalitĂ€t.

Online-HĂ€ndler haben ein großes Problem mit kriminellen Kunden. (Symbolbild) - Bild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Online-HĂ€ndler haben ein großes Problem mit kriminellen Kunden. (Symbolbild) - Bild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Der Online-Handel weltweit leidet unter einer wachsenden Zahl betrĂŒgerischer Kunden. Nach einer Analyse des US-Cybersicherheits-Dienstleisters LexisNexis Risk Solutions tragen dazu sowohl die Konjunkturflaute als auch die organisierte KriminalitĂ€t bei. Internationale Banden werben demnach gezielt Menschen an, die beim Online-Shopping betrĂŒgen oder Kriminellen ihre IdentitĂ€t zur VerfĂŒgung stellen. 

Das Unternehmen betreibt ein «Digital Identity Network» zur ÜberprĂŒfung von Online-IdentitĂ€ten und -EinkĂ€ufen, Grundlage der Analyse waren demnach 116 Milliarden Transaktionen im vergangenen Jahr. 

Organisierte Banden haben den Online-Handel entdeckt

Echte Kunden - im Gegensatz zu TĂ€tern, die mit gestohlenen beziehungsweise gefĂ€lschten IdentitĂ€ten arbeiten oder anderweitig betrĂŒgen - machten demnach 2025 weltweit 38,8 Prozent aller BetrugsfĂ€lle aus, knapp zwei Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. In Europa liegt die Quote dieser sogenannten first party-BetrugsfĂ€lle nun bei knapp 52 Prozent. 

«Einerseits treibt die Krise manche Leute dazu, nach Betrugsmöglichkeiten zu suchen», sagt Jason Lane-Sellers, Cyberbetrugsexperte bei dem Unternehmen. «Und es gibt Gruppen, die von Kriminellen gezielt angesprochen werden, etwa Menschen mit schlechter BonitÀt oder Studenten. Die TÀter zahlen 50 Euro extra und weisen die Leute ein.»

Mancher ist unwissend beteiligt

Das trifft auch den deutschen Online-Handel. Ein Sprecher des E-Commerce-Verbands BEVH bestĂ€tigt die EinschĂ€tzung des britischen Cyber-Experten: «TatsĂ€chlich ist es so, dass Studenten oder Rentner fĂŒr die Betrugsmasche angeworben werden. Viele wissen gar nicht, dass sie Teil eines Betrugs werden sollen, sondern bekommen einfach ein Geldangebot, wenn sie ihre Daten zur VerfĂŒgung stellen.» 

Betrug sei ein wachsendes und erhebliches Problem, sagt auch Bernd Ohlmann, Sprecher des Handelsverbands Bayern (HBE). «Der Online-Handel boomt und legt auch dieses Jahr weiter zu. Da gibt es einige, die sich vom Kuchen ein StĂŒck abschneiden wollen, und nicht nur auf legale Weise.» 

Eine gĂ€ngige Masche: Auf Rechnung oder Kredit gelieferte Ware wird nicht bezahlt, beziehungsweise als nicht bestellt reklamiert. «Leute, die die neuesten Sportschuhe bestellen und anschließend behaupten, die Ware sei nie eingetroffen, oder sie hĂ€tten nie bestellt», sagt Lane-Sellers. 

GĂŒnstige Kreditangebote Anreiz fĂŒr Kriminelle

Das trifft auch die Finanzbranche, die mit gĂŒnstigen Kreditangeboten Kunden wirbt: «Es ist heute möglich, teure Mobiltelefone mit einem Zwei-Jahres-Kreditvertrag ohne Anzahlung zu bestellen», sagt der Fachmann.«Viele dieser Attacken treffen Finanzdienstleister. Die grĂ¶ĂŸten Auswirkungen sehen wir bei Dienstleistungen wie „Buy now pay later“ und Ein- oder Zwei-Jahres-KreditvertrĂ€gen.» 

Zudem kommt es nach Lane-Sellers Worten hĂ€ufig vor, dass unehrliche KĂ€ufer fĂŒr angeblich nicht gelieferte Ware RĂŒckzahlung ihres Geldes fordern. «Solange ein Unternehmen nicht nachweisen kann, dass ein Kunde vorsĂ€tzlich betrogen hat, ist es sehr schwierig, betrĂŒgerische RĂŒckerstattungsansprĂŒche anzufechten.»

Die Beweislast liegt beim HÀndler, wie auch HBE-Sprecher Ohlmann sagt. Im Online-Betrug erschwindelte - oder auch in einem stationÀren Laden gestohlene - Ware landet dann hÀufig wieder im Netz. «Geklaute Ware wird massenhaft online verscherbelt», sagt Ohlmann. 

Die Zunahme von BetrugsfĂ€llen durch echte Kunden bedeutet allerdings nicht, dass IdentitĂ€tsdiebstahl oder die kriminelle Übernahme von Online-Accounts auf dem RĂŒckzug wĂ€ren. In dieser Hinsicht verlegen sich die Banden laut LexisNexis Risk Solutions mittlerweile wieder hĂ€ufiger auf Attacken gegen Desktop-Computer. 

Unternehmen könnten in Apps fĂŒr MobilgerĂ€te mehr Signale und Daten auslesen, was potenziell bessere Sicherheitsprofile zur Betrugsdetektion ermögliche, sagt Lane-Sellers. «WĂ€hrend Kunden möglicherweise glauben, dass traditionelle Desktop-Rechner fĂŒr höherwertige Transaktionen sicherer sind als ihre mobilen GerĂ€te.»

de | wirtschaft | 69593834 |

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