Firmenpleiten in Westeuropa auf höchstem Stand
05.05.2026 - 10:01:05 | dpa.deDie Wirtschaftskrise hat fĂŒr Unternehmen in Westeuropa schwerwiegende Folgen - und fĂŒr viele auch existenzielle. Laut der Wirtschaftsauskunftei Creditreform stieg die Zahl der Firmenpleiten im vergangenen Jahr auf den höchsten Stand seit Beginn der Erhebung 2002. 2025 wurden demnach gut 197.610 Insolvenzen gezĂ€hlt - ein Plus von 4,8 Prozent gegenĂŒber dem Vorjahr. Es war der vierte Anstieg in Folge.
«Die Krise ist nicht nur konjunkturell, sie ist strukturell. Ein schwacher Welthandel und geopolitische Risiken setzen Europas Unternehmen zu», sagte der Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung, Patrik-Ludwig Hantzsch. Zugleich lĂ€hmten hohe Energiepreise und BĂŒrokratie die WettbewerbsfĂ€higkeit vieler Unternehmen vor allem im Vergleich mit den USA und China. «Diese doppelte Belastung frisst sich tief in die Substanz vieler Betriebe.» FĂŒr dieses Jahr wird eine weitere Zunahme der FĂ€lle erwartet.
Das Insolvenzniveau in Westeuropa liegt Hantzsch zufolge höher als nach der Finanzkrise 2008/2009. In den vergangenen Jahren stiegen die Zahlen deutlich. Zuletzt schwĂ€chte sich die Dynamik etwas ab, die Situation bleibt den Experten zufolge aber auf hohem Niveau.Â
«Europa entwickelt sich zunehmend auseinander»
Im vergangenen Jahr hat die Zahl der Firmenpleiten in den meisten westeuropĂ€ischen LĂ€ndern zugenommen. Besonders stark fiel der Zuwachs in der Schweiz aus (+35,3 Prozent). Laut Creditreform geht dies vor allem auf eine GesetzesĂ€nderung zu Jahresbeginn 2025 zurĂŒck. Die Vollstreckung öffentlich-rechtlicher Forderungen sei verschĂ€rft worden, heiĂt es. Dadurch sinke die faktische HĂŒrde fĂŒr Konkurse.
Ein ĂŒberdurchschnittlich hoher Anstieg der Insolvenzen wurde 2025 auch in Griechenland (+24,4 Prozent), Finnland (+12,1 Prozent) und Deutschland (+8,8 Prozent) verzeichnet. Hierzulande wurden gut 24.000 FĂ€lle gezĂ€hlt - der höchste Stand seit 2014.
In sechs LĂ€ndern wurde zuletzt hingegen ein RĂŒckgang registriert - darunter die Niederlande, Irland und Norwegen. «Europa entwickelt sich zunehmend auseinander, und die wirtschaftliche SchwĂ€che der zentralen IndustrielĂ€nder wirkt als Belastungsfaktor fĂŒr den gesamten Kontinent», sagte Hantzsch.
Ein anderes Bild zeigt sich bei den Insolvenzquoten. Luxemburg fĂŒhrt die Rangliste an mit 243 Insolvenzen je 10.000 Unternehmen, gefolgt von der Schweiz (197) und DĂ€nemark (168). Am niedrigsten sind die Quoten in Griechenland (3) und den Niederlanden (13). Deutschland liegt mit 77 im Mittelfeld. Die Aussagekraft ist jedoch begrenzt.
Dienstleistungssektor am stÀrksten betroffen
Die Zahlen sind nach Angaben von Creditreform nur bedingt vergleichbar. Das Insolvenzrecht der LĂ€nder unterscheidet sich teils erheblich, Unternehmensaufgaben können nicht ĂŒberall ĂŒber formale Insolvenzverfahren abgewickelt werden. Zudem gebe es vielfach mehrere und voneinander abweichende Statistiken zum Unternehmensbestand.
Die Insolvenzen entwickelten sich in den Hauptwirtschaftsbereichen zuletzt unterschiedlich dynamisch. Bei Dienstleistern (+8,7 Prozent) und im verarbeitenden Gewerbe (+3,6 Prozent) fiel der Anstieg der FĂ€lle stĂ€rker aus als im Handel und Gastgewerbe (+3 Prozent) und im Bau (+0,1 Prozent).Â
Die Krise beschrÀnke sich lÀngst nicht mehr auf die Industrie, sagte Experte Hantzsch. Eine schwache Konsumneigung und anhaltender Preisdruck trÀfen vor allem konsumnahe Branchen. Die meisten Firmenpleiten entfielen 2025 mit einem Anteil von gut 43 Prozent erneut auf den Dienstleistungssektor.
In Mittel- und Osteuropa ist die Zahl der Insolvenzen zuletzt gesunken. Die Experten sehen darin Nachholeffekte infolge der Corona-Pandemie. In vielen Branchen sei das Insolvenzniveau weiterhin hoch.
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