KĂŒnstliche Intelligenz, Digitalisierung

Wenn KrankenhĂ€user neu denken mĂŒssen

25.06.2026 - 08:30:07 | presseportal.de

Frankfurt am Main - KI soll Prozesse beschleunigen und BeschÀftigte entlasten. Doch viele HÀuser tun sich noch schwer mit dem Wandel.

Wenn KrankenhĂ€user neu denken mĂŒssen - Bild: presseportal.de
Wenn KrankenhĂ€user neu denken mĂŒssen - Bild: presseportal.de

Deutschlands Kliniken stehen unter Druck. FachkrÀftemangel, steigende Kosten und wachsende Dokumentationspflichten belasten den Alltag vieler HÀuser. Zeitgleich wÀchst die Erwartung, medizinische Versorgung schneller, effizienter und digitaler zu organisieren. KI soll dabei helfen, AblÀufe zu vereinfachen und BeschÀftigte zu entlasten. Doch vielerorts bleibt die Umsetzung schwierig. HÀufig scheitern Projekte nicht an der Technik, sondern an gewachsenen Strukturen, fehlenden Ressourcen und langen Entscheidungswegen. WÀhrend andere LÀnder digitale Lösungen deutlich pragmatischer einsetzen, kÀmpfen deutsche Kliniken noch mit gewachsenen Strukturen und langen Entscheidungswegen. Dabei wÀchst der Handlungsdruck.

Zahlreiche Prozesse stammen aus einer Zeit, in der Daten kaum vernetzt waren und Digitalisierung noch als Zusatzaufgabe galt. Warum KrankenhĂ€user jetzt umdenken mĂŒssen, erklĂ€rt Michael Ey, Leiter Global Health Services bei PwC.

Viele Kliniken sprechen ĂŒber KI. Ist das echter Wandel - oder oft noch digitale Symbolpolitik?

Der Wandel ist da, allein schon wegen des Drucks im System. Gleichzeitig sinkt die Zufriedenheit vieler Menschen mit dem Gesundheitswesen, das zeigt unser Healthcare Barometer 2026. KI wird deshalb zunehmend zur Notwendigkeit. Viele denken dabei sofort an hochkomplexe Diagnostiksysteme. Dabei liegen die schnellsten Fortschritte in der Verwaltung: Terminplanung, Belegungssteuerung oder Arztbriefe kosten heute enorme Zeit. Genau dort kann KI spĂŒrbar und schnell entlasten - und BeschĂ€ftigten wieder mehr Zeit fĂŒr Patienten verschaffen.

Warum kommen viele HĂ€user nur langsam voran?

Weil wir hĂ€ufig mit der falschen Erwartung starten. In Deutschland wollen wir sofort die perfekte Lösung bauen. Erst Gesamtstrategie, dann Masterplan, alles im Goldstandard. Genau das passt aber nicht zur Dynamik von KI. Wer zu lange plant, verliert Zeit. Sinnvoller wĂ€re es, kleiner anzufangen, Dinge auszuprobieren und daraus zu lernen. Viele Anwendungen lassen sich heute relativ unkompliziert einfĂŒhren - gerade außerhalb hochregulierter medizinischer Bereiche.

Wo erleben Kliniken die grĂ¶ĂŸte Entlastung?

Vor allem dort, wo Verwaltungsaufwand die Arbeit dominiert. PflegekrĂ€fte und Ärzt:innen verbringen inzwischen einen immer weiter steigenden Teil der Arbeitszeit mit Dokumentation statt mit Versorgung. Gleichzeitig stoßen Kliniken trotz neuer Technologien zunehmend an Grenzen, weil der regulatorische Aufwand weiter wĂ€chst. KI kann Formulare strukturieren, Briefe vorbereiten oder Prozesse koordinieren. Das klingt unspektakulĂ€r, hat aber eine große Wirkung. Und zahlt sich fĂŒr die Kliniken besonder schnell auch wirtschaftlich aus. Wir sprechen hier von Monaten, bis erste Lösungen eingefĂŒhrt sind und einen positiven Effekt auf die tĂ€gliche Arbeit und die wirtschaftliche Lage haben.

VerÀndert KI auch die Rolle von Krankenhausleitungen?

Absolut. Klassische IT-Projekte wurden frĂŒher hĂ€ufig top down entschieden. KI funktioniert anders. Erfolgreiche HĂ€user beziehen PflegekrĂ€fte, Ärzt:innen und Verwaltung frĂŒh ein, weil dort das Prozesswissen sitzt. FĂŒhrung bedeutet deshalb stĂ€rker Moderation und Orientierung statt reiner Vorgabe. Entscheider:innen benötigen aber ein realistisches VerstĂ€ndnis dafĂŒr, was diese Systeme leisten können. Sie mĂŒssen also selbst die Möglichkeiten der KI "ausprobieren".

Deutschland diskutiert beim Thema Gesundheitsdaten besonders sensibel. Bremst uns das?

Datenschutz ist essenziell, besonders bei Gesundheitsdaten. Gleichzeitig bringt die Bevölkerung den Kliniken ein großes Vertrauen entgegen, dass mit Daten sorgfĂ€ltig umgegangen wird. Problematisch wird, wenn Datennutzung fast automatisch als Risiko verstanden wird.

In Deutschland scheitern Projekte hĂ€ufig weniger an der Technik als an komplizierten ZustĂ€ndigkeiten und Unsicherheit. Datenschutz und Datennutzung mĂŒssen stĂ€rker zusammengedacht werden: Sicher und nutzbar.

Was mĂŒssen Kliniken tun, damit die KI-Transformation nicht zur verpassten Chance wird?

Nicht warten, bis jede Strategie perfekt ausformuliert ist. Sondern Anwendungen testen, Erfahrungen sammeln und daraus grĂ¶ĂŸere Lösungen entwickeln. NatĂŒrlich wird nicht jedes Projekt sofort funktionieren. Aber genau dieses Lernen gehört zur Transformation dazu, jetzt muss Wissen aufgebaut werden. Wer weiter zögert, wird spĂ€ter MĂŒhe haben aufzuholen.

Pressekontakt:

N: Dominik Kronberger
T: +49 171 3645066
E: dominik.kronberger@pwc.com

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