Geburtshilfe-Krise: Potsdamer Klinik schließt Abteilung sofort
Veröffentlicht: 12.07.2026 um 09:12 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Der Hebammenverband schlug am Sonntag Alarm: Längere Anfahrtswege erhöhen das Risiko für ungeplante Geburten außerhalb klinischer Einrichtungen.
Potsdamer Klinik schließt vorzeitig
Das Alexianer St. Josefs-Krankenhaus in Potsdam stellte am Freitag den Betrieb der Gynäkologie und Geburtshilfe mit sofortiger Wirkung ein. Eigentlich sollte die Abteilung erst zum 1. August schließen. Grund für den vorgezogenen Schritt: fehlendes Personal. Rund 50 Beschäftigte sind betroffen.
Im vergangenen Jahr verzeichnete die Einrichtung noch 632 Geburten. Eine Petition gegen das Aus der Abteilung hatte mehr als 16.500 Unterschriften gesammelt – vergeblich. Bereits am Donnerstag schloss das Krankenhaus zudem seine Babyklappe, die einzige ihrer Art in Brandenburg.
Patientinnen werden nun an das Klinikum Ernst-von-Bergmann verwiesen. Das Krankenhaus muss die Versorgung übernehmen, strich jedoch zeitgleich Leistungen in anderen Bereichen wie der Orthopädie.
„Interventionskaskade“ droht
Der Hebammenverband warnte: Das Aus in Potsdam sowie frühere Schließungen in Ludwigsfelde, Strausberg und Forst belasten die verbliebenen Kliniken massiv. Die zweite Vorsitzende Antje Schulz erklärte die Risiken: Frauen kämen aus Sorge vor langen Wegen zu früh in den Kreißsaal. Ein verfrühtes Eintreffen erhöhe statistisch die Wahrscheinlichkeit für eine sogenannte Interventionskaskade – eine Abfolge medizinischer Eingriffe während der Geburt.
Auch die Leiterin eines Potsdamer Geburtshauses kritisierte den Wegfall der Abteilung. Der Verlust an Wahlmöglichkeiten verunsichere werdende Mütter enorm.
Die Schließung der Potsdamer Geburtsstation ist nur die Spitze des Eisbergs. Immer mehr Kliniken geben auf – werdende Mütter stehen vor längeren Anfahrtswegen und weniger Wahlmöglichkeiten. Unser kostenloser Ratgeber zeigt Ihnen, wie Sie trotz Krise einen sicheren Kreißsaal-Platz finden und sich auf Notfälle vorbereiten. Jetzt kostenlosen Ratgeber anfordern
Bundespolitik verschärft die Krise
Flankiert wird die Misere durch ein neues Gesetz. Der Bundestag verabschiedete am Freitag das Beitragsstabilisierungsgesetz. Es koppelt die Vergütungen im Gesundheitswesen künftig eng an die Grundlohnrate. Von 2027 bis 2029 sollen sie sogar einen Prozentpunkt darunter liegen.
Der Hebammenverband mit rund 29.000 Mitgliedern bezeichnete das Gesetz als skandalös. Er befürchtet weitere Einkommenseinbußen und Versorgungslücken. Betroffen ist etwa das Diakonissen-Stiftungs-Krankenhaus in Speyer, eine der bundesweit größten Geburtskliniken mit jährlich rund 3.600 Geburten. Dort rechnet man für 2027 mit einer Deckungslücke von etwa fünf Millionen Euro.
Auch der Verband der Privaten Krankenversicherung übt Kritik. Durch die Anhebung der Beitragsbemessungs- und Versicherungspflichtgrenze entstehe eine jährliche Mehrbelastung von rund 4,5 Milliarden Euro für Arbeitgeber und Versicherte.
Länder suchen nach Lösungen
Schwangere in Brandenburg und ganz Deutschland sind verunsichert: Welche Klinik ist noch da? Was tun, wenn die nächste Station über 30 Minuten entfernt ist? Unser Ratgeber liefert einen konkreten Notfallplan – von der rechtlichen Absicherung bis zur Checkliste für die Hausgeburt. Notfallplan für Schwangere jetzt sichern
Nicht nur in Brandenburg wächst der Unmut. Die niedersächsische Landesregierung warnte am Samstag vor einem drohenden Kliniksterben infolge von Sparpaketen und neuen Qualitätsstandards. Besonders kleine und mittlere Häuser in Flächenländern seien gefährdet. Ministerpräsident Stephan Weil forderte Nachbesserungen vom Bund.
In Sachsen-Anhalt versucht die Kommune Ballenstedt einen anderen Weg. Eine ehemalige Lungenklinik wird für rund zehn Millionen Euro zu einem Gesundheitszentrum umgebaut – mit Seniorenwohnen, Facharztpraxen und einem Schlaflabor. Die Eröffnung ist für 2027 geplant. Der Bürgermeister erklärte, die Kommune übernehme das unternehmerische Risiko über eine GmbH. Prognosen des Bosch Health Campus zufolge könnten bundesweit zwischen 800 und 1.000 Krankenhäuser vom Markt verschwinden.
Disclaimer zu unseren Artikeln: Keine Anlageberatung, keine Kauf oder Verkaufsempfehlung. Angaben zu Kursen, Unternehmen und Märkten ohne Gewähr; Änderungen jederzeit möglich. Börsengeschäfte können zu hohen Verlusten führen. Unsere Beiträge werden ganz oder teilweise automatisiert mit Unterstützung von AI erstellt und geprüft.
